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Perdöhl Geflügelhalter unter Zeitdruck

Von Dieter Hirschmann | 03.12.2016, 05:00 Uhr

Züchter in der Region schlachten ihre Tiere früher als geplant, weil sie Angst vor neuen Vogelgrippefällen haben

Viele Geflügelhalter in der Region schlachten bereits jetzt ihr Geflügel aus Angst vor neuen Vogelgrippefällen. Zu ihnen gehört die Landwirtin Helene Thal, die ihren Hof in Perdöhl hat.  Gähnende Leere herrscht dort, wo bis vor einigen Wochen noch ihre Enten  und Gänse munter schnatterten. Auf dem Hof führt das verfügte Gebot der Aufstallung von Geflügel zu mehr Stress, bei den Tieren und bei den Haltern.  „Die Maßnahmen, die mit der aufgetretenen Geflügelpest im Zusammenhang stehen, bedeuten für uns als Produzenten, dass wir in letzter Konsequenz vier Wochen früher als geplant mit unseren Tieren zum Schlachter fahren müssen. Wir hatten eigentlich noch gar nicht vorgesehen, jetzt die Tiere für den Weihnachtsverkauf vorzubereiten. Doch wir sind dazu aufgrund der aktuellen Lage gezwungen“, sagt Landwirtin Helene Thal im SVZ-Gespräch mit dem Hinweis, dass jede Ente und jede geschlachtete Gans für sie wichtig sei, man wisse ja nie, was noch passiere ... .

In der Tat sei die Gefahr der Infektion eines Geflügelbe-standes hoch. Deshalb stehe der Seuchenschutz  in den Stallanlagen  an erster Stelle. Kein Fremder dürfe zu den Tieren, ein Flatterband, quer über den Hof gezogen, markiert den gesperrten Bereich.

„Die Enten und Gänse fühlen sich überhaupt nicht wohl, wenn sie  eingesperrt sind. Im Normalfall sind die Tiere den gesamten Tag an der frischen Luft draußen. Das eingepferchte Geflügel nimmt nicht mehr zu, im Gegenteil, die Tiere nehmen eher im Gewicht ab, und das ist nicht gut“, sagt Stephan Thal, im Betrieb unter anderem zuständig für das Geflügel. Als Grund nennt er dafür den Stress, den sich die Tiere im Stall ausgesetzt sehen. Zudem fressen die Enten und Gänse in der gegenwärtigen Situation nach seinen Worten wesentlich weniger. Dabei sollen die Tiere zunehmen und schöne Weihnachtsgänse und -enten werden.

Mit  ihrem Verkaufswagen ist Helene Thal auf den Wochenmärkten in Boizenburg, Neuhaus, Ratzeburg und Mölln unterwegs. Viel läuft im Verkauf  bei ihr über die Kundschaft, die ihr über Jahre das Vertrauen erweist.

„Das Vertrauen, das mir meine Kunden entgegenbringen, ist mir besonders wichtig, das muss immer wieder neu erarbeitet werden. Und deshalb haben wir als Produzenten jetzt den Stress. Wir müssen nämlich zusehen, dass wir unsere Tiere schnell geschlachtet bekommen, um Verlusten vorzubeugen“, sagt sie weiter. Nach ihren Worten legt der Verbraucher großen Wert darauf, Tiere aus der Freilandhaltung zu bekommen, weil das Fleisch einfach besser schmecke.

Helene Thal hat als Landwirtin und  als Direktvermarkterin schon so einiges mitgemacht. So überstand der Betrieb Ende der 90er-Jahre  beispielsweise die BSE-Krise. „Wir hatten damals gerade das erste Rind geschlachtet, und am nächsten Tag stand die BSE-Schlagzeile in der Zeitung. Dank unserer treuen Kunden sind wir aus dem Tief damals gut rausgekommen. Das gegenseitige Vertrauen führt dazu, dass die Kunden wissen, wo das Fleisch herkommt, das ist  bei den Rindern genauso wie beim Geflügel“, macht die Landwirtin auf ihren Qualitätsanspruch aufmerksam.

Die Tendenz des vorgezogenen Schlachtens von Geflügel bestätigte gestern auch Margitta Zecher, die Vereinsvorsitzende des Wittenburger Rassegeflügelzuchtvereins.

„Viele Züchter sind sogar schon mit dem Schlachten durch. Außerdem befürchte ich, dass viele erfahrene Züchter irgendwann aufgeben werden, weil sie den Stress mit dem immer wiederkehrenden Einstallen nicht mehr haben wollen.“