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Jäger vermuten groß angelegte Wilderei und erstatten Anzeigen Frecher Wildfrevel im Glaser-Horst?

Von Mayk Pohle | 29.11.2012, 07:36 Uhr

Aufsteigende Krähenschwärme wiesen den Suchenden den Weg in dem düsteren Waldstück. Am Boden lagen dort verstreut die Überreste von sieben Wildschweinen. Ausgeschabte Felle und Reste von Schädeln lagen da verteilt.

Aufsteigende Krähenschwärme wiesen den Suchenden den Weg in dem düsteren Waldstück. Am Boden lagen dort verstreut die Überreste von gleich sieben großen Wildschweinen. Sauber ausgeschabte Decken (Felle), Reste von Schädeln, jede Menge Klauen lagen da verteilt. Für den Finder Erich Passlack, selbst passionierter Jäger, war im ersten Augenblick klar: Hier haben sich Wilddiebe ausgetobt.

Sogleich informierte er den zuständigen Jäger in diesem Revier. Das ist Jürgen Kunrede, der auch Anzeige bei der Polizei erstatten wird. Denn bei Wildfrevel geht es nicht um irgendeine Ordnungswidrigkeit, es geht um eine Straftat. Und es geht auch um einen ordentlichen Gegenwert beim Wildfleisch. Horst Granzow (82), erfahrener Weidmann und auch zuständiger Jagdaufseher für das Gebiet, schätzt die Menge des verwertbaren Fleisches pro ausgeweidetem Tier auf gut 50 Kilogramm. Legt man dann marktübliche Preise zugrunde, die der oder die Täter ja umgangen haben, so kommt man allein für die sieben Tiere auf einen Gegenwert von gut 5000 Euro. Doch das erklärt die Empörung der Weidmänner nur zum Teil. Was Passlack und Granzow bei der Aufräumaktion vor Ort fast noch mehr aufregte, war die Tatsache, dass die Überreste einfach liegen gelassen wurden. Jäger, die Tiere vor Ort ausnehmen, vergraben die Reste fachgerecht in mindestens 80 Zentimeter Tiefe. "Das ist natürlich Arbeit, die sich der oder die Täter offenkundig nicht machen wollten," ist sich Passlack sicher.

Es ist nicht der erste Fall von Wilddieberei im engeren Hagenower Umfeld, und die Jäger haben auch schon einen Verdacht, wo die Täter zu finden sein könnten. Mit der Beweislage wird es natürlich schwierig. Es sei denn, es finden sich Zeugen, die gesehen haben, wie die Wildreste abgeladen wurden. Nach den Spuren spricht einiges dafür, dass die Wildschweine nicht an dem Ort geschossen und ausgeweidet wurden, an dem man ihre Überreste fand. Zudem seien, das berichtet auch Werner Wiederholdt, der Sprecher der Kreisjägerschaft, im Bereich Glaser Horst zuletzt sehr wenige Sauen gesehen und auch geschossen worden. Auch Wiederholdt berichtet, dass es immer wieder Fälle von Wilderei gegeben habe und die Jägerschaft dem entschlossen nachgehe.

Für die Fundstelle Glaser Horst spricht die relative Nähe zur Stadt und die gute Erreichbarkeit über eine ausgebaute Straße. Die Wildschweinreste lagen nur wenige hundert Meter vom Ende der Asphaltbahn entfernt. Nach Beobachtungen der Jäger ist das Waldstück zwischen den großen Bahnstrecken schon längst zum Abladeplatz für alles Mögliche verkommen. Immer wieder kippen Kleingärtner ganze Hänger ladungen mit Laub- und Gartenabfällen ab, andere lassen gern ihren Müll in dem Wald liegen.