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Waschow/Perdöhl/Neuenkirchen Enten sind der Weihnachtsrenner

Von THME | 23.12.2017, 16:00 Uhr

Zu groß, zu fett, zu viel Fleisch: Traditioneller Gänsebraten zum Fest verliert hierzulande offensichtlich an Bedeutung

Zu Beginn der Weihnachtszeit wird es wieder deftig in den Küchen des Landes: War früher traditionell die Gans das bevorzugte Geflügel auf dem Teller in der Familienrunde unterm Tannenbaum, erobert sich offenbar nun zunehmend die Ente ihren Stammplatz auf dem Speiseplan.

„Gans hat für mich persönlich zwar einen schöneren Geschmack, doch vielen Kunden ist sie mittlerweile einfach zu groß“, erzählt Helene Thal, die seit 1990 einen Bauernhof und in Perdöhl eine Zucht betreibt. „Ente wird mehr gegessen“, betont sie.

Das kann Maxie Zieger-Becker vom Schaalsee-Hof in Waschow ebenfalls bestätigen. „Wir hatten dieses Jahr 40 Gänse und 500 Enten, alle sind verkauft“, sagt die 35-Jährige. Gänse seien vielen Menschen heutzutage einfach zu groß und zu fett. Da meist die Kinder aus dem Haus seien, wolle niemand mehr so recht an die Gans heran. Höchstens als Brust oder Keule. „Eine Gans kann gut und gerne auch mal zwischen fünf und sechs Kilo wiegen. Eine Ente hat um die drei Kilogramm“, sagt die Fleischermeisterin, die auf ein Enten-Rezept von Fernsehkoch Steffen Henssler schwört. „Ich mag lieber Enten, weil ich sie zarter finde. Ich lege sie deshalb 24 Stunden in Salzlake ein. Dann ab in den Backofen, das gibt Kruste und Geschmack ohne Ende und schmeckt nur noch geil“, schmunzelt die junge Frau. Im kommenden Jahr werde man auch in ihrem Familienbetrieb keine Gänse mehr großziehen, kündigt sie an und erklärt im selben Atemzug, auch warum, nämlich aus Platzmangel.

Schwester Winnie Zieger mag ebenfalls am liebsten Ente. „Doch bei uns gibt es sie das ganze Jahr. Wir essen sie nicht nur um die Weihnachtszeit, sondern auch im Sommer, wenn es heiß ist“, lacht die 29-Jährige beim Fototermin mit ihrem Sohn Fiete und einer Mularde, der Kreuzung aus Flug- und Peking-Ente, deren Haltung unkompliziert sei. „Das Fleisch ist sehr zart und geschmackvoll, aber nicht so fettig wie bei Pekingenten“, schwärmt Winni Zieger, die Landwirtin.

Ortswechsel: Sieglinde Schröder bietet in Neuenkirchen seit 27 Jahren Gänse- und Entenbraten in ihrem Gasthaus zum See an. Vor Gästen kann sie sich gerade in der Vorweihnachtszeit und auch übers Fest meist kaum retten. Denn ihre Gänsebraten sind legendär.

„Viele können sie nicht mehr zubereiten oder trauen es sich nicht zu. Man braucht auch eine großen Herd und den nötigen Backraum dafür. Die Übung fehlt vielen, weil Gans ja oft nur einmal im Jahr auf dem Speiseplan steht, nämlich an Weihnachten“, berichtet gestern Holm Schröder, Sohn und Mitbetreiber der Gastwirtin. Denn seine Mutter habe den Abend zuvor sehr lange gearbeitet, erklärt er im Redaktionsgespräch. „Wir sind über das Fest total ausgebucht für das Festtagsmenü mit Enten und Gänsen. Viele Gäste reisen von weit her an, nur um bei uns zu speisen. Entenfleisch und Gänsehaut, das wäre für mich persönlich die perfekte Mischung.“ Eine qualitativ gute Gans brate ganz von alleine, meint Holm Schröder. Doch diese Tiere in der Region zu bekommen, sei schwer, so der 46-Jährige Neuenkirchener, der sich als „echten Westmecklenburger“ bezeichnet.