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Nach Frostschäden deutlich geringere Apfelernte erwartet Dodow: Kampf um jeden Apfel

Von Mayk Pohle; | 16.09.2011, 07:23 Uhr

Es war die Schicksalsnacht vom 4. zum 5. Mai, die die Obstanbauer um Tausende Tonnen Äpfel brachte. Ein paar Minusgrade kurz vor dem Blütenfest reichten, um nahezu die Hälfte der erwartbaren Ernte zu vernichten.

Es war die Schicksalsnacht vom 4. zum 5. Mai, die die Obstanbauer um Tausende Tonnen Äpfel brachte. Ein paar Minusgrade kurz vor dem Blütenfest reichten, um nahezu die Hälfte der erwartbaren Ernte zu vernichten. Jetzt im Herbst gibt es zur schlechten wenigstens eine halbwegs gute Nachricht. In ganz Deutschland und auch in Europa gibt es genügend Äpfel, fällt die Ernte besser aus. Somit kann Fruchtquell Dodow die erwarteten Ernteausfälle von allein 10 000 Tonnen bei Äpfeln durch Zukäufe kompensieren. Dazu kommt, dass es bei Tafelobst durch Hagelschäden größere Ausfälle gab. Hagelgeschädigtes Obst eignet sich natürlich immer noch gut für die Saftproduktion.

Zugleich setzt das Unternehmen der "riha-Gruppe" wie in allen Jahren auf die fleißigen Äpfelsammler aus der Region, die ihre Ernte dann nach Dodow bringen. Geschäftsführer Frank Jehring: "Gerade in diesem Jahr können wir für die Sicherung einer konkurrenzfähigen Produktion wirklich jeden Apfel gebrauchen. Und bisher können wir uns über den Andrang an den Aufkaufstellen auch nicht beschweren." Nach 14 Tagen im Aufkauf habe man schon die Hälfte der Menge des vergangenen Jahres, nämlich 1000 Tonnen, verarbeiten können. Ziel sei es, insgesamt 2500 Tonnen auf diesem Weg zu bekommen. Dodow gibt sich dabei im Vergleich zu anderen Aufkäufern dabei besonders kulant. Es gibt keine Mindestmengen, die man bringen muss. Die Apfelsammler können zudem wählen zwischen einer Bargeldauszahlung oder der Mitnahme von Apfelsaft, der natürlich rabattiert abgegeben wird.

Sinn der buchstäblichen Apfelschlacht, die bis zum Ende der Ernte Mitte November anhalten wird, ist die Gewinnung einer möglichst großen Menge des Grundstoffes für Apfelsaft. Dodow verfügt ja erst seit wenigen Monaten mit acht Riesentanks zu je 1,5 Millionen Litern über gewaltige Lagermöglichkeiten, die andere Mitbewerber nicht haben.

Auffällig in diesem Jahr ist der zum ersten Mal spürbare Anteil von Bioapfelsaft innerhalb der Produktion. In diesem Jahr wird die erste Bioernte auf gut 100 Hektar eingefahren. Für diesen Saft kann Dodow beim Handel höhere Preise verlangen, dafür sind aber auch der Aufwand höher und der Ernteertrag geringer. Jehring: "Die Biosaftproduktion wird weiter an Bedeutung gewinnen, weil schlicht die Nachfrage da ist. Wir arbeiten da auch mit Partnern wie Boddinobst sowie dem Stralsunder Obstgut zusammen, um schon in diesem Jahr 1700 Tonnen Bioobst verarbeiten zu können." Verkaufsschlager ist und bleibt dabei der so genannte Direktsaft, bei dem dann Wasserzusätze verboten sind.

Unabhängig von den schlechten Erfahrungen dieses Jahres beim Obstanbau will Fruchtquell Dodow die Basis der eigenen Rohstoffproduktion weiter ausbauen. Anders formuliert: Es werden weiter Flächen für neue Plantagen gesucht. Allein in diesem Jahr sind auf 80 Hektar Apfelbäume neu gepflanzt worden. Bis diese zum ersten Mal Äpfel tragen können vergehen drei Jahre.

Es wird jedoch immer schwerer angesichts rasant steigender Bodenpreise noch neue Flächen zu finden. Dauerhaft ist Fruchtquell auf den vergleichsweise günstigen Rohstoff aus eigener Produktion angewiesen. Wer viel Direktsaft oder Konzentrat hat, der kann schnell und viel liefern. Und nur das zählt auf dem Markt der Getränke.