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Bildung Die Idee: Eine Uni für Boizenburg

Von Franca Niendorf | 23.11.2012, 10:43 Uhr

Mit einer Universität wollen Sarah und Elke Rupp ihre Heimatstadt attraktiver machen. Die Idee kommt an: Mutter und Tochter bekommen viel Zuspruch. Ihr gewünschter Eröffnungstermin für die Uni: 2020.

Eine Uni für Boizenburg. "Die Idee klingt bescheuert und illusorisch", sagt Sarah Rupp. Trotzdem schickt die Abiturientin aus der Elbestadt sie per E-Mail in die Region. Zusammen mit ihrer Mutter Elke. Sie wollen Diskussionen auslösen, zum Nachdenken anregen. Darüber, was man tun könnte, um Boizenburg zu beleben und somit attraktiver für junge Menschen zu machen.

Für die 17-Jährige steht fest: Sie verlässt ihre Heimatstadt nach dem Schulabschluss, um zu studieren. Und mit ihr nahezu alle Mitschüler. Warum? "Boizenburg ist nicht so einladend für die Jugend", sagt sie. Wenig Angebote, ein Naturpark ohne Touristen, leerstehende Läden, traurige Straßenfeste, fehlende Bildungsangebote, schreibt sie in ihrer Präsentation, die übers Internet etliche Empfänger erreicht hat. Auch das Rathaus.

Dort nimmt man die Idee erstmal auf. "Das klingt toll", sagt Jörn Pamperin, stellvertretender Bürgermeister. Boizenburg würde davon profitieren, weil eine Uni vieles nach sich ziehe. Ob für das Stadtleben, die Kultur oder den Sport. "Bleibt die Frage, wie so etwas zu realisieren wäre. Vielleicht als Außenstelle der Lüneburger Uni." Die Stadt sei für Gespräche offen und würde bei der Gelegenheit gern ergründen, wie zufrieden junge Leute hier sind.

"Boizenburg ist eigentlich total süß", sagt Sarah Rupp. Einerseits. Doch man müsste mehr daraus machen. Das einzige, was die Schülerin und mit ihr viele Jugendliche anziehe, sei das Kino in der Innenstadt. "Das ist klein, aber da ist immer was los." Ausgefallene Restaurants oder Bars, Fehlanzeige. Man müsse immer wegfahren, um etwas zu erleben. Deshalb geht es jedes Wochenende, oder alle zwei, in die Studentenstadt Lüneburg. "Es bleibt einem nichts anderes übrig", sagt die Boizenburgerin.

Eine Universität könnte einiges ändern. Junge Menschen würden kommen, oder bleiben. Und mit ihnen viele neue Ideen, die ihre Heimatstadt beleben könnten. "Dann hätte ich auch eher Ambitionen hierzubleiben."

Stattdessen schaut sie sich gerade nach anderen Hochschulen um. Zuletzt in Köln. Neurowissenschaften möchte Sarah Rupp studieren. Oder Biologie oder Medizin mit Spezialisierung Neurologie.

Dass ihre Tochter bald weg ist, stört Elke Rupp nicht. Sie könnte ja bald wiederkommen - "als Dozentin für die Uni Boizenburg vielleicht", sagt sie und lacht. Erst sei es nur eine fixe Idee gewesen. Mittlerweile hat sie ein Datum für die Eröffnung im Kopf. Im Jahr 2020. Die 44-Jährige bekommt so viel Zuspruch, dass sie sagt, "ein Projekt, das alle lieben, kann auch was werden." Sie ist nahe Lübeck geboren, lebt seit 20 Jahren in Boizenburg und kennt viele Vorzüge für den potenziellen Uni-Standort: Natur, leere Wohnungen, gute Verkehrsanbindung... und viel Platz. "Genug Raum für Bildung", sagt sie.


Das könne funktionieren. Uni-Städte wie Heidelberg oder Bonn würden es beweisen. 5000 und 10 000 Einwohner stark seien beide Standorte bei Gründung gewesen. Mit 40 bis 60 Studenten hätten sie angefangen. In Bayern habe man die letzte Hochschule gegründet. 1994. Ganz bewusst in einem strukturschwachen Gebiet in Deggendorf. "Und das hat sich unglaublich gut entwickelt. Warum dann nicht auch in der Elbestadt?", fragt Elke Rupp, die selbst Dozentin an Berufsschulen der Region ist. Lange hat sie überlegt, was Boizenburg bereichern könnte. Immer wieder kam sie aufs Thema Bildung. Beide hoffen nun auf viele Gespräche über eine Idee, die vielleicht gar nicht so "bescheuert" ist.