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Hagenow Die Bundeswehr bleibt in Hagenow

Von Mayk Pohle | 25.10.2011, 07:07 Uhr

Es ist Gewissheit: Wenn Verteidigungsminister Thomas de Maizière heute Vormittag die Schließungsliste der Bundeswehrstandort vorlegt, dann wird Hagenow nicht dabei sein.

Darauf wiesen gestern Nachmittag alle der Schweriner Volkszeitung zur Verfügung stehenden Informationsquellen eindeutig hin. Offiziell wollte gestern natürlich niemand dem Minister vorgreifen, doch hinter den Kulissen wurde auf allen zur Verfügung stehenden Kanälen gefunkt. Ergebnis: Das Panzergrenadierbataillon bleibt nicht nur bestehen, es bleibt auch in Hagenow. Die meisten Soldaten des Panzergrenadierbataillons werden die gute Nachricht heute auf dem Übungsplatz Bergen bekommen und sich mit Sicherheit freuen. Denn die Alternative des Umzuges wäre wohl Torgelow gewesen, nicht nur für die Familien der Soldaten ein wenig attraktiver Standort. An der Weiterexistenz des Bataillons an sich mit seinen gut 1000 Soldaten hat es jedoch nie Zweifel gegeben. Grenadiere werden nach wie vor dringend benötigt, vor allem für die Auslandseinsätze. Und die Bundeswehr verfügt nur noch über sehr wenige dieser Bataillone. Nicht umsonst müssen die im Einsatz erfahrenen Hagenower im kommenden Jahr wieder für Monate an den Hindukusch und werden im Bereich Kunduz de facto die Sicherung des dortigen Standortes fast im Alleingang zu tragen haben.

Bei der Beurteilung des Standortes haben aber auch nach dem Urteil von Fachleuten ganz andere Kriterien eine Rolle gespielt. Wichtig: Die Hagenower Kaserne ist eine der modernsten und sie hat durch ihre großzügige Anlage auch Möglichkeiten für einen Ausbau. Neben den Panzergrenadieren sind ja auch die Feldjäger mit einer Kompanie sowie ein Sanitätszentrum in der Kaserne untergebracht. Doch eine modernisierte Kaserne allein ist noch lange kein Kriterium, die den Standort sichert, wie vor wenigen Jahren die Schließung der Schweriner Kaserne in Stern Buchholz gezeigt hat.

Wichtiger Pluspunkt für Hagenow, die Kaserne verfügt über ein eigenes Übungsgelände, auf dem die Truppe zumindest mit Schützenwaffen scharf schießen kann. Nur bei größeren Übungen, wie derzeit in Bergen, muss verlegt werden. Dafür gibt es, auch erst modernisiert, eine extra Verladerampe, so dass kein Schützenpanzer mehr durch Hagenow rollen muss.

Mit dem Fortbestand der Hagenower Kaserne wird so ganz nebenbei auch eine militärische Tradition fortgesetzt, die sich vor allem an dem Jahr 1980 festmacht. Damals war das Mot.-Schützenregiment 29 von Prora auf Rügen in die neue Kaserne nach Hagenow verlegt worden. Auch damals war das Regiment ein besonderer Verband. Die Hagenower waren ein so genanntes Deckungsregiment, das im Fall der Fälle gleich an vorderster Linie zu kämpfen hatte.

Inwieweit jetzt für Hagenow die alten Ausbaupläne wieder aus der Schublade geholt werden, ist völlig offen. Ursprünglich war ja einmal von bis zu 1700 Dienstposten die Rede. Platz wäre jedenfalls genug da. Für die Region bedeutet die Bundeswehr einen nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor, auch wenn die Soldaten das Bataillons weit verstreut im ganzen Norden Deutschlands leben.