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Hausärzte für Hagenow gesucht Der Nächste, bitte!

Von Katharina Hennes; | 29.11.2012, 10:19 Uhr

Mit dem Weggang einer Hausärztin in Hagenow spitzt sich die ärztliche Versorgung zu. Kranke, gehbehinderte Patienten werden abgewiesen. Die Suche nach einem neuen Arzt wird zur Geduldsprobe.

In Hagenow werden die Hausärzte knapp. Für eine Allgemeinmedizinerin, die zum Jahresende in den Ruhestand geht, gibt es bis heute keinen Nachfolger. Ihre fast 500 Patienten müssen sich jetzt nach einem neuen Hausarzt umsehen. Doch die Suche wird zur Geduldsprobe.

Anneliese F. weiß nicht weiter. Ihre Mutter (87) muss ab Januar von einem neuen Arzt betreut werden. "Sie kann nicht mehr gut laufen, ist auf Hausbesuche angewiesen. Täglich nimmt sie Medikamente. Die müssen verschrieben werden. Aber ich kann die Rezepte doch nicht selber ausfüllen." Seitdem sie weiß, dass die Ärztin ihrer Mutter aufhört, bemüht sich Anneliese F. um eine neue Betreuung. Acht verschiedene Hausärzte in der Stadt ruft sie an. Keiner will die 87-Jährige in seine Patientenkartei aufnehmen. "Wir sind voll", sagen die Schwestern. Fast hätte sie eine Zusage bekommen, doch als sie erzählt, dass ihre Mutter nicht mobil sei, wird sie auch diesmal wieder abgewiesen.

1300 Einwohner pro Hausarzt, so rechnet die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in ihrer Bedarfsplanung für Mecklenburg Vorpommern. In der 11000-Einwohner-Stadt Hagenow praktizieren mit dem Wegfall der Allgemeinärztin zum Jahresende noch neun Hausärzte. Damit sei die Stadt selbst unter Berücksichtigung des Umlandes noch gut versorgt, sagt Oliver Kahl, der bei der KV in Schwerin für die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung zuständig ist. Zwanzig Mal klingelt bei ihm am Tag das Telefon. Mal sind es Ärzte, die überlastet sind. Mal Patienten, die nicht mehr weiter wissen. "Die Lage ist ernst", sagt Kahl. 175 Hausarztstellen seien im Juni im Land nicht besetzt gewesen, aktuell sind es 192. Dennoch gebe es keinen Grund zur Panik. Obwohl das Durchschnittsalter der Hagenower Hausärzte bei über 50 Jahren liegt, müsse laut Oliver Kahl niemand Angst um seine medizinische Versorgung haben. Er sei zuversichtlich, dass sich für die scheidende Ärztin in Hagenow ein Nachfolger findet. Dabei sucht das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ), in dem die Ärztin angestellt ist, bereits schon seit über einem Jahr nach einem Nachfolger. "Wir haben im Internet und im Ärzteblatt inseriert und sogar junge Ärzte direkt angeschrieben", sagt Iris Mertens, die Praxismanagerin des MVZ. Bis heute habe niemand reagiert. "Auch unsere direkten Anschreiben blieben komplett beantwortet." Ihrer Erfahrung nach orientierten sich junge Ärzte lieber Richtung Westen und Süden. Dabei spiele weniger der Verdienst eine Rolle, sondern vielmehr das gesamte Umfeld. "Die Ärzte wollen in die Großstädte, Kleinstädte in ländlichen Regionen sind einfach nicht attraktiv genug." Zudem seien Frauen heute kaum noch bereit, 60 Stunden zu arbeiten und ihr Privatleben ganz dem Beruf zu opfern. Iris Mertens, die fünf Praxen in Hagenow, Parchim und Schwerin managt, würde jeden neuen Bewerber "mit Kusshand begrüßen", sagt sie. Für die Praxen in Schwerin und Parchim habe sie Ärzte gefunden, nur in Hagenow gestalte sich die Suche schwierig.

Anneliese F. hat sich in ihrer Not inzwischen an die Stadt und die Krankenkasse gewandt. "Viel können wir nicht tun, außer den Finger zu heben und das Problem dem Landkreis zu melden", sagt der Teamleiter für Ordnung und Soziales Mathias Lidzba. Die Krankenkasse hat für solche Fälle ein Expertentelefon geschaltet. "Dort reden Ärzte mit Ärzten, und meistens findet sich für den Patienten eine Lösung", sagt Birgit Schroeter von der DAK-Niederlassung Hagenow. So auch im Fall der kranken 87-jährigen Mutter. Für deren Betreuung erklärte sich jetzt ein Hagenower Arzt bereit. Aber erst, nachdem die Krankenkasse bei ihm angerufen hatte.