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Wittenburg Da gibt es Schnee auf die Mütze

Von Dieter Hirschmann | 23.07.2018, 21:00 Uhr

Mehr als gut gekühlt: Kommissionierer Philipp Arend arbeitet bei Minus 27 Grad Celsius im Hochregallager von Dr. Oetker in Wittenburg

Wir machen Sie, liebe Leser, in dieser Woche mit außergewöhnlichen Berufen vertraut. Heute stellen wir Ihnen Philipp Arend vor. Er arbeitet am wohl kältesten Arbeitsplatz der Region. Der 26-Jährige ist Kommissionierer beim Pizza-Hersteller Dr. Oetker in Wittenburg.

Während die Meisten jetzt bei plus 30 Grad Celsius und mehr mit leichter Sommerbekleidung unterwegs sind, zieht er die Wattejacke und Handschuhe an und setzt seine Pudelmütze auf. Wenn er an seinen Arbeitsplatz in das Kommissionierlager von Dr. Oetker geht, rieselt sogar Schnee herab. Dort, mitten im fast 40 Meter hohen Hochregallager herrscht mit einer Temperatur von minus 27 Grad Celsius ständig sibirischer Winter. Klar, dass sich Philipp Arend immer warm anziehen muss.

Er und seine Kollegen sind an einer wichtigen Schnittstelle im Werk tätig, im Logistikbereich. Dort kommt einerseits die gefrorene Rohware für die Produktion rein, und muss eingelagert werden. Andererseits finden die hergestellten Tiefkühlpizzen dort einen von 28 000 Palettenplätzen auf Zeit.

„In beiden Bereich haben wir eine Temperatur bis zu minus 27 Grad Celsius. Für die Fertigware haben wir ein Automatiklager. Dort sind zuweilen Wartungsarbeiten notwendig, die von den Mitarbeitern ausgeführt werden müssen. Außerdem erfolgt im Kommissionierlager das Umpacken von Paletten. Und das machen Philipp Arend und seine Kollegen“, erläutert Dr. Detlef Förster, Werksleiter von Dr. Oetker in Wittenburg.

„Wenn ein Kunde spezielle Pizzasorten bestellt hat, packe ich die Paletten entsprechend um. Das passiert im Kommissionierlager bei frostigen Temperaturen. Im Normalfall arbeite ich allerdings bei Temperaturen von bis zu plus acht Grad Celsius, wenn nämlich Lastkraftwagen ent- und beladen werden“, erzählt Philipp Arend und schüttelt sich den Schnee von seiner Pudelmütze.

Für die Arbeiten in winterliche Atmosphäre stellt der Arbeitgeber natürlich die erforderliche Ausrüstung zur Verfügung. Und die Gabelstapler sind mit beheizten Sitzen ausgestattet, die Gondel im Automatiklager ist zudem beheizt. Und die Kollegen kommen in den Genuss von Extra-Pausen, weil es eine Belastung ist, in der Kälte zu arbeiten. Die Minus-Temperaturen werden übrigens über Ammoniak-Anlagen erzeugt. Die Kälte steht damit überall im Werk zur Verfügung, wo sie gebraucht wird. Die Beschäftigten in Wittenburger Oetker-Werk stellen am Tag nach den Worten von Dr. Förster rund 170 000 Pizza her. Zum Jahresende zusammengerechnet sind das 170 Millionen Pizzen. Produziert wird an fünf Linien, von denen zwei ständig im Drei-Schicht-Betrieb laufen.

„Im Moment arbeiten wir sogar an drei Linien rund um die Uhr, weil wir ein neues Produkt herstellen, unsere große 30-Zentimeter-Pizza“, ist weiter vom Werksleiter zu erfahren. Mittlerweile sind knapp 1000 Mitarbeiter im Wittenburger Werk beschäftigt.

Und einer von ihnen ist Philipp Arend aus Lützow, der seit 2008 bei Oetker tätig ist und ebenfalls im Drei-Schicht-System arbeitet.

„Mittlerweile habe ich mich an die Arbeit in der Kälte gewöhnt. Anfangs gab es ab und zu auch mal einen Schnupfen, doch das ist vorbei“, erzählt er. Für ihn sei es jetzt eher eine Erfrischung, bei diesen Außentemperaturen an einem gut gekühlten Arbeitsplatz tätig zu sein.