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Vellahn Chapeau:Rolf Zuckowski zieht den Hut

Von Katharina Hennes | 29.11.2012, 09:55 Uhr

"Ruhe bitte, meine Damen." Ellen Wulf hebt die Hände, schaut hoch zu den Frauen auf dem Podium, dann hinüber zu ihrem Mann.

Der schiebt die Regler der Musikanlage auf. Ein kurzes Knarzen im Lautsprecher, dann singt der Chor. Was hier beginnt, ist keine gewöhnliche Probe, sondern ein Abenteuer, auf das sich die Frauen seit Wochen freuen. Es ist Chornacht. Bis in den nächsten Morgen hinein werden sie singen, englische Texte lernen, ihre Stimmen trainieren. Sie haben Isomatten und Schlafsäcke dabei. Auf den Tischen im Atrium der Schule türmen sich Muffins neben vollen Salatschüsseln und Fleischklößchen. Doch das Essen ist jetzt Nebensache. Der Chor will singen.

Seit mehr als drei Jahren leitet Ellen Wulf "Vocapella". "Das hier ist mein Leben. Mein Traum", sagt die 53-Jährige. Fast drei Jahrzehnte arbeitet die Musiklehrerin mit Kinderchören. "An einen Erwachsenenchor habe ich mich lange nicht herangetraut. Ich war mir nicht sicher, ob ich auch die Großen so fesseln kann." Sie kann. Von Jahr zu Jahr kommen neue Sängerinnen dazu. Aus Boizenburg, Vellahn, Gresse, Tessin, Brahlstorf, Banzin, Bennin, Stapel. Die Älteste ist 60, die Jüngste gerade mal zwölf. Steffi Flick (26) hat bei "Tante Ellen" schon im Kinderchor gesungen. "Da konnte ich noch nicht mal lesen", sagt sie. Heute singt Steffi die Solostimme und sorgt damit auch bei ihrer Chorleiterin für "Gänsehaut".

Auf ein Genre festlegen will sich "Vocapella" nicht. "Bei uns singen drei Generationen, da will und darf sich jeder mit seinem Geschmack einbringen", sagt Ellen Wulf. Der Chor singe weder rein klassische Musik, noch Pop- oder Volksmusik. Dafür Lieder von Peter Maffay, "Karussell" und Rolf Zuckowski. "Bald, bald, bald" zum Beispiel gehört zum Programm, das der Chor am 1. Advent in der Vellahner Kirche singen wird. Für das Lied von Rolf Zuckowski hat Ellen Wulf einen dreistimmigen Liedsatz komponiert. "Rolf Zuckowski hat uns die Playbacks dafür gemailt und wir haben ihm zum Dank unsere CD-Aufnahme mit dem neuen Liedsatz geschickt." Wochen später steht sie mit Kittelschürze in der Küche, die Bratengabel in der Hand, als das Telefon klingelt. Rolf Zuckowski persönlich ist dran: "Richtig gut habt Ihr das gemacht", sagt er. Er habe noch nie einen so schönen Liedsatz für seine Songs gehört. "Macht bloß weiter so."

Die Mehrstimmigkeit mache den Chor zu etwas Besonderem, findet Ellen Wulf. Mit ihr könne man die Generationen besser unter einen Hut zu einem Gesamtklang bringen. "Es gehört schon was dazu, seine Stimme gut zu singen, und die anderen darunter und darüber auszuhalten."

Oft sitzt die 53-Jährige an den Wochenenden den ganzen Tag in ihrem Büro, hört die Gesangsmelodie und komponiert Liedsätze dazu. "Ich vergesse die Zeit dabei", sagt sie. "Das macht einfach so viel Spaß." Die Liebe zur Musik haben ihr die Eltern mitgegeben. "Wir haben in der Familie viel gesungen", erzählt sie. "Das, was hier passiert, hat immer in mir geschlummert. Nun ist es ausgebrochen." Wer den Chor live erleben will - heute um 17.30 Uhr ist im Atrium der Vellahner Schule die öffentliche Generalprobe. Und am Sonntag um 16.30 Uhr geben die Chöre "Vocapella" und "Schulnoten" in der Kirche ihr Weihnachtskonzert. Der Pastor muss dafür die Tribüne erweitern. 95 Kinder und Erwachsene werden gemeinsam singen. So viele wie noch nie.