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Hagenow Böllerwurf: Es drohen bis zu 10 Jahre Haft

Von maks | 27.12.2017, 05:00 Uhr

Lebensgefährliche Körperverletzungen durch unerlaubte Sprengmittel stehen jedes Jahr in Polizeiakten.

Einer der beiden Bildschirme im Büro von Revierleiter Uwe Mathews in Hagenow ist hell erleuchtet. Aus einer Box wummert ein unglaublicher Knall. Auf dem Video, das der Beamte dort abspielt, explodiert ein so genannter „Polen-Böller“. Nicht etwa auf Youtube oder auf einem der vielen Facebook-Kanäle, die mittlerweile mit solchen Videos für hohe Klickzahlen sorgen wollen, hat der erfahrene Polizist die Sequenz gestartet. Nein - es ist auf einem Polizeirechner. Denn natürlich werden Täter, die so etwas veranstalten, strafrechtlich verfolgt. „Ich kann nur warnen. Kaufen Sie nur zugelassene und zertifizierte Pyrotechnik zu Silvester. Alles andere kann lebensgefährlich sein.“

Und zwar in des Wortes ureigenster Bedeutung. Mathews erklärt, was die Polen-Böller so unberechenbar macht und warum sie zum Teil sogar nicht nur unter Sprengstoff geführt sondern auch als „Waffe“ bezeichnet werden können. „In diesen Eigenbauten sind zum Teil die vielfachen Mengen an Sprengmitteln als in normalen Knallern und noch etwas Irres haben unsere Kollegen vom Munitionszerlegungsbetrieb in diesen Böllern gefunden - Beton! Umherfliegende Brocken werden dann schnell zu tödlichen Geschossen“, sagt Uwe Mathews.

Der Sprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust, Klaus Wiechmann erweitert das Spektrum noch. Es gehe nämlich nicht nur um das Verwenden der Polen-Böller. Auch mit anderen Knallern wurde in der Vergangenheit schon zu viel Schindluder getrieben. Jemandem auf dem Marktplatz oder auf einer Tanzfläche Blitzknaller zwischen die Beine zu werfen, sei kein Kavaliersdelikt und mit Sicherheit nicht lustig. „Wir sprechen hier von versuchter, gefährlicher Körperverletzung. Und wenn wirklich etwas passiert, das heißt, wenn jemand bei so einem Wurf verletzt wird, sieht das Gesetz harte Konsequenzen vor.“ Uwe Mathews schlägt im Gesetzbuch nach und findet direkt die entsprechenden Paragraphen. „Bei gefährlicher Körperverletzung drohen in diesem Fall Freiheitsstrafen zwischen 6 Monaten und 10 Jahren. Im minder schweren Fall zwischen drei Monaten und fünf Jahren“, so der Hagenower Revierleiter.

So wünschen sich die beiden Beamten für diese Jahreswende vor allem viel Vernunft und gegenseitige Rücksichtnahme beim Abbrenen der Pyrotechnik. „Gleichzeitig weisen wir noch einmal daraufhin, dass der Gesetzgeber sagt, dass es zwischen dem 2. Januar 0 Uhr bis zum 30. Dezember 24 Uhr nicht erlaubt ist, zu böllern. Es sei denn, es liegen Genehmigungen für Feuerwerke vor“, so Wiechmann.

In den einzelnen Ämtern kann diese Regelung sogar noch strenger ausgelegt werden. So gibt es Städte und Gemeinden, die das Abfeuern am Silvestertag erst ab 16 Uhr gestatten und nur bis zum Mittag am Neujahrstag.

„Wir empfehlen immer, sich beim entsprechenden Amt zu informieren und sich auch bei den Nachbarn im Vorfeld umzuhören, wer vielleicht wann Schicht hat, arbeiten muss, krank ist, Ruhe braucht etc. Das sollte sich einfach gehören“, sagt Uwe Mathews. Wenn morgen also die Raketen und Blitzknaller in den Verkauf gehen, sollten sich wieder alle Benutzer überlegen, was sie wem in die Hand geben. Auch die Altersbeschränkung auf der Pyrotechnik werde laut Polizei nämlich zu oft großzügig ausgelegt. „Ab 18 heißt ab 18!“, sagt Uwe Mathews.