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Zarrentin Blühwiesen sind nicht nur schön

Von mayk | 14.04.2020, 05:00 Uhr

Landwirt Hartmut Dreyer will zusammen mit der Biosphäre zumindest Neuenkirchen in ungewohnter Vielfalt erblühen lassen

Es bedarf schon einiger Fantasie in diesen Tagen, sich den kahlen Acker nahe der kleinen Kirche in dem Zarrentiner Ortsteil als blühende Oase vorzustellen. Doch genau das hat Landwirt Hartmut Dreyer hier auf gut vier Hektar vor. Geht es nach dem 58-Jährigen soll diese Bienenwiese nur der Anfang sein. Für drei bis fünf Jahre will er möglichst viele dieser Blühwiesen aussäen. Das Projekt ist auch das Ergebnis konkreter Zusammenarbeit mit der Biosphäre Schaalsee. Die kümmert sich in einem Sonderprogramm um mehr Artenvielfalt und findet auch unter konventionell arbeitenden Landwirten immer mehr Anhänger. Auch wenn das Thema der Finanzierung allenfalls in Ansätzen gelöst ist.

Verena Burkhardt ist die Ansprechpartnerin des Projektes mit einem sehr langen Namen und in Trägerschaft des Fördervereins der Biosphäre Schaalsee. In Kurzform geht es um mehr Artenvielfalt, bei den Insekten und im Boden. Konkret sollen die Bauern dauerhafte Säume anlegen, Feldvogelinseln gestatten, Sommergetreide mit blühender Untersaat verwenden und eben mehrjährige Blühstreifen und Blühflächen verwenden. „Unser Sohn Sebastian will unseren Betrieb einmal übernehmen, da wäre es doch schön, wenn im Boden hier ringsherum auch vernünftiger Humus wäre, damit ein Anbau Sinn macht“, beschreibt Bauer Hartmut Dreyer seine Motivation, mitzumachen. Das Bodenleben sei in den vergangenen Jahren unheimlich verarmt, wie ausgestorben. „Da müssen wir doch etwas tun für die nächste Generation“, fragt der Landwirt, der auf 360 Hektar Ackerbau mit Raps, Weizen, Gersten, Roggen und auch Bohnen betreibt. Gerade in den vergangenen Jahren hätte er von seiner Landwirtschaft allein nicht leben können. Ihn rettet derzeit sein zweites Standbein, die Logistik.

Für die engagierte Verena Burkhardt ist der Bauer aus Neuenkirchen mehr als ein Gewinn. Denn ausgerechnet im Biosphärengebiet haben bisher die konventionell arbeitenden Landwirte und nicht die Biobauern klar die Oberhoheit. Und alle müssen sich an die Spielregeln des Agrarmarktes halten, da werden Ackerflächen auf den Meter genau abgerechnet. Wer folglich Blühstreifen will, muss auch Entlastungen anbieten. Dafür gibt es bisher allenfalls gute Ansätze außerhalb der Agrarförderung. So gibt es unter dem Namen „Agora Natura“ einen Marktplatz für Naturschutzzertifikate. Dort können Unternehmen oder auch jeder Einzelne Maßnahmen finanziell unterstützen.

Hartmut Dreyer geht mit seiner Aktion „Neuenkirchen blüht auf“ einen Schritt weiter und sammelt Geld für seine Blühwiesen direkt bei den Nachbarn ein. Über Flyer und das Internet wirbt er dafür unter „www.bienenwiesenpatenschaft-dreyer.de“. Ein Quadratmeter ist dabei für 50 Cent zu haben, mehr als 6000 Quadratmeter sind bereits so finanziert. Für die geplanten großen Schläge voller Blühwiesen reicht das natürlich noch nicht. Daher geht Dreyer jetzt den nächsten Schritt mit der großen Blühwiese bei Neuenkirchen. Da geht es immerhin auf einen Schlag um gut 40 000 Quadratmeter, mehr als nur ein Anfang.