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Totensonntag Begleiter und Tröster in der Stunde des Todes

Von Dieter Hirschmann | 23.11.2012, 06:41 Uhr

Viele befassen sich in diesen Tagen intensiver mit dem Sterben. Der Totensonntag bietet Gelegenheiten, an den Vater, die Mutter, die Schwester, den Bruder, eben an einen lieben Menschen zu denken, der verstorben ist.

Viele befassen sich in diesen Tagen intensiver mit dem Thema Sterben. Der Totensonntag bietet Gelegenheiten, an den Vater, die Mutter, die Schwester, den Bruder, eben an einen lieben Menschen zu denken, der verstorben ist.

Jeannine Koch (45) aus Viez gehört zu den ehrenamtlichen Sterbe- und Trauerbegleitern des Hospizdienstes Hagenow, die sich nicht nur in diesen Tagen des Gedenkens an Verstorbene mit dem Thema Tod befasst. Sie ist motiviert und ausgebildet, einem todkranken Menschen, einem Sterbenden in der letzten Phase seines Lebens Beistand zu geben. Und sie wird von Angehörigen gerufen, die Unterstützung suchen.

Ausbildung zum Sterbebegleiter

Jeannine Koch arbeitet seit 28 Jahren als Diätassistentin im Hagenower Krankenhaus. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern (Sohn 20 Jahre, Tochter 15 Jahre), die Familie wohnt in Viez.

Da sie während ihrer Arbeit im Krankenhaus mitunter mit schwerkranken und sterbenden Menschen zu tun hat, nahm sie das Angebot ihres Arbeitgebers an, eine Ausbildung zum Sterbebegleiter zu machen, die sie im Jahre 2009 abschloss. Im Zuge der Ausbildung hatte sich der Hospizdienst Hagenow dort vorgestellt, und so kam der Kontakt zwischen Jeannine Koch und Jutta Salchow, der Koordinatorin des Hospizdienstes, zustande.

"Als wir die Ausbildung abgeschlossen hatten, stand es für mich fest, ehrenamtlich in der Sterbebegleitung tätig zu werden. Und das wollte ich beim Hospizdienst machen", erzählt Jeannine Koch mit dem Hinweis darauf, dass nach der Ausbildung im Hagenower Krankenhaus der Begleiterkreis gebildet wurde, dem zwölf ausgebildete Sterbebegleiter angehören, die sich um Patienten im Krankenhaus kümmern. Doch was ist, wenn diese schwer kranken Menschen oder Patienten mit schwierigen Diagnosen nach Hause entlassen werden? Wenn sie und ihre Angehörigen es möchten, übernimmt in so einem Fall der Hospizdienst die Betreuung und Begleitung.

"Häufig werde ich unverhofft gerufen. So kann es doch schon passieren, dass ich abends gegen 22 Uhr beispielsweise in das Oberin-von-Lindeiner-Haus gehe, weil dort Hilfe benötigt wird. In so einer Situation steht meine Familie hinter mir, mein Mann Christian unterstützt mich dabei", erzählt sie.

Jeannine Koch setzt sich bewusst mit der eigenen Sterblichkeit auseinander, eine schwere Krankheit führte sie zu dieser Situation. "Wenn es einem selbst so ergeht, dann ändert sich der Blickwinkel auf den Tod, auf die eigene Endlichkeit. Doch das macht man nach meiner Meinung viel zu selten. In unserer Ausbildung zum Sterbebegleiter haben wir die nötigen Voraussetzungen bekommen. Und - das bemerke ich bei mir jetzt immer stärker - man wird einfühlsamer und aufmerksamer, indem man anders zuhört, andere Sichtweisen entwickelt. Und wenn man sich überlegt, wie man selbst sterben möchte, dann bekommt man ein Gefühl dafür, wie man einem Sterbenden dieses letzte Stück des Weges so schön wie möglich gestalten kann", erläutert sie ihren eigenen Antrieb für diese nicht einfache ehrenamtliche Arbeit.

Hilfe für Betroffene wie für Angehörige

Der Hospizverein bietet Hilfe für Menschen - Betroffene wie Angehörige - an, die es wünschen. Dabei spielt der Faktor Zeit eine untergeordnete Rolle. "Wir wissen es ja nicht, wie lange es dauern kann, bis ein Mensch geht. Wir hatten uns in diesem Jahr auf eine Sterbebegleitung vorbereitet, bei der wir uns mit der Familie auf den Sommer eingerichtet hatten. Doch dann ging alles ganz schnell. Innerhalb von einer Woche verstarb der Betroffene. Es kann also, was den Tod betrifft, nichts geplant werden", macht Jeannine Koch deutlich.

Im Alten- und Pflegeheim zu Besuch

Eine besondere Beziehung hat sie zum Alten- und Pflegeheim, dem Oberin-von-Lindeiner-Haus, in Hagenow aufgebaut, wo sie auch Bewohner betreut, die keine Angehörigen mehr haben. "Mehrmals im Monat bin ich dort, um mit ihnen zu reden, zusammen zu sitzen. Sie freuen sich total, wenn sie Besuch bekommen. So etwas ist für mich eine Kraftquelle, Menschen vorher kennenzulernen, wenn sie noch nicht vom Tod gezeichnet sind, noch nicht im Koma liegen. Für mich ist es eben wichtig, etwas aus dem Leben der Menschen zu wissen ", erzählt Jeannine Koch, die viel Kraft für ihr Ehrenamt aus ihrem Glauben schöpft.

Was gibt der 45-Jährigen die Sterbebegleitung? Die Gewissheit zunächst, dass der letzte Lebensabschnitt so intensiv gestaltet werden kann, wie das Leben selbst bunt ist.

"Heute ist alles sehr schnelllebig. Wenn ich in ein Zimmer mit einem Sterbenden gehe, bleibt das Weltliche alles draußen. Dann sind nur der Patient, die liebe Gott und ich da. Und selbst wenn es Gott im Leben des Sterbenden nicht gegeben haben sollte, so denken doch viele daran, dass es da etwas oder jemanden gibt, der dem Einzelnen Trost spenden kann, auch im letzen Abschnitt des Lebens. Mir hilft es zu wissen, dass es Gott gibt, mein Glaube gibt mir Halt und ich weiß, dass gute Menschen ein Leben nach dem Tod haben."