Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Hagenower Kreisblatt „Ärztlich willkommen“

Von snit | 17.01.2019, 09:06 Uhr

Stadt Parchim geht mit Werbeflyer eigene Wege bei Medizinergewinnung / Sozialausschuss bringt Fachtagung auf den Weg

Das Problem des Facharztmangels im Landkreis und der Stadt Parchim bringt Bewegung in die Kommunalpolitik. Parchim hat keine Zeit für langfristige Prozesse und geht mit einer Eigeninitiative voran. Unter dem Motto „Ärztlich willkommen“ hat die Stadt einen Werbeflyer für angehende Ärzte aufgesetzt. „Wir haben uns mit dem Thema schon eine geraume Zeit beschäftigt und daher jetzt einen Willkommensflyer auf den Weg gebracht. Wir wollen ihn noch mit einem Poster unterstützen und setzen uns mit einem Paket mit möglichen Förderungen für eine Ärzteansiedelung auseinander“, sagt Bürgermeister Dirk Flörke.

Das Vorhaben ist mit der Stadtvertretung und den zuständigen Stellen abgestimmt. Allerdings sei man noch auf der Suche nach Vertriebskanälen, um die richtige Zielgruppe zu erreichen. „Denn kurz vor der Berufserlaubnis stehende Ärzte aus dem Land, zu denen haben wir ja in der Regel nicht unmittelbaren Kontakt. Ich gehe davon aus, dass wir im März das Paket schnüren können“, so der Bürgermeister. Eine Ärzteförderung könnte dann über eine Förderrichtlinie finanzielle Wirksamkeit entfalten.

Auch wenn der Facharztmangel nicht nur Parchim trifft, hat besonders die Berichterstattung unserer Zeitung im vergangenen Sommer den Handlungsbedarf in der Kreisstadt offenbart. Man müsse daher auch auf den kurzfristigen Erfolg setzen, sowohl Ärzte in Anstellung als auch jene, die eine Praxis übernehmen wollen, fänden in Parchim die besten Bedingungen. „Und ich will mich als Bürgermeister nicht aus der Verantwortung stehlen. Wenn nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung ältere Leute für einen Facharztbesuch nach Sternberg oder Crivitz fahren sollen, und die da nicht ohne weiteres hinkommen, dann haben wir ein Problem. Und wenn Unternehmen Fachkräfte gewinnen wollen und die informieren sich über das Angebot und sagen dann, bei euch ist die Facharztversorgung nicht gut, da sind wir als Kommune gefordert“, so Flörke entschlossen.

Seine CDU-Kollegin und Kreistagsabgeordnete Maika Friemann-Jennert sieht das ähnlich. Als stellvertretende Vorsitzende im kreislichen Sozial- und Gesundheitsausschuss warb sie im Namen ihrer Fraktion für einen zeitnahen Termin für ein kreisweites Fachgespräch mit Experten. Der Sozialausschuss muss sich nach Beschluss der Dezembersitzung des Kreistages auf seiner jüngsten Sitzung zum weiteren Verfahren verhalten. Im Wesentlichen ging es im Beschluss um ein eigenes Ärztestipendium für die Region. Doch da schon die Mittel für das Landesprogramm kaum von jungen Medizinern abgerufen werden, könne das nur ein Baustein sein. Ursprünglich war ein Termin für ein Fachgespräch ähnlich dem früheren „Runden Tisch Gesundheit“ für Ende 2019 in der Beratung gewesen. „Wir müssen schneller ausloten, welche Chancen die Fachleute für ein Ärztestipendium sehen, wie wir junge Leute mit Bindung zur Region bereits jetzt binden und wie zur Landesförderung ein Zusatz durch den Kreis oder die Kliniken realisiert werden kann“, so Friemann-Jennert und schlug einen Termin noch im März vor.

Es müssten so viele Akteure wie möglich an den Tisch, wenn man mit einem Stipendium einen Wettbewerbsvorteil schaffe, so Ausschussmitglied Norbert Zobel (SPD). Doch in der Kürze der Zeit die Akteure zu gewinnen, ist ein ambitionierter Plan. Zumal die Kassenärztliche Vereinigung und das Gesundheitsministerium des Landes für den 20. März ohnehin ein Symposium zur Ärzteversorgung im ländlichen Raum in Parchim abhalten wollen. Wenn etwas Vernünftiges dabei herauskommen solle, müsse man die Akteure mit konkreten Fragestellungen einladen, so die Ausschussvorsitzende Barbara Borchardt (Linke). Die zuständige Fachdienstleiterin Gesundheit, Dr. Ute Siering, soll nun Konzeption und Einladung zum eigenen runden Tisch auf den Weg bringen, mit einem möglichen Termin im März.