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Hafencrew: Schwerstarbeit bei Windstärke acht

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erstellt am 06.Okt.2012 | 04:30 Uhr

15.30 Uhr. Hansakai. Tief hängen die Wolken über dem Liegeplatz 44. Mit aufgestellten Kragen bewegt sich eine Gruppe Arbeiter in orangenen Sicherheitswesten über das Deck des spanischen Frachters "Eems Transporter". Die Ladung: 15 Rotorblätter für Windkraftanlagen. Doch der Wind lässt Oliver Conrady besorgt auf die schaukelnden Ketten der Kräne blicken. Eine Böe jagt die nächste. "Ab Windstärke acht müssten wir das Löschen unterbrechen. Sicherheit geht vor", sagt er. Der Logistik-Agent sorgt für einen reibungslosen Ablauf bei der Löschung der Fracht. Durchschnittlich dreimal pro Woche kommen im Rostocker Hafen Teile für Windräder an.

Mit schweren Hämmern werden die Sicherungskeile gelöst. Bisweilen müssen die Arbeiter sogar flexen. Dann sprühen rotgoldene Funken in den grauen Rostocker Nachmittag. Die Arbeiter befestigen armdicke Ketten an den Rotorblättern. Langsam schweben die 45 Meter langen Flügel in die Höhe. Zwei Kräne sind nötig, um die zehn Tonnen schweren Kolosse sicher von Bord zu bringen. Mit weichen, langsamen Bewegungen manövrieren sie ihre Fracht durch die Luft.

16.30 Uhr. Zwei Zollbeamte gehen an Bord. Kapitän Leon Schreur muss sich und die Ladung ausweisen. Acht Tage war der Holländer mit seiner fünfköpfigen Mannschaft unterwegs - durch den Golf von Biscaya, den Ärmelkanal, den Nord-Ostsee-Kanal. "Da das Schiff aus der EU kommt, sind die Zoll-Formalitäten in diesem Fall kein großer Aufwand. Aber da es durch internationale Gewässer gefahren ist, müssen wir überprüfen, ob auch wirklich alles seine Richtigkeit hat", erklären die Zollbeamten. Zehn Minuten sowie eine Menge Stempel und Unterschriften später, ist die Kontrolle vorbei. Alles in Ordnung.

Auf der Brücke steht Günter Haase. Er ist Qualitätsmanager bei Eno-Energie, einem Rostocker Hersteller von Windenergieanlagen. Zwar wurden die Rotorblätter bereits im spanischen Werk abgenommen, doch der Transport birgt immer Risiken. "Trotz ihrer Größe sind die Rotorblätter sehr empfindlich", erklärt er. Mit kritischer Miene beobachtet er, wie ein Flügel nach dem anderen vom Deck schwebt. Später wird er sie auf Transportschäden untersuchen. Die gesamte Löschung der Fracht sollte ursprünglich zehn Stunden dauern. Doch gegen Abend wird der Wind stärker. Immer mehr haben die Arbeiter mit den tonnenschweren Flügeln zu kämpfen. "Wenn es länger dauert, dann dauert es eben länger - hauptsache die Ware kommt heile beim Kunden an", sagt Oliver Conrady.

Doch die Reise der Rotorblätter ist in Rostock noch nicht vorbei. "Wir brauchen sie für Projekte in Sachsen-Anhalt und Brandenburg", so der Qualitätsmanager. Bis sie ihre Reise in den Süden antreten, werden sie am Rostocker Terminal zwischengelagert. Außerdem fehlen ihnen noch die roten Spitzen, um gut sichtbar für Vögel zu sein. Die "Eems Transporter" wird heute erneut beladen. Mit Monopiles, also Stahlrohren für Windenergieanlagen, geht es nach Bremerhaven und dann weiter in die Ukraine.

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