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Lokales

12. Dezember 2017 | 22:49 Uhr

Händler: Verkaufsquote geht gen Null

vom

svz.de von
erstellt am 09.Jun.2011 | 07:08 Uhr

Güstrow | Wilhelm Meier kaufte gestern auf dem Güstrower Markt bei Martina Senkel trotz EHEC Tomaten. Für den Parumer ist das selbstverständlich. "Ich sehe nur ein geringes Risiko daran zu erkranken. Die bisherigen Maßnahmen ändern an der Situation auch nichts. Deshalb habe ich überhaupt kein schlechtes Gewissen, diese Tomaten mit Genuss zu verzehren", sagt er. Martina Senkel, die mit ihrem Mann Udo seit 20 Jahren im Obst-, Gemüse- und Pflanzengeschäft arbeitet, bekräftigt die Meinung des Kunden und beißt demonstrativ in eine Tomate. "Ich esse jeden Tag Tomaten, weil ich den Erzeugern in Barth vertraue. Das sage ich auch den Kunden, die zu EHEC natürlich immer wieder fragen", erzählt die Händlerin.

Trotzdem gehören solche Kunden zur Minderheit. Martina Senkel bestätigt, dass der Verkauf in den vergangenen vier Wochen immer mehr abebbte. "Habe ich vor EHEC rund 60 Kilogramm Tomaten am Tag verkauft, sind es jetzt fünf", sagt die Markthändlerin. Bei Gurken und Salat nähert sich die Verkaufsquote sogar gen Null. Martina Senkel: "Heute habe ich vier Salatköpfe für eine Gaststätte verkauft. Die wollte sie als Deko haben…"

Steffen Ulbricht aus Güstrow-Suckow, der seit 1973 im Geschäft ist, ärgert sich über die täglichen, nicht bewiesenen Hiobsbotschaften, über die Medien berichten. Er bestätigt, dass auch an seinem Stand bis zu 90 Prozent weniger Tomaten verkauft werden. Bei Salat und Gurken wird er gar nichts los. Steffen Ulbricht reagiert darauf, indem er weniger auf dem Hamburger Großmarkt, wo er einkauft, bestellt. Er sagt aber auch: "Ich werde an EHEC nicht kaputt gehen. Aber mir tun die Erzeuger leid". Allerdings stellt Steffen Ulbricht auch fest, dass die Skepsis unter den Kunden langsam abebbt.

In Supermärkten geht ebenfalls weniger über den Ladentisch. "Wir verkaufen zurzeit in Güstrow etwa 70 Prozent weniger Tomaten, Gurken und Salat. Bevorzugt wird ganz klar Gemüse aus der Region", sagt Claudia Wittfooth, Sprecherin der Kieler famila-Handelsmarkt GmbH. Die Gurken kommen aus Holland, die Salate aus Norddeutschland und die Tomaten aus Spanien, Norddeutschland und Holland. "Alle direkt vom Erzeuger", betont Wittfooth. Aber es gibt auch weitere Tendenzen. Claudia Wittfooth: "Bei Erdbeeren verzeichnen wir eine Kaufzurückhaltung von 20 bis 30 Prozent. Aber auch bei den typischen Ergänzungszutaten zum Salat wie Dressings, Kerne etc. ist der Rückgang sehr deutlich." Die Handelsgruppe stellt sich allerdings der Situation. "Wir bieten weiterhin, abgesehen von frischen Sprossen, das komplette Obst- und Gemüsesortiment an. Wir sind von der hohen Qualität unserer Produkte überzeugt. Die Ware wird von uns und unseren Lieferanten getestet, um den Kunden höchstmögliche Sicherheit zu geben." Sprossengemüse sei jedoch, obwohl die famila-Märkte vom angeblich betroffenen Betrieb keine Sprossen bezogen haben, vorsorglich umgehend aus dem Sortiment genommen worden. Da frische Sprossen insgesamt in Frage gestellt worden seien, werde man sie bis auf weiteres nicht mehr anbieten. Alles Weitere regelt der Markt, so die Sprecherin.

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