Händler fürchten Sonntags-Einbuße

Jana Ernst (32), Inhaberin des Brillenkontors 'Janmare', Am Strom 83, sagt: 'Ich hoffe, dass sich die Landesregierung für uns einsetzt.'irene burow
Jana Ernst (32), Inhaberin des Brillenkontors "Janmare", Am Strom 83, sagt: "Ich hoffe, dass sich die Landesregierung für uns einsetzt."irene burow

von
07. April 2010, 08:17 Uhr

Warnemünde | Gewerbetreibende des Rostocker Ostseebades hatten gestern nur ein Thema, das sie eigentlich längst vom Tisch glaubten: Die Einkaufsmöglichkeiten an Sonntagen werden künftig entsprechend einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Greifswald deutlich eingeschränkt. Bislang galt die so genannte Bäderregelung in 145 Orten und Ortsteilen des Landes zwischen 11.30 und 18.30 Uhr an Sonntagen, die keine gesetzlichen Feiertage sind. Bis zu 49 pro Jahr sind zusammengekommen. "Für uns ist diese Entscheidung eine Katastrophe. Gerade am Sonntag, wenn die Touristen in Warnemünde sind und Zeit zum Bummeln haben, stimmt der Umsatz", sagt Joachim Hoffmann (58), der mit der Wende 1990 den Weg in die Selbstständigkeit wagte. Reimund Beckert, der erst vor einem Jahr ein zweites Geschäft eröffnete, spricht von reiner Willkür. "In sämtliche Rentabilitätsberechnungen ist der verkaufsoffene Sonntag, der sehr umsatzstark ist, eingeflossen. Vier Sonntage, die ich schließen muss, das sind rund 25 Prozent weniger Umsatz pro Monat", macht der 54-Jährige seine Rechnung auf. Das, so glaubt der Geschäftsmann, ist der Tod für einige Läden.

29

Ab Mai will Ingrid Richter die Öffnungszeiten an den Sonntagen in ihrem Label-Jeans-Store sogar ausweiten. "Jeder, der in die Selbstständigkeit geht, muss doch auch selbst entscheiden dürfen, wann er arbeiten möchte", sagt die Geschäftsfrau. Reiner Schöpp, der sich als langjähriger Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins über viele Jahre für eine Bäderregelung stark gemacht hat, ist enttäuscht. "Wir sind ein Europa. Doch in Polen oder in den Mittelmeerländern dürfen die Läden öffnen. Leider nicht hier", sagt der Warnemünder.

Nicht glücklich über die Entscheidung ist auch Peter Volkmann. Der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer rechnet allerdings damit, dass "in den nächsten Wochen nicht viel passieren wird" und bis zur Rechtskraft des Urteils die Läden entsprechend der jetzigen Regelung öffnen dürfen. "Noch liegt die schriftliche Urteilsbegründung nicht vor, so dass wir noch gar nicht alle Argumente des Gerichts kennen. Damit ist auch unklar, ob das Land in Berufung gehen wird", sagt Volkmann. Für ihn steht aber fest: Es wird wieder eine Bäderverkaufsverordnung geben. Doch sie werde für die Händler mit großer Wahrscheinlichkeit deutlich schlechter sein als die bisherige.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen