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Justizvollzugsanstalt Bützow ermöglicht Abschluss hinter Gittern : Häftlinge drücken die Schulbank

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200 junge Strafgefangene nutzten in den letzten 15 Jahren in der Justizvollzugsanstalt Bützow die Möglichkeit, ihren Schulabschluss nachzuholen und so ihre Startposition für die Zeit nach der Entlassung zu verbessern.

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erstellt am 30.Mär.2011 | 09:00 Uhr

Bützow | 200 junge Strafgefangene nutzten in den letzten 15 Jahren in der Justizvollzugsanstalt Bützow die Möglichkeit, ihren Schulabschluss nachzuholen und so ihre Startposition für die Zeit nach der Entlassung zu verbessern. 46 Männer und Frauen zwischen 18 und 35 Jahren drücken zurzeit in der JVA tagsüber die Schulbank. Doch komme dies nicht für jeden in Frage. Es sei gewissermaßen eine Auszeichnung für gute Führung und müsse sich schon lohnen. Schließlich koste diese Ausbildung Geld, sagt Jens Köster, Pressesprecher in der JVA. "Der Gefangene muss durch seine Verhalten zeigen, dass er das wirklich will", betont er. Für diejenigen, die sich dem stellen, gebe es auch hinter Gittern eine Menge an Angeboten, zum Dazulernen.

476 Gefangene leben zurzeit in der JVA Bützow, davon sind 34 Untersuchungshäftlinge und 28 Frauen. "Viele von ihnen haben keinen Schulabschluss", so Jens Kötz. Wer hinter Gittern den Hauptschulabschluss nachholen will, sich aber nicht mehr zutraut, mit den schulischen Anforderungen fertig zu werden, kann zur Auffrischung seiner Kenntnisse erstmal fünf Monate lang einen Grundkurs dafür machen. "Dort erfährt man etwas über den Unterrichtsablauf, man lernt, wie man Hefte führt, wie man Hausaufgaben macht - alles solche grundlegenden Dinge", erklärt Kötz. Aus Raumgründen gebe es dafür aber immer nur sechs Plätze.

Jeweils 13 Männer und eine Frau nehmen zurzeit an dem zehnmonatigen Hauptschulkurs teil. Sie haben 24 Unterrichtsstunden pro Woche und werden zwischen 7.30 und 16 Uhr in Deutsch, Mathematik, Englisch, Geschichte, Geographie, Biologie und Informatik unterrichtet. Die Zeugnisausgabe erfolgt im Juni dieses Jahres.


Auch Deutschkurse stehen auf dem Programm

Unterrichtet werden die jungen Erwachsenen von Oberlehrer Andreas Jolitz und sechs Honorarlehrkräften der Kreisvolkshochschule Güstrow sowie in enger Zusammenarbeit mit der Regionalen Schule Bützow. Alle zwei Jahre startet im September in der JVA auch ein Realschulkurs mit jeweils 14 Plätzen. Er erstreckt sich über 21 Monate und läuft inzwischen seit letztem Herbst. Einen großen Vorteil für die Teilnehmer sieht Jens Kötz auch darin, dass sie nach Abschluss der Prüfungen eine neutrales Zeugnis erhalten, ohne Hinweis auf die JVA. Ein Zehntel der Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt Bützow - derzeit genau 47 - sind Ausländer aus 22 verschiedenen Staaten. Ein Gefangener ist staatenlos.

Angeboten werden deshalb jährlich auch zwei Kurse "Deutsch für Ausländer" mit jeweils 12 Plätzen und 30 Unterrichtsstunden - diese aber in der Freizeit. "Daran dürfen alle Nationalitäten teilnehmen", was für die Lehrkräfte, die aus der Kreisvolkshochschule kommen, eine ganz schöne Herausforderung sei, so Kötz. Auch ein Alphabetisierungskurs für 12 Teilnehmer wird angeboten. Dafür habe sich in letzter Zeit aber kein Interessent gemeldet.

Wer aus dem Erwerb des Schulabschlusses gleich noch mehr machen will, kann auch einen Ausbildung in der JVA machen. Es gibt Umschulungen zum Koch, Bäcker, Tischler,Trockenbauer, Gebäudereiniger, Frisör, Metallbauer, Garten- und Landschaftsbauer und anderes. "Wer will, kann sich einen guten Start für die Zeit nach dem Vollzug schaffen", sagt Jens Kötz.

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