Häftling stürzt sieben Meter in die Tiefe

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27. Juli 2010, 07:55 Uhr

Bützow | Gefangene und Bedienstete glaubten gestern kaum ihren Augen: Gegen 10.30 Uhr klettert ein Häftling am Blitzableiter, der am Gebäude der Haftkrankenabteilung befestigt ist, nach einer dortigen medizinischen Untersuchung nach oben. Augenscheinlich verlassen den Mann nur wenige Augenblicke später die Kräfte - er stürzt sieben Meter tief.

"Der Häftling wurde sofort in die Warnowklinik gebracht", sagt Wolfgang Suhrbier, stellvertretender Abteilungsleiter Justizvollzug im Justizministerium. Während des Transports ist der Gefangene ansprechbar. Die Ärzte untersuchen den Mann umfassend. Die Diagnose: beide Beine gebrochen. Dennoch behalten sie den Mann nicht in der Klinik. "Sie müssen wahrscheinlich noch weitere Verletzungen festgestellt haben", sagt Suhrbier. Deswegen wird der Gefangene in den Mittagsstunden gleich mit einem Hubschrauber in das Universitätsklinikum Rostock geflogen. "Sein Zustand ist stabil und er ist ansprechbar", sagt Suhrbier.

Bei dem Häftling handelt es sich um einen 32-jährigen Litauer. Der Mann hatte bereits mit einer "Kletteraktion" im April auf sich aufmerksam gemacht. Damals war der Litauer ebenfalls an einem Blitzableiter an der Außenwand des Hafthauses hinaufgestiegen. Neben einem Handy und einem Gespräch mit der Presse forderte er damals nach Litauen verlegt zu werden.

Die Gefahr eines Selbstmordversuchs hatte seinerzeit nicht bestanden. Nachdem damals ein Gefängnis-Seelsorger und ein Justizmitarbeiter mit dem Litauer geredet hatten, wurde er wieder in seine Zelle gebracht. Er ist wegen der Einfuhr von Betäubungsmitteln im Gefängnis und soll 2013 entlassen werden.

Welchen Grund der Mann dieses Mal für seine lebensgefährliche Kletteraktion hatte, ist noch nicht bekannt. "Die Gefahr eines Fluchtversuchs hat aber zu keinem Zeitpunkt bestanden", betont Justizministeriums-Mitarbeiter Suhrbier. Der Grund: Die Krankenabteilung, an deren Blitzableiter er hochkletterte, liegt im Innengelände der Bützower Haftanstalt. Während die Frontseite in Richtung Kühlungsborner Straße weise, führe der Ausgang nur auf den Innenhof der JVA, so Suhrbier.

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