Hackfleisch und Fisch unter der Lupe

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Nach dem Gammelfleischskandal in 2006 gibt es verstärkte Kontrollen im Lebensmittelbereich. dpa

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30. Juli 2010, 07:04 Uhr

Nordwestmecklenburg | Fehlendes Fachpersonal, schlechte Hygiene - all dies können Verbraucher schlecht prüfen. Sie vertrauen beim Kauf von Lebensmitteln auf die Händler und Lebensmittelketten. Damit die Qualität der Waren stimmt, sind die Landkreise und kreisfreien Städte verpflichtet, regelmäßig Lebensmittelkontrollen durchzuführen. Unter anderem in Supermärkten, bei Fleischern oder auch auf Wochenmärkten. Allerdings melden die Kontrolleure des Kreises von dort Verstöße.

Nach Angaben des stellvertretenden Landrates Gerhard Rappen sind die Auslagen der Händler nicht unappetitlich, aber gelegentlich doch zu beanstanden. Im Kreis Nordwestmecklenburg haben die acht Männer und Frauen vom Gesundheitsamt im vergangenen Jahr 824 Proben von Lebensmitteln, Tabak und Kosmetikartikeln genommen. Und in immerhin doch 83 Fällen gab es etwas zu bemängeln. Vier Mal war sogar die Gesundheit der Verbraucher gefährdet. Rappen betont, dass in solchen Fällen Strafanzeige gestellt worden sei.

"Der Verdacht richtete sich auf mikrobiologische Verunreinigungen. Einmal ging es um Hackfleisch, das im Handel festgestellt worden ist, Fischerzeugnisse, direkt vom Hersteller. Es ging auch um ein Fertiggericht aus einer Gemeinschaftsküche und um Wursterzeugnisse aus einem Gastronomiebereich", so Rappen weiter. Bei ihrer Arbeit nehmen die Kontrolleure aber nicht nur Stichproben, die im Labor untersucht werden - sie schauen auch nach, ob das Handelsklassenrecht eingehalten wird. Dabei wird zum Beispiel geprüft, ob das Herkunftsland und das Haltbarkeitsdatum angegeben sind. Unter anderem muss bei Eiern die Stempelung erkennbar sein. Gerhard Rappen: "Wann wurde das Ei gelegt, aus welchem Betrieb stammt es, dass der Verbraucher daraus entnehmen kann, wie lange ist dieses Produkt noch haltbar." Insgesamt haben die Kontrolleure des Kreises im vergangenen Jahr 373 Kontrollen nach diesem Handelsklassenrecht durchgeführt. 307 davon haben sie beanstandet. Für Kreistagsmitglied Dennis Klüver ein alarmierendes Ergebnis: "Das ist zu viel. Wir müssen umdenken. Wir brauchen eine stärkere Kontrolltätigkeit, damit diese Quote in ein vernünftiges Maß zurückfindet." Angst wegen der vielen Beanstandungen, sagt Nordwestmecklenburgs stellvertretender Landrat Rappen, braucht aber niemand zu haben. Im ersten Moment sei die Zahl erschreckend, "aber längst nicht jeder Verstoß lässt sich so definieren, dass für den Verbraucher gegebenenfalls gesundheitsschädigende Einflüsse hätten entstehen können". Bei zwei Drittel der beanstandeten Produkte hapert es an der Kennzeichnung. Bei Obst und Gemüse fehlten zum Beispiel oft die Angaben des Herkunftslandes, der Sorte und der Güteklasse. Außerdem stimmten die Gewichtsangaben häufig nicht. Und auch die Inhaltsstoffe auf den Verpackungen waren nicht immer korrekt angegeben, sagt Rappen. Für den Händler sei es zurzeit schwierig, das EU-Recht immer eins zu eins wirklich einzuhalten. Nicht selten wurde festgestellt, dass nicht alle Verordnungen bis ins Detail bekannt sind. Ein weiteres Ergebnis der Lebensmittelkontrollen in Nordwestmecklenburg: In den 19 Betrieben, die Fleisch, Milch und Fisch verarbeiten, fehlt es nicht nur an geschultem Personal, sondern auch an der Hygiene. Jede vierte Kontrolle wurde beanstandet. Für die Verbraucher nicht gerade appetitlich.

Schützen können sich die Kunden der Einkaufszentren bzw. Verbraucher durch eigene Kontrollen hinsichtlich des Mindesthaltbarkeitsdatums und der Beschaffenheit von Waren bzw. durch einen Einkauf im Fachhandel um die Ecke. Heimische Unternehmen müssen letztlich mit ihrem Namen für die Qualität ihrer Produkte bezahlen.

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