Gymnasium Bützow: So fing alles an

Gruppenfoto aus dem Jahr 1969 vor der Erweiterten Oberschule am Ausfall in Bützow. Annemarie Gelse
Gruppenfoto aus dem Jahr 1969 vor der Erweiterten Oberschule am Ausfall in Bützow. Annemarie Gelse

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06. Mai 2010, 01:57 Uhr

Bützow | Im Schülerverzeichnis des Gymnasiums Bützow steht unter der Nummer eins Leopold Ahron, geboren am 27. März 1849. Dieses Jahr feiert die Stadt Bützow 150 Jahre gymnasiale Bildung in der Warnowstadt. Heute besuchen 266 Schüler das Geschwister-Scholl-Gymnasium. Unter der Nummer 8076 steht Friederike Uebel aus Steinhagen.

Im 13. Jahrhundert, als Bützow Bischofsstadt gewesen ist, besuchten acht Schüler die erste Schule der Stadt. "Zur Ausbildung eines Domchors im Singen sowie in der lateinischen Sprache waren Schulen notwendig", schreibt Clemente Rump, ehemaliger Direktor, zum 100-jährigen Bestehen. Die Erziehungs- und Bildungsziele waren kirchlich ausgerichtet.

Aus dem Jahr 1535 stammt eine Urkunde, die erstmals eine Schule in Bützow nachweist. Bis ins 18. Jahrhundert diente sie als Lateinschule. Sieben Stadtschüler und ein Internatsschüler besuchten das 1760 errichtete Pädagogische Institut. Da die öffentlichen Mittel zur weiteren Unterhaltung nicht ausreichten, wurde es 1780 geschlossen. "In den folgenden Jahren wurde das Bestreben nach wissenschaftlichem Unterricht in Bützow durch Privatschulen - so genannte Kandidatenschulen - erfüllt", schreibt Dr. Günter Camenz in seiner Rede zum 130-jährigen Bestehen der gymnasialen Bildung in Bützow.

"Am 4. Oktober 1860 eröffnete Dr. Wilhelm Winckler die beiden Klassen mit 17 Schülern", schreibt Camenz weiter. Am Ende des Jahres 1860 besuchten 37 Schüler die Stadtschule. Ein Jahr später kam eine dritte Klasse hinzu. Unter der Leitung von Dr. Winckler, dem Gründer der Schule, unterrichteten drei Lehrer. Camenz schreibt weiter: "Schon im Herbst 1862 beschlossen die städtischen Behörden, im folgenden Frühjahr mit der Erbauung eines neuen Schulhauses vorzugehen", denn die Räume reichten nicht mehr aus. Im Gebäude Am Ausfall 32 wurde unterrichtet. Zehn Jahre später kamen in einem Anbau drei weitere Räume und eine Aula hinzu.

Schüler mit unterschiedlichem Vorwissen und Reife

Der ehemalige Schulleiter Wilhelm Winckler weiß 1864, wie schwierig es ist, einen Lehrplan aufzustellen: "In dem ersten Halbjahr machten wir recht gründlich die Erfahrung, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, einen Lehrplan für eine Schule aufzustellen, wenn man noch gar nicht weiß, von welcher Art die aufzunehmenden Schüler sein werden", schreibt Winckler in einem Bericht über die Schulentwicklung. Die Schüler waren unterschiedlich alt, hatten Differenzen in der Vorbildung und in der geistigen Reife. Der Unterricht richtete sich sowohl nach realschul- als auch nach gymnasialen Standards. "So dass die Anstalt in Wirklichkeit nicht mit zwei, sondern mit sieben Klassen anfing."

Am 20. November 1863 kam der Anstalt durch das hohe Ministerium die Anerkennung als Realschule zu. Unterrichtet wurden die Fächer "Religion, Sprachen, Mathematik, Naturwissenschaft, Geschichte, Geographie und Übungen im Gebrauche der Hand, des Auges, des Ohres und des ganzen Körpers."

1865 erhielten fünf Klassen den Unterricht. Den Titel höhere Bürgerschule erhielt die Einrichtung 1870 vom Bundeskanzleramt des Norddeutschen Bundes. Nach einer Krise Ende der 1890er-Jahre und dem Tod des ersten Direktors Dr. Winkler übernahm Dr. Friedrich Galle die Leitung der Schule. 1922 folgte die Verstaatlichung und weitere zehn Jahre später die Anerkennung als Reform-Realgymnasium, "so wie es schon ihrem Gründer vorgeschwebt hatte", schreibt Günter Camenz. Dieser forderte: "Eine höhere Schule muss in Bützow sein!"

Zur Staatlichen Oberschule für Jungen wird das Realgymnasium 1937. "1946 erfolgte die Eingliederung in das System der Einheitsschule, zunächst als Oberschule und später als Erweiterte Oberschule", so Camenz.

"Die Oberschule Bützow hat zum Gedenken junger Widerstandskämpfer aus München im März 1949 den Namen "Geschwister-Scholl-Oberschule" angenommen", schreibt Rump. Ein Mädchen- und ein Jungeninternat schlossen sich in jener Zeit an die Bützower Oberschule an.

Sportliche Erfolge: Sieger aller Oberschulen

Früher wie heute schmückte sich die Oberschule mit sportlichen Erfolgen. Bereits 1954 wurde die "Geschwister-Scholl-Oberschule" "Sieger über alle Oberschulen des Bezirks Schwerin", schreibt Rump. Ende der 1950er-Jahre richtet sich der Blick der Lehrrichtung von den Humanwissenschaften auf die Naturwissenschaften. Direktor Rump begründet dies mit "der Erziehung des neuen, sozialistischen Menschen." Auf dem Lehrplan stehen Grundkenntnisse der Produktionsprozesse und das Erlernen praktischer Fertigkeiten.

Zu DDR-Zeiten suchte das "diktatorische System nach einem Anlass, Lehrer und Schüler zu disziplinieren", schreibt Camenz weiter. Angebliche staatsfeindliche Handlungen führten zu Verurteilungen und Versetzungen von Schülern und Lehrern. 1982 wurde das Real-Gymnasium Teil der Ferdinand-Freiligrath-Schule, somit fielen die vorbereitenden Klassen auf das Abitur weg. Doch mit der Wende, am 1. September 1990, wurde sie wieder "eine eigenständige Schule mit dem Auftrag, junge Menschen zu erziehen und zu bilden, die die Hochschulreife erreichen und sich auf eine gehobene Berufstätigkeit vorbereiten", schreibt Günter Camenz.

Zum Neubeginn 1990 ist Joachim Fiedler nicht mehr Gastdozent, sondern zum Schulleiter der Oberschule benannt. Damit der Schüleransturm bewältigt werden konnte, musste man auf die Räume der ehemaligen SED-Kreisleitung und eine Baracke der FDJ ausweichen.

Ab dem 1. September 1991 erhielten die Klassen 5 bis 12 Unterricht am Gymnasium. Über 1100 Schüler besuchten die Bildungseinrichtung. Als eine der ersten Schulen im Land konnte das Geschwister-Scholl-Gymnasium das Pflichtfach Religion bzw. das zur Wahl stehende Fach Philosophieren mit Kindern anbieten. Der Unterricht fand in mehreren Gebäuden der Stadt statt, die sanitären Anlagen waren unzureichend. Somit erfolgte am 14. Mai 1993 der erste Spatenstich für den Neubau des Gymnasiums, am 16. Dezember 1995 feierte Bützow das neue Gebäude. Drei Jahre später gehörten eine Sporthalle und eine Außenanlage dazu. "Im Jahr 2007 erhielt der 1000. Abiturient nach der Neugründung eines Gymnasiums in Bützow sein Reifezeugnis", schreibt der ehemalige Direktor Joachim Fiedler. "Das Gymnasium ist immer noch sehr wichtig für Bützow und die Region. Die Schüler haben somit die Möglichkeit in der Region für die Hochschulreife und die Bedingungen im Neubau sind sehr gut", sagt Joachim Fiedler.

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