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Axt-Prozess vor Landgericht Rostock fortgesetzt : Gutachterin: Angeklagter Gefahr für Allgemeinheit

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Im Sicherungsverfahren gegen den Holzfäller Rico G. (33) aus Blankenförde bei Neustrelitz vor dem Landgericht Rostock legte gestern die psychiatrische Sachverständige aus Ueckermünde ihr Gutachten vor.

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erstellt am 05.Jan.2011 | 06:55 Uhr

Rostock | Im Sicherungsverfahren gegen den Holzfäller Rico G. (33) aus Blankenförde bei Neustrelitz vor dem Landgericht Rostock legte gestern die psychiatrische Sachverständige aus Ueckermünde ihr Gutachten vor. Verteidigung und Staatsanwaltschaft plädierten. Den Vorwurf der versuchten Tötung wiesen beide zurück. Rico G. wird beschuldigt, am 3. Mai 2010 versucht zu haben, den Chefarzt der Psychiatrischen Abteilung des KMG-Klinikums in Güstrow mit einer Spaltaxt zu töten.

Die Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie Ramona St. gab ein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand des Beschuldigten ab. Es stehe fest, dass Rico G. unter einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis leide. Alle Erkenntnisse wiesen darauf hin, dass der 33-Jährige zur Tatzeit an einer seelischen Störung verstärkt durch Wahnvorstellungen in Form von krankhafter Eifersucht und Verschwörungstheorien litt, die seine Einsichtsfähigkeit vollständig aufhob. "Ob er den Chefarzt wirklich töten oder nur ein Achtungszeichen setzen wollte", könne sie nicht sagen.

Auch nach achtmonatigem Aufenthalt in der Klinik für Forensische Psychiatrie in Ueckermünde sei es nicht gelungen, die Erkrankung des 33-Jährigen über weite Strecken erfolgreich zu behandeln. Da jetzt auch noch sämtliche Beziehungen, wie die zur Lebensgefährtin und zu den Jagdfreunden weggebrochen seien, müsse mit weiteren Gewaltausbrüchen gerechnet werden. Eine ambulante Behandlung lehnte die Gutachterin ab.

Darauf berief sich der Vertreter der Rostocker Staatsanwaltschaft und forderte die Unterbringung in einem psychi atrischen Krankenhaus. "Es besteht eine Gefahr für die Allgemeinheit, wenn er jetzt entlassen werden würde", so der Staatsanwalt. Er bewertete die Tat jetzt jedoch als eine Sachbeschädigung in Tateinheit mit Bedrohung, nicht als versuchtes Tötungsdelikt, wie ursprünglich angenommen.

Der Verteidiger wies sogar den Bedrohungsvorwurf zurück und sprach nur von Sachbeschädigung. Sein Mandant wollte den Chefarzt lediglich zur Rede stellen. Im Gegensatz zum Gutachten vertrat der Verteidiger die Meinung, dass die Wahrscheinlichkeit, wieder gewalttätig zu werden, bei seinem Mandanten fehle. Deshalb sei eine Unterbringung in einer geschlossenen Klinik unverhältnismäßig. Er beantragte die Unterbringung auf einer allgemeinen psychiatrischen Station. Am 10. Januar soll das Urteil verkündet werden.

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