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Sabine Moritz fordert mit- und nicht gegeneinander zu reden : Güstrower Stadtmuseum wehrt sich gegen Kritik

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Mit Unverständnis reagiert Sabine Moritz auf die Kritik, der das Güstrower Stadtmuseum zurzeit ausgesetzt ist. Die CDU hatte gefordert, Attraktivität und Wirtschaftlichkeit der städtischen Kultureinrichtungen zu erhöhen.

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erstellt am 14.Jun.2011 | 07:37 Uhr

Güstrow | Mit Unverständnis reagiert Sabine Moritz auf die Kritik, der das Güstrower Stadtmuseum zurzeit von Teilen der Stadtvertretung ausgesetzt ist. Die CDU hatte gefordert, Attraktivität und Wirtschaftlichkeit der städtischen Kultureinrichtungen zu erhöhen. Nach dem Willen der FDP-Fraktion soll jetzt sogar das gesamte Konzept des Museums in Bezug auf die kulturpolitische Zielrichtung auf den Prüfstand. Hintergrund dieser politischen Forderungen sind mangelnde Besucherzahlen. "Es macht mich wütend, wenn gesagt wird, die Konzeption müsse überprüft werden. Das trifft mich und meine fleißigen Mitarbeiter", so Moritz, Abteilungsleiterin Kultur bei der Stadt Güs trow. "Man kann eine geschichtliche Konzeption nicht einfach ändern. Das kostet viel Geld."

Sabine Moritz fragt sich, was denn genau überprüft werden solle. "Wenn die Konzeption kritisiert wird, will ich auch mal Vorschläge hören, wie das Konzept denn aussehen soll", sagt sie. Die Ausstellung im Museum sei von Fachleuten mit besonderen Schwerpunkten konzipiert. Dabei werde auf Alleinstellungsmerkmale für Güstrow wie z.B. die Befreiungskriege oder den Güstrower Maler Kersting Wert gelegt. Man könne nur das ausstellen, was der Museumsbestand hergebe, so Moritz. "Es mag sein, dass wir kein Besuchermagnet sind. Aber es fällt schwer, aus der derzeitigen Kritik etwas Positives zu ziehen." Sabine Moritz fordert, in der aktuellen Debatte miteinander und nicht gegeneinander zu reden.

Mehr Besucher anlocken wollen Moritz und das Stadtmuseum mit der neuen Ausstellung "Von Güstrow in die Welt - Zwei Ansichten" mit Texten von Uwe Johnson und Fotografien von Heinz Lehmbäcker, die morgen um 17 Uhr im Stadtmuseum eröffnet wird. "Uwe Johnson ist das literarische Markenzeichen Güstrows. Mit dieser Ausstellung holen wir Leute ran", ist Sabine Moritz überzeugt.

Möglich ist die neue Sonderausstellung, die bis zum 14. Oktober zu sehen sein wird, nur durch die finanzielle Unterstützung der Allgemeinen Wohnungsbaugenossenschaft Güstrow. Die AWG griff dem Museum bereits bei fünf Ausstellungen unter die Arme. Sabine Moritz sieht in dem Konzept "Wirtschaft sponsert Kultur" ein wichtiges Zukunftsmodell. "Wir müssen immer mehr Sponsoren suchen. Ohne Unternehmen geht es nicht", sagt sie.

Die Idee zur Ausstellung entstand im Austausch mit dem in Güstrow geborenen Fotografen Heinz Lehmbäcker, dem besten Schulfreund von Uwe Johnson. Mit dieser Präsentation will das Museum an Johnson (1934 bis 1984) erinnern, der heute zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern gehört. Seit 1946 lebte er in Güstrow und besuchte hier von 1948 bis 1952 die John-Brinckman-Oberschule. Von Güstrow aus nahm er seinen Weg in die Welt. Die für den Schriftsteller wichtigen Lebensstationen bilden zugleich die Schwerpunkte der Ausstellung: Mecklenburg, Leipzig, Berlin, New York und Sheerness-on-Sea (England). Im Juni 1982 reiste Johnson als Mitglied einer englischen Touristengruppe in die DDR und besuchte u. a. auch Güstrow. In Vorbereitung des vierten und damit letzten Bandes der "Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl" hielt sich Johnson im Oktober desselben Jahres nochmals in Güs trow auf. Im August 1983 besuchte er das letzte Mal Mecklenburg und erneut Güstrow, um für das vom Suhrkamp Verlag für 1984 angekündigte Buch "Heute neunzig Jahr" zu recherchieren. Es sollte Fragment bleiben. Am 13. März 1984 wurde Uwe Johnson in seinem Haus im englischen Sheerness tot aufgefunden.

Heinz Lehmbäcker, Jahrgang 1934, hat für die Ausstellung Texte Johnsons ausgewählt und diese auf subtile Weise mit seinen eigenen Fotografien zusammen gebracht. Damit werden zwei Ansichten von Mecklenburg präsentiert - die des Schriftstellers Johnson und die des Fotografen und Wissenschaftsjournalisten Lehmbäcker.

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