Auslandsbericht : Zwischen lauten Spaniern, Paella und „Besitos“

Geburtstag in neuer Umgebung mit Gastmutter, „meinen“ Kindern und Freundinnen
Geburtstag in neuer Umgebung mit Gastmutter, „meinen“ Kindern und Freundinnen

Neues Leben nach dem Abi: ehemalige Kleckserin berichtet aus dem Ausland

svz.de von
06. November 2015, 06:00 Uhr

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in einem der zahlreichen Cafés, die die spanische Stadt Valencia zu bieten hat. Es ist der letzte Oktobertag und draußen auf der Straße sehe ich die Leute in kurzen Shirts und Kleidern rumlaufen. Schon irgendwie verrückt, dass Ende Herbst hier immer noch eher das Gefühl von Sommer bestehen bleibt. Von Herbst oder Winter spürt man nur wenig. Einzig allein meine heiße Schokolade, die in einer großen Tasse neben mir steht, und die Zimtschnecke, die ich mir gekauft habe, gibt mir ein Gefühl von Weihnachten.

Mittlerweile lebe ich seit zwei Monaten in der drittgrößten Stadt Spaniens und mein Leben nach dem Abitur hat eine gewaltige Wendung gemacht. Nicht nur hinsichtlich meines Tagesablaufes, sondern auch natürlich der Umgebung, Freunden und Familie. Der Begriff „Au-pair“ wird bestimmt allen geläufig sein. Ein Au-pair lebt in einer Gastfamilie im Ausland und passt dort auf die Kinder dieser Familie auf. Ich jedoch bin „Demi-pair“ – ein quasi halbes Au-pair-Mädchen. Das heißt, ich lebe auch in einer Gastfamilie und kümmere mich um die Kinder. Jeden Vormittag in der Woche besuche ich allerdings zusätzlich eine Sprachschule, um mein Spanisch schneller zu verbessern.

Mein „neues“ Leben gefällt mir ausgesprochen gut! Mit meiner Gastfamilie habe ich einen Glücksfang gemacht. Vom ersten Tag an habe ich mich sehr wohl gefühlt, die Chemie stimmt. Ich lebe sehr zentral, bin mit dem Fahrrad in nur zehn Minuten schon an der großen Einkaufsstraße. Was anders ist: Ich lebe nicht wie in Deutschland in einem Haus, sondern in einem Appartment, welches sich im 13. Stock befindet und von dem ich täglich einen Blick über Valencia genießen kann.

Ich habe drei kleine Schützlinge, um die ich mich jeden Tag kümmere. Der kleine Jesús ist zwei Jahre alt, die beiden Mädchen Carmen (4) und Lola (6) machen das Trio komplett. Es ist schon eine Umstellung, sich um solche „Knirpse“ zu kümmern. Besonders, wenn man kaum Erfahrung mit so kleinen Kindern hat, aber ich habe mich sehr schnell angepasst und es gab keinerlei Probleme. Von Anfang an waren die drei sehr offen, zeigten mir sehr viel und schnell hieß es nur noch „Caro, komm mal!“ oder „Caro, guck mal!“. Anfangs hatte ich Bedenken wegen der Verständigung, da mein Spanisch nicht das Beste war. Ich sollte außerdem mit ihnen Deutsch reden, doch wie ihr Level in der deutschen Sprache ist, wusste ich auch nicht. Jedoch war dies mit Hilfe von Bildern, Zeichensprache und Umschreibungen alles gar kein Problem.

Im Laufe der Zeit begann ich, auch immer mehr und mehr Spanisch zu sprechen und bin selber erstaunt, wie viel ich innerhalb der zwei Monate schon gelernt habe. Es fällt mir nicht mehr schwer, mich in einer normalen Konversation auf Spanisch auszudrücken. Dinge wie nach dem Weg fragen bewältige ich im Schlaf. Natürlich hilft mir auch die Sprachschule sehr, schneller voran zu kommen.

Was das Reisen betrifft, habe ich auch schon so einiges gesehen. Mit meiner Gastfamilie konnte ich einige der umliegenden Dörfer sehen. Mein erstes Wochenende nach meiner Ankunft habe ich beispielsweise in Xábia verbracht, einem Ort zwei Stunden von Valencia entfernt. Dort hat meine Gastfamilie ein Ferienhaus, etwas höher in den Bergen gelegen, wovon man den Blick über den kleinen Ort genießen kann. Ich ging mit den Kindern am Strand Muscheln sammeln, alberte mit ihnen im Pool herum, und abends besuchten wir ein Restaurant und genossen unter Palmen am Meer Tapas.

Stichwort „Tapas“: Das Essen in Spanien ist ein Genuss. Ich habe keine Scheu, neue Sachen zu probieren. Im Gegenteil, eigentlich bin ich ständig auf der Suche nach ihnen. Zu Hause in Güstrow habe ich selten Fisch gegessen. Viel zu schade eigentlich! Umso mehr freue ich mich jetzt, dass hier drei bis vier Mal Fisch in der Woche auf den Tisch kommt. Tintenfischringe oder Oktopus sind hier gang und gäbe und auf jeden Fall empfehlenswert. Und: Zu einem Besuch in Valencia gehört natürlich das Essen der „Paella Valenciana“. Ohne das Verkosten der Paella in der Gründerstadt dieser spanischen Spezialität darf man nicht nach Hause zurückkehren. Ich liebe die Paella, aber die „Fideua“ schmeckt mir noch besser. Diese ist ähnlich wie Paella, nur werden hier statt Reis kleine Nudeln verwendet. Natürlich dürfen Meeresfrüchte nicht fehlen. Spanien ist ein Geschmackserlebnis für jedermann, auch für Vegetarier oder „Anti- Meeresfrüchte“- Liebhaber.

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