Güstrow : Zweimal die Woche Fehlalarm

Ehrungen und Beförderungen, hier für die neuen Oberlöschmeister Denny Chiarz, Toni Möller, Marcus Möller und Johannes Ulrich mit einem Dankeschön an ihre Partnerinnen durch Jane Weber (1. Stadträtin) und die Wehrführer Stephan Hagemann und René Plotz, sind fester Bestandteil der Jahresversammlung.
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Ehrungen und Beförderungen, hier für die neuen Oberlöschmeister Denny Chiarz, Toni Möller, Marcus Möller und Johannes Ulrich mit einem Dankeschön an ihre Partnerinnen durch Jane Weber (1. Stadträtin) und die Wehrführer Stephan Hagemann und René Plotz, sind fester Bestandteil der Jahresversammlung.

Einsatzzahlen nach wie vor überdurchschnittlich hoch.

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02. März 2020, 05:00 Uhr

Einen ungestörten Abend – den hatten sie sich verdient, die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Güstrow, ihre Partner und Ehrengäste. „Wir hatten für alle Fälle eine Bereitschaftsgruppe, aber die musste zum Glück nicht los“, freute sich Wehrführer Stephan Hagemann nach Rückblicken, Ehrungen und Beförderungen, Grußworten, leckerem Essen und viel Tanz bis nach Mitternacht in den Sonntag hinein.

So ungetrübt wie die Jahresversammlung fiel das Einsatzjahr 2019 freilich nicht aus. Zwar konnte Hagemann bei seinem ersten Bericht als Wehrführer einige Einsätze weniger bilanzieren als im Glut- und Regenjahr 2018. Doch mit 229 Alarmierungen lag auch 2019 deutlich über dem Durchschnitt der Dekade. Auffällig dabei, dass sich die Einsätze bei Bränden und technischen Hilfeleistungen wieder eingepegelt haben, die Zahl der Fehlalarmierungen jedoch unverändert hoch blieb und erneut die mit Abstand größte Alarmierungsgruppe darstellt (siehe Hintergrund). Hagemann weiß von einem einzigen Fall, also einer Person, zu berichten, die allein für zehn Alarmierungen zum Öffnen einer Tür sorgte, ehe die zuständigen Behörden und Betreuer dem Treiben ein Ende setzten. „Ich erwarte, dass die Behörden da schneller handeln“, fordert Hagemann ein Ende von Behördengerangel und Bürokratie. Erinnert sei, dass Kameraden der Güstrower Feuerwehr in ihrer Freizeit oder oft genug auch in der Arbeitszeit ausrücken – als Ehrenamtler.

Eine „abnehmende Selbsthilfefähigkeit“ der Bürger beobachtet auch Kreisbrandmeister Maik Tessin. So werden Wehren gerufen, wenn bei Sturm auch nur Ästchen auf der Straße liegen, statt solche „Hindernisse“ selbst mal wegzuräumen. Oder Kameraden werden geholt, um „vollgelaufene Keller“ auszupumpen – und finden mit Wasser gerade mal bedeckten Boden vor. Weil dies keine Einzelfälle wären, wo die 164 ausnahmslos ehrenamtlichen Feuerwehren im Landkreis unnötig alarmiert werden, kommen Einsatzzahlen in Güstrow zustande, wie sie eher für eine Berufswehr typisch wären, so Tessin.

In Stunden ausgedrückt, leisteten die Güstrower Blauröcke 4022 in Einsätzen, für die 4827 Stunden zur Aus- und Weiterbildung, für Dienstberatungen und Sonderleistungen erbracht wurden. Da ist es gut, zu wissen, dass die Güstrower Feuerwehr seit längerem einen recht konstanten Personalbestand aufweisen kann. 71 Kameraden stehen für die Einsatzgruppen bereit, und auch die Jugendwehr weist mit 25 jungen Kameraden personelle Stabilität auf. Erst am Sonnabend konnte nach erfolgter Ausbildung mit Niclas Schröder ein weiteres Mitglied zum Feuerwehrmann ernannt werden.

Für eine einsatzgerechte Ausstattung ihrer Feuerwehr werde die Stadt auch weiter sorgen, bekräftigte Stadtpräsident Andreas Ohm (CDU) und verkündete die Verabschiedung einer Richtlinie zur Würdigung des besonderen Einsatzes der freiwilligen Feuerwehrleute. Jane Weber, 1. Stadträtin: „Die Barlachstadt steht ohne Wenn und Aber zu dieser Wehr.“ Für die 1,2 Millionen Euro teure Anschaffung eines neuen Drehleiterfahrzeuges in dieser Haushaltsperiode stellte Landrat Sebastian Constien (SPD) einen Zuschuss vom Landkreis in Höhe von 250 000 Euro in Aussicht. „Reserven“ zur Nachwuchsgewinnung für die Güstrower Wehr sieht Constien noch bei der Einbindung kommunaler Unternehmen.

Zur Erinnerung ein Blick zurück: Mit dem Abschied von Markus Paschen, der nach 13 Jahren in der Wehrführung aus beruflichen Gründen zurücktrat, gab es mit der Wahl von Stephan Hagemann einen herausragenden Umbruch für die Güstrower Wehr. Und noch ein Blick in die Zukunft: Die Bedarfsplanung für die Freiwillige Feuerwehr Güstrow sei fertig und liege jetzt dem Bürgermeister zur Prüfung vor, erklärte Wehrführer Hagemann. Nach Abstimmung mit der Kreisverwaltung fehle dann nur noch der Beschluss der Stadtvertretung über das Dokument.

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