Ernst-Barlach-Theater Güstrow : Zwei Rotkäppchen, einmal Drogen

Das Dokumentarstück „Wannseekonferenz“ von Paul Mommertz
Das Dokumentarstück „Wannseekonferenz“ von Paul Mommertz

Aus dem Kinder- und Jugendprogramm des Ernst-Barlach-Theaters: Veranstaltungen laden auch zum Mitmachen ein.

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16. September 2015, 06:11 Uhr

Von rund 30  000 Besuchern jährlich im Ernst-Barlach-Theater sind etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche. „Generell kann man sagen, dass wir sehr stolz darauf sind, ein umfangreiches Programm in allen Sparten anzubieten, aber der Schwerpunkt liegt auf dem Kinder-und Jugendtheater“, erklärt Theaterleiterin Kersten Klevenow. Der Grund dafür ist einfach: Das Programm für Kinder und Jugendliche wird besonders gut angenommen. Deshalb wird auch in diesem Halbjahr einiges für Schulklassen und andere junge Theaterliebhaber geboten. Dazu gehören auch die beliebten Aufführungen in der Weihnachtszeit, zu denen erfahrungsgemäß um die 6000 Kinder aus dem Landkreis und darüber hinaus kommen.

Am 20. September leitet „Der Froschkönig“ nach den Gebrüdern Grimm das Theater für Kinder ein. „Bei den Kindervorstellungen ist auch etwas für die ganz Kleinen dabei, zum Beispiel ,Däumelinchen’ oder ,Rotkäppchen’. Jede Altersgruppe wird berücksichtigt“, sagt Kersten Klevenow. Von ,Rotkäppchen’ gibt es in der Vorweihnachtszeit gleich zwei unterschiedliche Aufführungen. Am 6., 7. und 8. Dezember wird eine Inszenierung nach Jewgeni Schwarz gezeigt, außerdem gibt es am 13., 14. und 15. Dezember ,Rotkäppchen’ als Musical von der Musikbühne Mannheim. Die Besonderheit dabei: Es werden wieder kleine Mitspieler gesucht. Das Üben und die Aufführungen finden jeweils an einem Tag statt. Trauen kann sich dabei jeder, denn die Aufgaben wären nicht zu schwer, beruhigt Cornelia Ritter. „Alles wird gemeinsam gemacht und in der Regel machen die Kinder das sehr gerne“, weiß die Theatermitarbeiterin. Bei ihr erfolgt auch die Anmeldung.

Die Aufführungen für Schüler beginnen am 22. September. Mit der bisherigen Zahl der Anmeldungen ist Kersten Klevenow zufrieden: „Es läuft sehr gut, die ,Antigone’ am 2. November ist schon so gut wie ausverkauft.“ Auch für andere Stücke gebe es schon einige Resonanz. Die Nachfrage für das Schauspiel „Alles Blau“ zum Thema Drogenmissbrauch von Tim Staffel könnte allerdings höher sein, es wird schon nächsten Dienstag vom Volkstheater Rostock aufgeführt. „Es wäre sehr schade, wenn das Stück so wenig Beachtung fände“, meint die Theaterleiterin. Nach der Aufführung gibt es sogar noch eine Diskussion, die der ehemals selbst drogenabhängige Schauspieler leiten wird. „Nach jedem Schauspiel wird zu einem Gespräch mit den Künstlern oder auch mit anderen Experten eingeladen. Bisher wurde das immer dankbar angenommen, gerade weil viele Stücke emotionell sehr nahe gehen“, reflektiert Kersten Klevenow.

Auch für das Dokumentarstück „Wannseekonferenz“ von Paul Mommertz am 13. Oktober gibt es ein Gesprächsangebot, umfangreiches Begleitmaterial wird auf Anfrage zur Verfügung gestellt. Die Thematisierung der „Endlösung der Judenfrage“ scheint auch in der Aufführung keine leichte Kost zu sein. Entsprechend zeigt das Theater und Orchester Neubrandenburg/Neustrelitz das Stück nur für Schüler ab 14 Jahren.

Im November geht es dann weiter mit „Antigone“, dafür gastiert das junge Schauspiel-Ensemble München in Güstrow. Kinder und Lehrer dürften es in guter Erinnerung haben, denkt die Theaterleiterin, denn das Ensemble ist nicht zum ersten Mal in der Barlachstadt. Das eigentlich klassische Werk von Sophokles werde dabei radikal in die Gegenwart geholt, es geht um einen traumatisierten Soldaten aus dem Kosovo.

Eine Bereicherung für den Englischunterricht ist für den 9. und 10. November vorgesehen. Wie jedes Jahr werden Originalsprachler des „White Horse Theatre“ Stücke von unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad für Unter-, Mittel- und Oberstufe aufführen.

Ausklingen wird der November mit einem Schulkonzert mit der Neubrandenburger Philharmonie (24.11.). Und auch wenn das diesjährige Programm neu ist, weiß Kersten Klevenow aus Erfahrung, dass die Schulkonzerte „immer ganz fantastisch“ sind. Man erfahre sehr viel über Musik, und auch für Erwachsene wäre das Konzert sehr empfehlenswert.

Für Schüler endet das diesjährige Programm schließlich am 3. Dezember mit „Bis ans Limit“ , einem Schauspiel zum Alkoholmissbrauch. Die Jüngeren können das Theaterjahr in Güstrow am 27. Dezember mit dem Kinderstück „An der Arche um acht“ abschließen. Marie von Berg

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