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SVZ-Serie : Zwei Geschwader statt ziviler Flüge

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie: Die Geschichte des Fliegerhorstes Kronskamp / Teil 2: Formierung der beiden NVA-Kampfgeschwader und ihr Ende

30 Jahre ist der Start für den Flugbetrieb in Laage-Kronskamp her. In einer mehrteiligen SVZ-Serie beleuchtet der Militärjournalist Dieter Flohr Hintergründe der Entstehung und den Werdegang des Flugplatzes vom rein militärischen zum zivil und militärisch genutzten.


Die Errichtung eines neuen Flugplatzes ist trotz aller Geheimniskrämerei im Westen nicht unentdeckt geblieben, die Nato flog ab 1974 regelmäßig Aufklärungsflüge an der innerdeutschen Grenze, um die Gegend bei Laage per Seitensichtradar (SLAR) aufzuklären. Eine der ersten SLAR-Aufnahmen stammt vom 26. Juni 1974. In der Bauphase gab es wiederholt Aufklärungsaktionen der Militärverbindungsmission der westlichen Besatzungsmächte, deren Fahrzeuge mitunter direkt bis auf das weitläufige Gelände fuhren, bevor dieses rundum gesichert wurde.


Luftstreitkräfte oder Marine oder beides?


In der Zwischenzeit wurde die NVA vom Vereinten Oberkommando im Warschauer Vertrag verpflichtet, ihre Frontfliegerkräfte, also ihre Angriffskomponente, weiter auszubauen. So wurde entschieden, neben einem Jagdbombenfliegergeschwader (JBG) auch das eigentlich für den Norden geplante Marinefliegergeschwader (MFG) in Laage aufzustellen. Beide sollten den künftigen Flugplatz Laage-Kronskamp gemeinsam nutzen. Folgerichtig wurde für Laage der Bau von vier Staffelräumen mit geschlossenen Flugzeugdeckungen nach sowjetischem Muster beschlossen, also stark befestigte Spezialbauten für Flugzeuge mit einer Spannweite von 16,5 Metern. Die damit einhergehende praktische Verdoppelung der militärischen Präsenz auf dem Flugplatz war auch der Grund für den späten Baubeginn der Infrastruktur – und die zivilen Mitnutzungspläne waren vom Tisch.

Parallel dazu wurde in der Nähe, angebunden an das Dorf Kronskamp, auch der Bau einer Wohnzone und erforderlicher Sozialeinrichtungen für die Berufssoldaten zügig in Angriff genommen.


Ein Dorf hört auf zu existieren


Für den Flugplatzneubau wurde die Landstraße zwischen Weitendorf und Kronskamp, die heutige B103, in einem großen Bogen nach Osten verschoben.

Schmerzlicher war der Einschnitt für einen Teil der Bevölkerung: Das Dorf Levkendorf wurde aufgegeben. Dieses lag etwa im Gebiet des heutigen Zivilflughafens und dem heutigen Aufsetzpunkt für die Hauptlanderichtung der Flugzeuge. Die Siedlung Levkendorf gehörte früher zum Rittergut Weitendorf. Wie es hieß, erhielten die „Vertriebenen“ auch ein Stück Land mit „unentgeltlichem fristlosem Nutzungsrecht“ zugesichert. Die vermutlich meisten fanden im vorzeitig errichteten, ersten Neubaublock am Rande der künftigen Militärsiedlung Kronskamp ein neues Zuhause, dem sogenannten Levkendorfer Block.

Weitere fünfgeschossige Großblöcke wurden zwischen dem Alt-Dorf Kronskamp und der Bahnlinie Rostock-Berlin aus dem Boden gestampft. Die boten nach damaligen Vorstellungen ausreichenden Wohnraum, Schlafraum, Küche, Kinderzimmer und Bad für die militärischen oder zivilen Beschäftigten der Fliegergeschwader. Eine Kaufhalle – also ein „Supermarkt“ – und ein Restaurant sowie Post, Frisör und zwei Kindertagesstätten gesellten sich bald hinzu. Auf dem Kasernengelände wurden neben Soldaten-Unterkünften eine Schwimmhalle, eine Sporthalle, ein Kulturzentrum und die für die militärische Fliegerei nötigen Gebäude und natürlich die Start- und Landebahn errichtet.


Die NVA-Geschwader JBG 77 und MFG 28


Im Jahre 1983 wurde die Formierung und der Auftrag des Vorkommandos des JBG 77 für Laage festgelegt. Gleichzeitig wurde befohlen, die Aufstellung des MFG 28 befohlen am 30. November 1987 abzuschließen. Am 30. November 1984 beendete das Vorkommando seine Tätigkeit. Zwölf Jagdbomber aus dem sowjetischen Konstruktionsbüro Suchoj Su-22 M4 und zwei Übungskampfflugzeuge Su-22 UM 3K waren bereits in Drewitz und Rothenburg im November 1984 an die NVA übergeben worden. Diese Flugzeuge, in Teilen aus der UdSSR geliefert und in der DDR zusammengebaut, wurden unter strenger Geheimhaltung, teilweise im Tiefflug, durch bereits umgeschulte Piloten nach Laage überführt.

Die Formierung des Geschwaders begann am 1. Dezember 1984, die feierliche Indienststellung fand am 6. Dezember statt. Der erste Gefechtsflugtag und somit der offizielle Beginn der Fliegerei in Laage war der 11. Dezember 1984. Die gesamte Formierung des JBG 77 dauerte bis zum 30. November 1985.

Schon ein Jahr nach dem Jagdbombergeschwader, nördlich der Start- und Landebahn disloziert, wurde im südlichen Teil des Flugplatzgeländes das Marinefliegergeschwader aufgestellt. Das Personal rekrutiert sich anfänglich aus dem JBG. Beide Geschwader waren bis zum Tag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 aktiv. Der letzte Flugtag fand am 27. September 1990 mit einem „Flying out“ statt. Es durfte jedoch nur noch gerollt werden.







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