Modegruppe Sarmstorf : Zum letzten Mal auf den Laufsteg

Die „Modis“ aus Sarmstorf: Margret Krase, Käte Harms, Renate Elsholz, Brunhilde Pries, Ursula Preuß, Willi Marquardt, Marianne Marquardt (v. l.)  Fotos: Christian Menzel
1 von 2
Die „Modis“ aus Sarmstorf: Margret Krase, Käte Harms, Renate Elsholz, Brunhilde Pries, Ursula Preuß, Willi Marquardt, Marianne Marquardt (v. l.) Fotos: Christian Menzel

Nach 40 Jahren denkt die Modegruppe „Modis“ aus Sarmstorf ans Aufhören

svz.de von
10. März 2016, 05:00 Uhr

Zur Zusammenkunft der Sarmstorfer Modegruppe „Modis“ im Gemeindehaus rückt Renate Elsholz mit selbst gebackenen Windbeuteln an. Auch bereits gebrühten Kaffee hat sie dabei. Das Süße muss sein, denn das Thema, über das die sechs Frauen und Willi Marquardt sprechen wollen, ist ernst: genau 40 Jahre nach seiner Gründung steht die Auflösung der Interessengemeinschaft zur Diskussion.

Im September, zum Dorffest in Sarmstorf, wollen die Frauen noch einmal über den Catwalk gehen, dann könnte Schluss sein. „Wir haben schon oft versucht, Mitstreiter für unsere Modegruppe zu gewinnen, aber die jungen Leute haben heute andere Interessen“, resümiert Brunhilde Pries, mit 85 Jahren die älteste und die Leiterin der Gruppe. Dabei möchte keines der Mitglieder die Zeit bei den „Modis“ missen. „Wir haben viel gelernt in den Jahren. Vor allem Selbstbewusstsein und dass man den Kopf auf dem Laufsteg immer hoch halten sollte“, weiß Margret Krase, wie Pries und Elsholz ebenfalls von Anfang an dabei. Zum Kaffee und den Windbeuteln hat Renate Elsholz auch die vier prall gefüllten Ordner der Chronik mitgebracht. „Hier steckt unser ganzes ‚Modis’-Leben drin. Es macht immer wieder viel Spaß, darin zu blättern“, versichert sie.

Die Initiatoren der Gruppe waren 1976 Ingrid Barwinsky und Anneliese Barten. Der Trägerbetrieb war die LPG Pflanzenproduktion Lüssow. In der Sarmstorfer Nähstube wurden die mecklenburgischen Trachten nachgearbeitet, aber für den Anfang plünderten die Frauen zu Hause ihre Schränke und die ihrer Eltern. Mode nach 1945 bis zur Gegenwart, lautete das Motto der zahlreichen Auftritte. Die Premiere erfolgte zu einer Rentnerfeier in Sarmstorf, von da aus ging es in die Welt, bis nach Rostock, Schwerin und sogar Berlin. „Auch beim 34. Pressefest der SVZ am 10. Juni 1989 waren wir dabei“, zeigt Elsholz auf den Eintrag in der Chronik. In der Halle am Fernsehturm traten die „Modis“ mit Künstlern des chinesischen Staatszirkus sowie mit den Stars Walter Plathe, Zsuzsa Koncz und Achim Mentzel auf. „Aber wir haben uns gut geschlagen und auch viel Beifall bekommen“, erzählt die Chronistin.

Zahlreiche Auftritte in den Dörfern der Region stehen zu Buche und oft mussten die Models unter schwierigen Umständen die Garderobe wechseln. „Einmal haben wir uns in einem Raum umgezogen, in dem lauter leckere Torten für die anschließende Feier standen“, erinnert sich Marianne Marquardt. Ihr Mann Willi begleitet die Gruppe musikalisch. Auf dem Akkordeon spielt er das Mecklenburg-Lied oder den FDJ-Klassiker „Bau auf, bau auf!“ Wichtig sind die Improvisationen zwischen den einzelnen, von Käte Harms moderierten Auftritten. „Vor allem auf dem Land sind die Wege zwischen Garderobe und Auftrittsort manchmal lang“, schmunzelt Marquardt.

Beim Kaffeetrinken im Gemeindehaus gehen die Blicke häufig zu Ursula Preuß, Tochter von „Modis“-Initiatorin Ingrid Barwinsky und mit 56 Jahren das „Kücken“ in der Runde. Wenn es ihr gelänge, jüngere Mitstreiter für die Gruppe zu finden… „Wir würden sie ja auch alle mit Rat und Tat unterstützen“, versichert Renate Elsholz.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen