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Pflegesozialplanung : Zukunft der Pflege auf 300 Seiten

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Landkreis legt Pflegesozialplanung vor: Diskussion startet in Ausschüssen des Kreistages.

von
erstellt am 18.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Selbstbestimmt und zu Hause möchten die meisten Menschen auch im hohen Alter leben. Welche Voraussetzungen dafür gegeben sind und was zu tun ist, um möglichst vielen Menschen diesen Wunsch erfüllen zu können, darauf soll die Pflegesozialplanung für den Landkreis Rostock Antworten geben. Die Mitglieder des Ausschusses für Familie, Senioren, Soziales und Gesundheit waren am Montagabend die ersten, die in die Materie eintauchten. Nach der Diskussion in weiteren Ausschüssen beschließt der Kreistag über die Pflegesozialplanung.

Um es vorweg zu nehmen, es gibt keinen Anlass zur Panik. Während noch bis 2020 die Zahl der über 80-Jährigen im Landkreis wächst, ist bereits ein kontinuierlicher Rückgang in der Gruppe der 75- bis 79-Jährigen zu beobachten, der sich bis 2025 fortsetzt. Ins höhere Alter kommen die geburtenschwachen Jahrgänge von Mitte/Ende der 1940er-Jahre. Hat sich zwischen 1999 und 2015 die Zahl der Leistungsempfänger im Bereich der Pflegeversicherung verdoppelt, so ist in den Jahren bis 2025 lediglich ein Anstieg von zehn Prozent zu erwarten.

Pflege zur Hälfte Familienangelegenheit


300 Seiten füllt die Planung. Hinzu kommt ein umfangreicher Anhang, allein die Auswertung der Bürgerbefragung ist auf 50 Seiten! „Viel Papier“, stellte Ausschussmitglied Rudolf Kalina (SPD) fest und fragte den Vortragenden, wie er denn die Bereitschaft einschätze, dass die Handlungsempfehlungen auch umgesetzt werden. Eine solche Einschätzung wagte Christian Rindsfüßer vom Institut für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik (SAGS) Augsburg, das im Auftrag des Landkreises den Pflegesozialplan erstellte, nicht. „Schon im Finanzausschuss denkt man anders als im Sozialausschuss“, meint der Statistiker. Doch habe er in den vergangenen Monaten die Überzeugung gewonnen, dass es ein Bewusstsein dafür gibt, dass das Thema Pflege ein zentraler Bereich ist, der in Zukunft mehr Engagement verlangt.

Zurück zu den Zahlen: Etwa die Hälfte der pflegebedürftigen Menschen wird in der Familie betreut. Die stationäre Versorgung sei schon jetzt leicht rückläufig – von rund 32 auf 25 Prozent. Das übrige Viertel wird durch die ambulante Pflege abgedeckt. Ambulant vor stationär – dieser Vorsatz greife bereits, betont Rindsfüßer. Der Statistiker errechnet bei der Heimbetreuung für die nächsten Jahre einen Zuwachs von 14 Prozent. 2015 wurden 2700 Menschen im Landkreis in Heimen betreut, 2025 könnten es 3068 sein. „Wenn ambulante Angebote mehr noch als derzeit greifen, kann die Zuwachs geringer ausfallen“, so Rindsfüßer.

Hauptdörfer der Gemeinden im Fokus


Die Empfehlungen: Sie erfassen alle Bereiche mit Belang für ein langes und selbstbestimmtes Leben: Wohnen, Betreuung/Pflege, Barrierefreiheit/Mobilität, gesellschaftliche Teilhabe usw. so liest man im Pflegesozialplan von einem gesteigerten Bedarf an altersgerechten und bezahlbaren Wohnangeboten auf dem Lande. Rindsfüßer rückt die Hauptdörfer der Gemeinden in den Fokus. Verstärkt müssten Beratungen zum altersgerechten Umbau von Eigenheimen und deren Finanzierung angeboten werden. Ärzte müssten motiviert werden, sich auf dem Land niederzulassen. Pflegenden Angehörige sollten mehr Unterstützung erhalten. Hier nennt Rindsfüßer sowohl Schulungen als auch Möglichkeiten der Entlastung, z.B. durch die Bereitstellung von Kurzzeitpflegeplätzen in stationären Einrichtungen.

Stationären Einrichtungen wird empfohlen, sich gegebenenfalls auf besondere Zielgruppen auszurichten (z.B. Suchtkranke). Der Pflegeberuf müsse aufgewertet werden. Es braucht barrierefreie Bushaltestellen, Hol- und Bringedienste, um öffentliche Veranstaltungen erreichen zu können, Kümmerer vor Ort, Seniorenbeiräte. Die Kommunen sollten ihre Straßen und Gehwege auf Begehbarkeit überprüfen. An ausreichend öffentliche Toiletten sei ebenso zu denken wie an Bänke. Und, und, und. Angesprochen sind alle Ebenen von der großen Politik bis zu den Kommunen – jedem weisen die Empfehlungen Aufgaben zu. Örtliche Konzepte in den Kommunen hält Christian Rindsfüßer für wünschenswert.

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