Kleinstes Storchenjunges in Strenz totgebissen : Zu wenig Futter für vier Jungstörche

<strong>Neben</strong> den drei Jungstörchen im Vordergrund liegt ein totes Tier auf dem Horst in Strenz<fotos>BErnhard Kolepke</fotos>
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Neben den drei Jungstörchen im Vordergrund liegt ein totes Tier auf dem Horst in StrenzBErnhard Kolepke

Die Freude in Strenz war groß, als in diesem Jahr wieder einmal Junge im Nest saßen. Vier Stück an der Zahl. Doch die Futtersuche erwieß sich als schwierig. Die Strenzer versuchten sich als Fütterer. Leider ohne Erfolg.

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19. Juli 2012, 08:10 Uhr

Strenz | Immer weniger Brutpaare, immer weniger Jungstörche - diese Schlagzeile bestimmt seit einigen Jahren die Berichterstattung über die Adebare. Da nimmt es nicht wunder, dass die Freude in Strenz groß war, als in diesem Jahr wieder einmal Junge auf dem Horst geschlüpft waren. "Und dann waren es gleich vier", erzählt Bernhard Kolepke, der seit vielen Jahren immer ein Auge auf die Störche hat und mit seinen Beobachtungen die Arbeit des Storchenbeauftragen in der Region Güstrow unterstützt. Doch die Altstörche hatten augenscheinlich Probleme Futter für alle vier heranzuschaffen. Die Strenzer versuchten sich als Fütterer. Leider ohne Erfolg. Obendrein ist noch eines der Jungen inzwischen tot.

"Wir sahen, dass die Altstörche schon viel zu früh gemeinsam auf Futtersuche gingen und die Jungen allein im Nest zurückblieben", berichtet Bernhard Kolepke. Aus der Sorge heraus sei die Idee geboren, die Störche bei der Fütterung zu unterstützen, schließlich hatte man schon einmal erlebt, dass drei Junge verendeten. Das wollte man nicht noch einmal mit ansehen müssen. Aber wie sollte man das Nest in zehn Metern Höhe erreichen? Ein Arbeitskollege und begeisterter Angler, Gerhard Kroll, half. Er warf seine Angelsehne übers Nest. So bekam man mit Umlenkrolle schließlich eine Konstruktion zu Stande, mit deren Hilfe man klein geschnittenes Rindfleisch nach oben transportieren konnte. "Den Tipp hatten wir aus dem Natur- und Umweltpark erhalten", erzählt Bernhard Kolepke. Leider hätten die Störche die Leckerbissen nicht angenommen. Obendrein war bei Nestumbauarbeiten das Seil verklemmt. Man habe sich etwas anderes einfallen lassen. Aufgeben wollten die Strenzer noch nicht. Diesmal halfen die Nachbarn Johann und Christian Bellan. "Nun gab es tiefgekühlte Sardellen, aber auch die wurden verschmäht", bedauert Bernhard Kolepke. Man gab schließlich doch auf und musste dann noch sehen, dass die drei kräftigeren Jungstörche das kleinste Tier derart bissen, dass es Anfang der Woche verendete. Den Altstörchen sei es nicht gelungen, das tote Tier aus dem Nest zu werfen. Wieder wollte man helfen. Bernhard Kolepke wandte sich schließlich an das Schädlingsbekämpfungsunternehmen Brodowski. Drei Stunden später stand eine mobile Hebebühne neben dem Nest. "Kostenlos", bedankt sich Bernhard Kolepke. Aber als das tote Tier aus dem Nest genommen wurde, segelte eines der Jungtiere vor Schreck davon. "Er hatte zum ersten Mal das Nest verlassen", sagt Bernhard Kolepke. Stundenlang habe man nach dem Tier gesucht. "Am Abend war es wieder da - und am nächsten Morgen stand es wieder auf dem Nest", stellt der Strenzer erleichtert fest.

Futternot bei Störchen vielerorts beobachtet

"Es herrscht Futternot", sagt Reinhard Schaugstat. An verschiedenen Orten in der Region Güstrow sei beobachtet worden, dass die Störche bis zu fünf Stunden auf Futtersuche waren. Er selbst habe ein Tier beobachtet, das eine Stunde lang über ein abgeerntetes Getreidefeld bei Karow watete und nichts fand. Da sei es sehr schwierig vier Jungstörche zu ernähren. Der Storchenbeauftragte bangte mit den Strenzern, lobt ihr Engagement, weiß aber, dass Fütterungen in freier Natur nicht funktionieren. "Das geht nur in Gefangenschaft", sagt Reinhard Schaugstat. Das kleinste Jungtier sei am Ende Opfer der Situation gewesen. "Das ist die Natur. Die Tiere haben Hunger", erklärt der Storchenbeauftragte. Er ist seit Tagen in seinem "Revier" unterwegs und zählt Störche. Mit einer abschließenden Bilanz kann er noch nicht aufwarten. Sein erster Eindruck sei aber, dass es südlich von Güstrow ganz schlecht aussehe. Dort gebe es nur sehr wenige Brutpaare. Deutlich besser sei die Situation nördlich der Kreisstadt. Bei einer seiner Touren am vergangenen Wochenende habe er 18 Junge gezählt.

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