Goldberger Viertel in Güstrow : Zu viel Verkehr stört die Wohnqualität

<fettakgl>Gernot Erbahn sammelte</fettakgl> in der Weinbergstraße die Unterschriften und versprach Montag unerbittlich weiter für eine bessere Situation im Goldberger Viertel zu kämpfen.
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Gernot Erbahn sammelte in der Weinbergstraße die Unterschriften und versprach Montag unerbittlich weiter für eine bessere Situation im Goldberger Viertel zu kämpfen.

Bis zu 45 Prozent Durchgangsverkehr, in vielen Straßen Schlagloch an Schlagloch: Das Goldberger Viertel in Güstrow krankt an der Verkehrssituation. Nun wartet der Bürgermeister mit einem Maßnahmepaket auf.

svz.de von
19. März 2013, 07:48 Uhr

Güstrow | 30 bis 45 Prozent Durchgangsverkehr und in vielen Straßen Schlagloch an Schlagloch: Das attraktive Goldberger Viertel in Güstrow krankt an der Verkehrssituation. Da sagt selbst Bürgermeister Arne Schuldt: "Das ist viel zu viel und die falsche Funktion für die Straßen." Vor allem wegen dieser seit Jahren anhaltenden Kritik lud er am Montagabend Einwohner ein. Er und seine Verwaltung warteten dazu mit einer Statistik von Verkehrszählungen an 18 Stellen auf, die 2010 und Ende Februar 2013 gemacht wurden (siehe Stichwort). Sie ergab u.a. den hohen Wert für den Durchgangsverkehr.

Bürgermeister Schuldt betonte vor den Einwohnern, wie ernst die Stadtverwaltung die Kritik der Bürger nimmt. Daher wartete er mit einem Maßnahmepaket auf. Im Fokus steht besonders die Weinbergstraße, aber auch die Gu tower Straße, die Bürgermeister-Dahse-Straße und der Fischerweg sind die Sorgenkinder. Dazu gehört als erstes bei wärmeren Temperaturen das Flicken der Schlaglöcher. Danach soll wie in unserer Zeitung berichtet das Auftragen einer dünnen Asphaltschicht in der Weinbergstraße vom Kreisverkehr bis zur Einmündung Dahsestraße/Voßstraße erfolgen.

Bürgermeister Arne Schuldt lud zur Einwohnerversammlung

Eine Forderung der Bürgerinitiative soll erfüllt werden, indem eine Rechts-vor Links-Regelung in der Weinbergstraße eingeführt wird. Hoffnung für eine Entkrampfung des Verkehrs in dieser Straße verbreitet der Bürgermeister mit dem Ausbau der Rostocker Chaussee und einer dann funktionierenden "Grünen Welle"vom Ortseingang Rostock bis zum Ortsausgang Richtung Goldberg.

Auch wenn sich Schuldt um Transparenz mühte, wehte ihm Gegenwind von Gernot Erbahn um die Nase. Erbahn, der seit 1943 in der Weinbergstraße lebt, kündigte im März vor drei Jahren auf einer Versammlung die Gründung einer Bürgerinitiative an. Die arbeitet inzwischen und initiierte im Herbst 2012 (wir berichteten) eine Unterschriftenaktion in der Gutower-, Weinberg- und Dahsestraße und im Fischerweg. 117 Bürger forderten eine bessere Verkehrslösung. Erbahn brachte es so auf den Punkt: "Was Sie vorschlagen, Herr Bürgermeister, reicht nicht, ist zu wenig." Er fordert eine Einbahnstraßenregelung, und zwar von der Pustekowstraße bis zur Bistede, wenigstens erst einmal als Versuch. Bürgermeister Schuldt erklärte, das zu prüfen.

Keinen Konsens gab es bei den Themen Tempo-30-Zone - von Hans-Joachim Zent im Fischerweg gefordert - und Fußgängerüberwege. Hier stehen Gesetze und Richtlinien Wünschen entgegen. Zu diskutieren seien, so Jörg Hemesath vom Ordnungsamt, aber Querungshilfen, Fahrbahneinengungen oder Aufpflasterungen. Die fordert Krause. Außerdem schlug er vor, größeren Fahrzeugen den Durchgangsverkehr zu verbieten. Eine Möglichkeit im Fischerweg könnte eine Streckengeschwindigkeit von 30 km/h sein. Beim Thema 30 km/h verwies der Bürgermeister auf eine EU-weite Initiative, nach der in allen Orten künftig 30 km/h gelten sollen. Dafür werden 15 Millionen Unterschriften benötigt…

Günter Vetter, der in der Plauer Straße ein Haus hat, regte sich auf, dass "Privates nicht geschützt wird". Durch den Verkehr und die schlechte Qualität der Straße würden die teuer sanierten Häuser Schaden nehmen, immer mehr Risse seien zu beseitigen und alle fünf Jahre müsse er eine durch den Verkehr verdreckte Fassade malern. Vetter: "Das ist aber unser Geld, was verloren geht." Er nannte als Beispiel die Straßenreinigung, bei der oft nicht die Leistung erbracht wird, die bezahlt ist. Folge: Schlamm von der Straße spritzt bis auf die Fassade… Hemesath erklärte, dass der Schaden in der Plauer, wo 30 km/h gelten, behoben wird. Schuldt ergänzte: "Außerdem werden wir dort eine Verkehrsinsel bauen, um den Verkehr zu beruhigen."

Ungeklärt bleibt die Parksituation im Viertel durch Mitarbeiter und Studenten der Verwaltungsfachhochschule, angesprochen von Burkhard Krause. Nach Aussagen von Verwaltungsleiter Winfried Kulow werden dort in nächster Zeit keine Parkplätze gebaut. Allein die Fachhochschule, informierte er gestern auf SVZ-Nachfrage, habe einen Bedarf von 880 Parkplätzen, könne aber nur 527 vorhalten. Kulow: "Daher ist auch die Situation auf unserem Gelände unbefriedigend."

Keine guten Aussichten gibt es für das Ex-Säuglingsheim, das dem Land gehört, in der Goldberger Straße. Kulow bestätigte, dass es Überlegungen gegeben habe, dort Seminarräume für die Verwaltungsfachhochschule einzurichten. Das sei aber nicht weiter verfolgt worden.

Bürgermeister Schuldt versprach alle Hinweise zu beachten und sie in den Fachämtern zu beraten. Gleichzeitig verwies er auf die Stadtvertretung und Beschlüsse zur Verkehrssituation im Goldberger Viertel.

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