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Güstrower Anzeiger

17. Dezember 2017 | 22:40 Uhr

Tour durch Deutschland : Zu Fuß in die Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Berliner geht zu Fuß bis an den Bodensee und verbringt seinen Urlaub nach der anstrengenden Tour in Güstrow

Klemens Nowak macht gerade mit seiner Familie Urlaub in Güstrow. Der Berliner sucht Entspannung, hat er gerade 29 Tage voller Strapazen hinter sich. Der 18-Jährige ist von Berlin aus zu Fuß an den Bodensee gewandert. Und das ohne dabei auch nur einen eizigen Cent auszugeben.

„Ich habe dieses Jahr mein Abitur gemacht und hatte schon lange die Idee, eine längere Tour zu unternehmen“, sagt er. „Ich suchte die Herausforderung, wollte meinen Lebensweg beeinflussen und sehen, ob ich mich psychisch verändere.“ So setzte er seine Idee in die Tat um und plante als Route den Weg von Berlin bis an den Bodensee durch. „Als ich merkte, dass die ganzen Übernachtungen unterwegs viel zu teuer sein würden, entschloss ich mich, es ganz ohne Geld durchzuziehen“, erzählt Nowak. Eine Firma sponsorte eine Funktionshose und ein T-Shirt.

Er packte Zelt, Essen und viel Wasser in seinen Rucksack. Auch wichtige Telefonnummern hatte er dabei. Dann ging die Reise los. „Ich hatte zur Sicherheit Notgeld dabei, das habe ich aber einfach ausgeblendet und auf dem ganzen Weg nicht angebrochen“ sagt er stolz. „Ich bin ganz normal losgelaufen, doch irgendwann kamen mir die ersten Gedanken. Wo soll ich schlafen? Woher bekomme ich Essen und Trinken? Ich war sehr verunsichert.“ Doch irgendwie klappte es. Er wanderte zwischen 20 und 30 Kilometern am Tag und übernachtete unter anderem bei Professoren, Tierärzten, Rentnern und Arbeitslosen. „Ich habe mir immer ein Limit bis 16 Uhr gesetzt. Bis dahin wollte ich wissen, wo ich schlafe. Ich sprach Leute in Gärten oder auf der Straße an. Das hat meistens gut funktioniert“, sagt Nowak. „Ich habe auch mal im Stall oder in einem Pavillion in einem Freibad geschlafen. Vier mal übernachtete ich in Klöstern.“


Jeden Tag neue Leute kennen gelernt


Schon nach vier Tagen hatte er sich Blasen gelaufen. An einigen Stellen waren seine Füße blutig gescheuert. „Ich musste lernen, mit diesem Leiden umzugehen. Zum Glück schenkte mir jemand ein altes Fahrrad. Damit konnte ich dann einige Kilometer zurücklegen, ohne meine Füße zu sehr zu belasten. Ich verschenkte das Rad dann schnell weiter.“

„Es war sehr interessant, jeden Tag neue Leute kennen zu lernen, aber auch anstrengend. Ich hörte tolle Geschichten. Doch jeden Tag meine eigene Geschichte zu erzählen, nervte irgendwann ein wenig“, beschreibt Klemens Nowak. Insgesamt wertet er die Reise als positives Erlebnis. „Ein Musiker in Rothenburg ob der Tauber lud mich ein, wir tranken teuren Weißwein und ich bekam eine Stadtführung. Die Begegnung mit Menschen, Kultur und Natur war sehr lehrreich. Viele hätten mit ihm über Veränderungen im Lebensalltag diskutiert.

Am Bodensee angekommen, musste er vor Freude heulen. „Es war so schön, es geschafft zu haben“, erklärt er. Erst für die Rückfahrt von Lindau nach Berlin brauchte er Geld. Unterwegs hatte er sogar noch 75 Euro verdient – Rasenmähen und Hilfe bei einem Dorffest. „Ich hatte immer genug zu essen. Fleischereien und Bäckereien luden mich ein. Auch bei Privatleuten aß ich. Das war kulinarisch sehr interessant“, erzählt Klemens Nowak.


Berufliche Zukunft in der Landwirtschaft


Am Ende habe er die erhoffte Orientierung für sein Leben gefunden. Auch beruflich konnte er sich ausrichten und sieht nun eine Zukunft im Handwerk oder in der Landwirtschaft. Erst einmal plant er ein Praktikum in einer Schäferei oder einem Landwirtschaftsbetrieb.

Nach dieser anstrengenden Reise wurde es Zeit für einen entspannten Urlaub. Einige Tage legte Klemens Nowak die Beine unter mecklenburgischer Sonne oder bei Regen hoch. Dann erkundete er Güstrows Sehenswürdigkeiten: Schloss, Dom, Pfarrkirche usw.

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