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Güstrower Anzeiger

23. Oktober 2017 | 12:03 Uhr

Güstrow : „Zocken kann zur Sucht werden“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Die virtuelle Welt ist bei Jugendlichen beliebt, doch dies kann auch zur Gefahr werden, weiß Psychologin Ute Bremer aus Güstrow

Mit dem Begriff „Zocken“ hat man früher eigentlich das Spielen von Glücksspielen gemeint, heute versteht man unter diesem Wort aber etwas anderes. Viele Jugendliche verbringen einen großen Teil ihrer Freizeit vor dem Computer oder der Spielekonsole und spielen virtuelle Spiele – das heißt, sie „Zocken“. Das können entweder Spiele sein, in denen man sich eine eigene Welt aufbaut oder sich um Tiere kümmern muss, oft handelt es sich aber auch um sogenannte „Ego-Shooter“, bei denen man in verschiedene Charaktere schlüpfen und gegen virtuelle Gegner kämpfen kann.

„Auswirkungen von solchen Spielen können beispielsweise Aggressionen sein. Zu den positiven Effekten gehört zum Beispiel, dass es möglich ist, sich vom Stress abzulenken“, erklärt Ute Bremer, Psychologin für Kinder und Jugendliche. Die Anzahl der negativen Folgen sei aber weitaus größer: „Bei vielen Jugendlichen wird das Zocken an elektronischen Geräten zur Sucht und sie haben keine Zeitkontrolle mehr im Bezug auf Beginn und Dauer des Spielens“. Außerdem können die Beziehungen und sozialen Kontakte darunter leiden, ebenfalls werden oft die anderen Hobbys vernachlässigt, so Ute Bremer weiter. „Die Gefahr dabei ist, dass man trotzdem weiter spielt, obwohl man um die negativen Konsequenzen weiß. In der Schule werden bei vielen Spielern die Leistungen schlechter“, gibt die Expertin zu bedenken. „Die Jugendlichen verspüren ein ständiges Verlangen, ihre Spiele zu spielen. Es gab auch schon Beispiele, bei denen die Spieler dann irgendwann verwahrlost vor dem Computer saßen“, fügt Bremer hinzu.

Besonders gefährlich seien auch Spiele, bei denen man in verschiedene Charaktere schlüpfen kann und Aufgaben erfüllen muss. „Bei Entzug leiden viele Jugendliche unter Schlafstörungen“, ergänzt sie. Ute Bremer lebt und arbeitet seit März dieses Jahres in Güstrow und ist aus privaten Gründen von Nordrhein-Westfalen nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen. Auch Timo Böttcher liebt das „Zocken“. Der Neuntklässler besucht das Güstrower John-Brinckman-Gymnasium und spielt nach eigenen Angaben täglich den amerikanischen Ego-Shooter „Call of Duty“. Der Spieler übernimmt darin üblicherweise die Rolle eines Soldaten in einem Kriegsszenario. Doch Timo Böttcher geht noch einen Schritt weiter. In seiner Freizeit lädt der Neuntklässler unter dem Pseudonym „RoYal BeasTriX“ sogenannte „Let’s play“-Videos im Internet hoch. Im bekannten Videoportal Youtube zeigt er anderen Spielbegeisterten, wie er selbst zockt.

„Ich spiele an der Playstation. Oft zocke ich auch mit Freunden zusammen, für mich ist es eine Ablenkung vom täglichen Stress“, erzählt Timo Böttcher. „Zocken“ ist für den Brinckman-Schüler das Spielen am Computer oder Spielekonsolen, wie der Playstation oder der X-Box.

Wibke Görs besucht ebenfalls das John-Brinckman-Gymnasium in Güstrow: „Ich spiele manchmal mit meinem älteren Bruder zusammen. Zocken ist für mich das Spielen von virtuellen Spielen an Konsolen oder am Computer“. Am liebsten spielt die Schülerin Fantasy-Spiele wie „Assassins Creed“ oder Sport- und Tanzspiele. „Ich mag auch ,Minecraft‘ oder ,Fifa‘“, sagt Wibke Görs. „Ballerspiele“, wie sie Mitschüler Timo Böttcher spielt, in denen man seinen Gegner töten muss, hätten in ihren Augen keinen Nutzen. „Vielleicht hilft es einigen ja beim Abbauen von Aggressionen. Meiner Ansicht nach ist es aber nur in Ordnung, wenn man noch zwischen der Realität und der Spielwelt unterscheiden kann“, resümiert Wibke Görs.


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