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Kinderschutz : Ziel: nie wieder ein Fall Lea-Marie

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Heute zweiter Fachtag des Netzwerkes „Frühe Hilfen und Kinderschutz“ im Landkreis Rostock

von
erstellt am 01.Okt.2014 | 06:00 Uhr

„Kinderschutz geht alle an“ ist ein zweiter Fachtag des Netzwerkes „Frühe Hilfen und Kinderschutz“ heute in der KMG-Bildungsakademie in Güstrow überschrieben. Rund 130 Fachleute aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe sowie dem Gesundheitswesen werden erwartet. Hintergrund ist die Bundesinitiative „Frühe Hilfen“. Angesichts erschütternder Fälle von Kindesmisshandlungen orientiert die Bundesinitiative auf ein frühzeitiges Erkennen von möglichen Gefahren für Kinder. Dass das Problem ganz nah ist, beweist der Fall Lea-Marie aus Teterow, der vor Jahren die Öffentlichkeit schockierte. Das Mädchen war jahrelang mit Lösungsmitteln und Säurereinigern durch seine Mutter misshandelt worden.

„Ein Fachmann hat einmal gesagt: ,Wir verschlafen so oft den Anfang’,“ erinnert sich Dörte Podratz. Die Mitarbeiterin des Jugendamtes und Netzwerkkoordinatorin „Frühe Hilfen“ im Landkreis Rostock formuliert als großes Ziel, dass es einen Fall Lea-Marie nie wieder geben soll. Deshalb gehe es im Netzwerk „Frühe Hilfen und Kinderschutz“ darum, gemeinsam für Problemlagen sensibilisiert zu sein. „Alle, die mit Kindern zu tun haben , tragen Verantwortung“, betont Podratz. Im Landkreis sei man auf gutem Wege. „Wir haben auch zwei Kinderärtze und eine Gynäkologin mit im Boot. Das ist toll und nicht überall so“, erklärt die Koordinatorin. Die Zusammenarbeit sei freiwillig. Partner beim präventiven Kinderschutz seien neben Ärzten und Hebammen, Erzieherinnen in Kindertagesstätten, Mitarbeiter von Beratungsstellen usw.; Menschen, die oft näher an Eltern mit kleinen Kindern sind als das Jugendamt. „Wir haben Rückmeldungen, dass die Zusammenarbeit schon viel besser geworden sei“, berichtet die Netzwerkkoordinatorin zufrieden.


Kleine Probleme lösen, bevor es große werden


Es gehe darum wach zu sein und zu wissen, wie in bestimmten Situationen gehandelt werden kann, wo welche Hilfen angeboten werden, wie ein kleines Problem gelöst werden kann, bevor es zu einem großen wird. Dazu sei es wichtig, alle Angebote im Landkreis zu kennen und mehr dafür zu tun, dass sie auch genutzt werden. Die Koordinatorin nennt als Beispiele zwei Familienhebammen, die Mütter/Familien von der 9. Schwangerschaftswoche bis zum Ende des ersten Lebensjahres des Kindes begleiten, und das Wellcome-Projekt. Dieses bietet Familien nach der Geburt eines Kindes praktische Hilfe an. Hinzu kämen Projekte aus dem Bereich „Frühe Hilfen“, wie sie beispielsweise das Awo-Familienzentrum in der Güstrower Südstadt anbietet. Hier startete vor drei Wochen das Projekt „Familie und Nachbarschaft – gute Laune im Familienalltag“. Es geht darum, den Zusammenhalt in der Familie und in der Nachbarschaft zu stärken.

Seit gut einem Jahr sei man im Landkreis dabei entsprechend den Vorgaben aus dem Bundeskinderschutzgesetz, dass seit 2012 gilt, zu agieren. Drei regionale Netzwerke gibt es inzwischen im Landkreis, ein weiteres – das im Raum Teterow – komme zum Ende dieses Monats hinzu, informiert Podratz. Nach einer Auftaktveranstaltung im vergangenen Jahr gab es im Frühjahr einen ersten Fachtag. Heute spricht ein Rechtsmediziner über das Erkennen von Kindesmisshandlungen und -vernachlässigungen und rechtliche Vorgehensweisen. Weiter geht es um die gemeinsame Verantwortung für die Kinder in Kommunen. Außerdem kommen die beiden Familienhebammen zu Wort.

Parallel dazu arbeitet der Landkreis an einem Kinderschutz-Konzept, das Erkenntnisse aus der Netzwerkarbeit „Frühe Hilfen und Kinderschutz“ mit aufnimmt, informiert die Koordinatorin.


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