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Güstrower Anzeiger

24. November 2017 | 21:38 Uhr

Hirtorisches : Zeugen Jehovas gegen Hitler

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Vor 80 Jahren protestierten die Zeugen Jehovas in Güstrow gegen das Hitlerregime / Sondergericht verurteilte Hauptverantwortliche

Am 7. Oktober jährte sich zum 80. Mal eine mutige Aktion religiösen Widerstands gegen das Hitlerregime. Zeugen Jehovas im Deutschen Reich und viele ihrer Gemeinden im Ausland versammelten sich und schickten ein Telegramm bzw. einen Brief an die Hitlerregierung. Der Text der Telegramme aus dem Ausland lautete: „Ihre schlechte Behandlung der Zeugen Jehovas empört alle guten Menschen und entehrt Gottes Namen. Hören Sie auf, Jehovas Zeugen weiterhin zu verfolgen, sonst wird Gott Sie und Ihre nationale Partei vernichten.“ 20 000 Telegramme aus aller Welt brachten Hitler zum Toben.


Güstrower ließen sich nicht einschüchtern


Die Güstrower Gemeinde der Zeugen Jehovas, die damals stärkste in Mecklenburg, ließ sich durch das Verbot der Nazis nicht einschüchtern. Die Gläubigen trafen sich am 7. Oktober 1934 im kleinen Kreis gleichzeitig in vier verschiedenen Privatwohnungen. Ein Brief, der sie ermuntern sollte, sich von dem Hitlerregime nicht gleichschalten zu lassen, wurde vorgelesen. Dann besprach man Bibelstellen, die die Überzeugung der Anwesenden stärkten. Schließlich wurde einem Protestbrief an die Hitlerregierung zugestimmt. Darin hieß es: „Es besteht ein direkter Widerspruch zwischen Ihrem Gesetz und Gottes Gesetz. Wir folgen dem Rat der treuen Apostel und ‚müssen Gott mehr gehorchen als den Menschen’, und das werden wir auch tun. Daher teilen wir Ihnen mit, daß wir um jeden Preis Gottes Gebote befolgen, daß wir uns versammeln werden, um sein Wort zu erforschen, und daß wir ihn anbeten und ihm dienen werden, wie er geboten hat. Wenn Ihre Regierung oder Ihre Regierungsbeamten uns Gewalt antun, weil wir Gott gehorchen, so wird unser Blut auf Ihrem Haupte sein, und Sie werden Gott, dem Allmächtigen, Rechenschaft ablegen müssen.“

In Mecklenburg wurde nachweislich auch aus Wismar, Grevesmühlen und Bad Doberan an diesem Tag gegen die Vorgehensweise der Hitlerregierung protestiert. Teilnehmerzahl und Organisation der Güstrower Aktion waren jedoch herausragend. Hitler selbst schrie nach dem Erhalt der Proteste jedenfalls wutentbrannt: „Diese Brut wird aus Deutschland ausgerottet.“ Und so verstärkte sich die Verfolgung. In Mecklenburg waren etwa 70 Verhaftungen die Antwort auf die Protestaktion.

Am 13. Mai 1935 standen die vier Hauptverantwortlichen der Güstrower Gruppe, Joseph Mayer, Friedrich Ahrens, Wilhelm Lange und Helmuth Quooß vor dem Schweriner Sondergericht. Zusammen mit fünf weiteren angeklagten Zeugen Jehovas verweigerten sie zu Beginn der Verhandlung die Erwiderung des Hitlergrußes. Die Güstrower erhielten eine viermonatige Gefängnisstrafe, die sie in der Strafanstalt Dreibergen-Bützow verbrachten.


KZ und Todesmarsch überlebt


Das war aber erst der Beginn dessen, was Jehovas Zeugen in Güstrow erleiden mussten. Wilhelm Lange, der in Güstrow ein Reformhaus hatte, stand 1937 wieder vor dem Sondergericht. Nach dreieinhalb Jahren Gefängnis kehrte er nicht nach Hause zurück, sondern kam in das KZ Sachsenhausen. Im April 1945 überlebte er den berüchtigten Todesmarsch.

Der Kaufmann Friedrich Ahrens wurde von der Gestapo im September 1936 erneut in Schutzhaft genommen. Das überlebte der 46-jährige nur wenige Tage. Helmuth Quooß wurde 1942 erneut verurteilt. Ihm war verbotener Umgang mit Kriegsgefangenen vorgeworfen wurden. Kurz nach Kriegsende verstarb er. Alois Gasteiger, von Beruf Elektriker, starb im Januar 1942 wieder freigelassen an den Haftfolgen. Erna Mauch blieb nach ihrer Verurteilung 1937 bis zum Kriegsende in den Gefängnissen und Konzentrationslagern der Nazis. Weitere verfolgte Zeugen Jehovas ließen sich anführen.



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