Bürgerbeauftragter widmet sich Problemen in Güstrow : Zerschlagung bewährter Frühförderung droht

Matthias Crone, Bürgerbeauftragter des Landes Mecklenburg-Vorpommern, spricht sich mit der Juristin Kirsten Kugele, Referentin für Sozialangelegenheiten, ab. <foto>Christian Menzel</foto>
Matthias Crone, Bürgerbeauftragter des Landes Mecklenburg-Vorpommern, spricht sich mit der Juristin Kirsten Kugele, Referentin für Sozialangelegenheiten, ab. Christian Menzel

Mit der Kreisgebietsreform wurden Aufgaben, die vorher das Land wahrgenommen hat, an Kommunen und Landkreise delegiert. Konsequenz in Güstrow: Es herrscht Verwirrung darüber, wer für Schule und Kita verantwortlich ist.

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21. Juni 2012, 12:14 Uhr

Güstrow | Gleich bei seinem ersten Besuch in Güstrow wurde der Bürgerbeauftragte des Landes, Matthias Crone, mit einem schwerwiegenden Problem konfrontiert. Vom Schulelternrat des Landesförderzentrums mit dem Förderschwerpunkt "Hören" in Güstrow erreichte Crone ein Hilferuf. "Es geht darum, dass dem in den Jahren gewachsenen Hilfssystem der interdisziplinären Vernetzung die Zerschlagung durch einen Trägerwechsel droht", sagt Crone. Hintergrund ist das mit der Kreisgebietsreform in Kraft getretene Aufgabenzuordnungsgesetz.

Es regelt, dass das Land bisher von ihm wahrgenommene Aufgaben an die Kommunen delegiert. Wie der Wechsel der Trägerschaft des Landesförderzentrums vom Land zum Landkreis. "Das Problem besteht darin, dass laut Gesetz lediglich die Schule und das Internat vom Kreis übernommen werden, jedoch nicht der Kindergarten, die zentrale mobile Frühförderung und die Eltern-Kind-Kurse", erläutert Andrea Bommhardt, Vorsitzende des Schulelternrates. Gegenwärtig werden im Land zirka 100 Kinder von der Geburt bis zur Einschulung über die zentrale mobile Frühförderung durch Fachpersonal betreut. Die Verunsicherung durch die Eltern ist groß, da der Trägerwechsel zum 1. August, dem Beginn des neuen Schuljahres, vollzogen werden soll. "Der Landkreis müsste künftig auch die Frühförderung der Kinder mit Hörschädigung über freie Träger absichern", sagt Bommhardt. Schon jetzt sind die Konsequenzen absehbar: die hörspezifische Frühförderung entfällt, da hier speziell geschultes Fachpersonal nicht zur Verfügung steht, Kinder mit Hörschädigungen erhalten erst ab ihrer Einschulung eine ihrer Behinderung adäquate Förderung. Dann jedoch sei eine Förderung des Hörvermögens auf Grund der abgeschlossenen neurophysiologischen Vorgänge viel zu spät, sagt die Vorsitzende. "Das Neugeborenen-Hör-Screening wird weiter durchgeführt. Ärzte diagnostizieren weiter Hörschädigungen. Die Eltern erhalten die Diagnose und werden mit ihren Problemen allein gelassen", fällt Andrea Bommhardt eine düstere Prognose.

Matthias Crone notiert sich alles sorgfältig. "Auch aus der Landesförderschule mit dem Förderschwerpunkt "Sehen" in Neukloster und der Landesschule für Körperbehinderte in Neubrandenburg haben mich Petitionen mit ähnlichem Inhalt erreicht", sagt er.

Zum Team des Bürgerbeauftragten gehören zwölf Mitarbeiter, davon sechs Juristen und zwei Experten aus dem Sozialbereich. Für sie hat Matthias Crone viel Arbeit aus Güstrow mitgebracht. Crone, in der Stichwahl um den Posten des Landrats dem SPD-Bewerber Thomas Leuchert im vergangenen Jahr unterlegen, ist seit 1. März Bürgerbeauftragter des Landes Mecklenburg-Vorpommern. "Wenn ich im Landkreis Rostock unterwegs bin, ob zu Sprechstunden oder zu Ortsterminen, sprechen mich nicht wenige Leute an, weil sie mich noch vom Wahlkampf kennen. Das ist dann immer ein angenehmes Wiedersehen", sagt er.

Der Tag in Güstrow war randvoll gefüllt. Neben Bürgern, die ihr Anliegen vortrugen, empfing der Beauftragte auch Vertreter von Behindertenverbänden oder Selbsthilfegruppen. Auch ein Gespräch mit dem Landrat stand im Terminkalender. "Im Petitions- und Bürgerbeauftragtengesetz ist als Schwerpunkt meiner Arbeit der Auftrag zur sozialen Unterstützung und der Beratung von Menschen mit Behinderungen vorgesehen", sagt Crone.

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