Im Ruhestand : Zeit für Kunst, Kultur…

Christian Dobslaw, 19 Jahre Leiter der Kreisvolkshochschule, gewöhnt sich an den Ruhestand

svz.de von
26. Dezember 2013, 16:04 Uhr

„Wenn es zu Ende ist, ist es zu Ende“, sagt Christian Dobslaw und denkt, dass 42 Arbeitsjahre genug sind. Er gewöhnt sich grade an den Ruhestand, den er mit 65 Jahren und zwei Monaten mit Dezemberbeginn antrat. Der nun ehemalige Leiter der Kreisvolkshochschule Güstrow hat so viele Interessen, das keine Langeweile droht. U.a. hat er sich der gebürtige Güstrow schon vor einiger Zeit zum Stadtführer ausbilden lassen. Gästen seine Stadt zeigen, darauf freut er sich. Aber auch bei Barlach und bei Goethe möchte er sich mehr als bisher einbringen.

Als Keramiker hat er sich schon im Barlach’schen Stil geübt. Die Figuren zieren das Eingangszimmer des typischen und doch sehr individuellen Forsthauses, das Dobslaws in Gülzow bauten. An den Wänden ist die Vorliebe für Kunst, die Christian Dobslaw mit seiner Frau Sabine teilt, unübersehbar: unzählige Bilder, Zeichnungen, Radierungen. Gesammelt werden vorwiegend regionale Künstler. Dobslaw nennt Herbert Eichhorn, Karl-Werner Ziesnitz, Werner Schinko, Manfried Scheithauer und Jochen Gläser, ein Lebensvorbild, wie er sagt. Mit dem Sammeln sei es allerdings vorbei. „Es ist kein Platz mehr“, verrät Dobslaw und schmunzelt. Kunst, Kultur und Gesellschaft waren immer seine Interessengebiete. Aber zu DDR-Zeiten Kulturwissenschaften studieren – so ein Gedanke sei damals mit Kopfschütteln bedacht worden. Und so wurde Christian Dobslaw – in Güstrow geboren und aufgewachsen – Lehrer für Chemie und Biologie, unterrichtete in Schwaan und in Bützow. „Einfach war es nicht, aus der Volksbildung wieder herauszukommen“, erinnert er sich. Danach wollte er sich bei Winkelhausen bewerben. „Es hätte sicher geklappt, aber es war gerade eine Destillateurin eingestellt worden“, erzählt er. Auf dem Rückweg nach Gülzow wurde er auf die Milchwirtschaftsschule aufmerksam und bekam dort eine Anstellung. Elf Jahre Berufsschule seien auch eine schöne Zeit gewesen.


Dezernent und Mitglied des Kreistages


Die spannendste in seinem bisherigen Leben aber war sicher die Wende. „Wir waren im Dom und bei den Demonstrationen dabei“, berichtet der heute 65-Jährige. Dobslaws waren Mitglied im Neuen Forum. Als das sich auflöste wechselte Christian Dobslaw zur SPD. Er wurde Dezernent für Kultur und Bildung in der Kreisverwaltung und war gleichzeitig Kreistagsmitglied. Damals sei das noch gegangen. „Sicher habe ich auch manchem wehgetan“, denkt Dobslaw heute. „Möge man mir meine Naivität nachsehen“, fügt der hinzu. Nicht alles sei glatt gelaufen. Als sich mit der Kreisgebietsreform 1994 auch die Möglichkeit des Umstiegs in die Kreisvolkshochschule bot, packte er zu. „Für die Menschen da sein, die Bildungsanspruch haben – und die gab und gibt es in Güstrow –, das ist eine schöne Aufgabe“, sagt Christian Dobslaw. Oft sei er abends zufrieden durch das Volkshochschulgebäude gegangen und habe bei den Kursen oder Vorträgen reingeschaut. Gern habe er das in Güstrow auch nach der Abwicklung der Pädagogische Hochschule nach wie vor vorhandene Fachwissen genutzt. Ein ausgeprägtes Vortragswesen sei eine der Besonderheiten der Güstrower Kreisvolkshochschule, denkt er. Um die 400 dürften es in seiner Zeit gewesen sein. Manche hätten einiges Aufsehen erregt. Er denkt an Vorträge zu den Artamanen und zur Russenzeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Güstrow. Auch politische Bildung war ihm immer wichtig. Den Parteien müsste eine aktive Bürgergesellschaft zur Seite stehen, meint Dobslaw. Einer Zuschauer-Demokratie könne er nur wenig abgewinnen. Am Herzen lagen ihm auch Ausstellungen in der Kreisvolkshochschule. Jetzt wird ihm vermutlich mehr Zeit bleiben Ausstellungen anderswo zu besuchen mit den zwei Kindern und einem Enkel mehr Zeit zu verbringen.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen