Lebenshilfe Güstrow : Zehn Jahre in neuem Zuhause

Lebenshilfe-Gerschäftsführerin Dagmar Kluge (r.) mit Frank Trampler, der im Güstrower Ebereschenweg ein Zuhause hat, mit seiner Mutter Elisabeth Trampler
Lebenshilfe-Gerschäftsführerin Dagmar Kluge (r.) mit Frank Trampler, der im Güstrower Ebereschenweg ein Zuhause hat, mit seiner Mutter Elisabeth Trampler

Lebenshilfe Güstrow errichtete 2005 ein Wohnheim im Ebereschenweg / Verein bereits seit 25 Jahren in Barlachstadt aktiv

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18. September 2015, 06:00 Uhr

27 Männer und Frauen haben vor genau zehn Jahren im Ebereschenweg 5 ein neues Zuhause gefunden. Der Güstrower Verein Lebenshilfe hatte dort ein neues Domizil für Menschen mit Behinderung errichtet. Kürzlich wurde das zehnjährige Bestehen des Hauses gefeiert. Gleichzeitig begeht die Lebenshilfe in der Barlachstadt in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen.


Verein hilft Menschen mit Handicap


Einer der Bewohner ist Frank Trampler. Seine Mutter Elisabeth ist Gründungsmitglied der Lebenshilfe. Die Zustände damals mit ihrem behinderten Sohn hatte sie die Initiative ergreifen lassen. „Er war gerade mal 27 Jahre alt und wurde in ein Altersheim gesteckt“, erzählt sie. Oft habe sie ihn nach Hause geholt, doch die Situation sei unzumutbar gewesen. Täglich habe er Menschen sterben sehen. „Da musste etwas geschehen“, hatte nicht nur sie sich gesagt. Weitere Mitstreiter hatten sich mit ihr zusammen getan und Möglichkeiten durchdacht. 1990 war es so weit: Der Verein wurde gegründet. Schon ein Jahr später waren der integrative Kindergarten „Anne Frank“ und die Schule für geistig behinderte Kinder im Aufbau. Und auch für Frank Trampler fand sich ein besserer Platz als im Altersheim. Das Wohnheim in der Niklotstraße 56 wurde in Trägerschaft der Lebenshilfe geführt und Frank Trampler zog ein. „Doch dann reichten die Räume nicht aus, es gab keine Räume und kaum Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung“, sagt Dagmar Kluge. So folgte 2005 das Wohnheim im Ebereschenweg. Lebenshilfe-Geschäftsführerin Kluge ist seit der Gründung des Vereins dabei, leitete lange eine integrative Kindereinrichtung.

Bis heute hat sich das Leistungsspektrum der Lebenshilfe enorm vergrößert. Neben zwei vollstationären Wohnheimen für Menschen mit Handicap, eines in Krakow am See und eines in Güstrow, werden vier integrative und eine Regel-Kindertagesstätte geführt. In Projekten unterstützt der Verein Familien mit behinderten Kindern – das läuft unter dem Dach des Familienentlastenden Dienstes. Außerdem werden 36 Klienten ambulant betreut. Sie leben in ihren Wohnungen und bekommen für die Bereiche Hilfe, die sie nicht allein bewältigen können.

Für viele Menschen mit einer Behinderung ist ein Heim wie im Ebereschenweg eine gute Lösung. „Nicht für alle kommt ein ambulant betreutes Wohnen in Frage“, sagt Wohnstättenleiterin Ulrike Hemp. Aber in den zehn Jahren sei schon so mancher in die eigene Häuslichkeit weiter gezogen, nur noch vier Bewohner gibt es, die von Anfang an hier ihr Zuhause fanden. Im Haus werden die Männer und Frauen in drei Wohngruppen von je zwei Mitarbeitern angeleitet, den Haushalt, die Freizeit und die täglichen Arbeiten zu leisten. „Alle gehen einer Arbeit in den Werkstätten nach“, so Ulrike Hemp. Die Freizeit werde gemeinsam gestaltet, selbstständige Bewohner würden auch allein Unternehmungen starten.


„Schöner kann man gar nicht wohnen“


In den zehn Jahren hat sich im Leben von Menschen mit geistiger Behinderung viel getan. „Das Selbstverständnis ist anders und auch die Selbstständigkeit wesentlich größer geworden“, sagt Ulrike Hemp. Viele könnten ihre Vorstellung vom Leben deutlich kundtun. Für die Bewohner tut dies Bärbel Gertz (54) als gewählte Vertreterin. Sie nimmt ihre Aufgabe ernst und ist begeistert vom Wohnen auf dem Distelberg. „Schöner könnte man gar nicht wohnen“, sagt sie.

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Lebenshilfe wurde schon eine Fahrt nach Berlin organisiert, am 27. September ist ein Sportfest und schließlich ein Rückblick mit ehemaligen Mitgliedern geplant.  

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