Weltenbummler : Zehn Jahre durch die Welt

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Güstrower Jörg Zielke reiste auf allen Kontinenten / Heute entwirft er erfolgreich Möbel in Russland

svz.de von
18. Juli 2014, 06:00 Uhr

Über diese Geschichte könnte man ein ganzes Buch schreiben: Vor zwölf Jahren hat Jörg Zielke aus Güstrow die Nase voll. Von allem. Er kauft sich ein Motorrad, ein Zelt und einen Gaskocher. Eines morgens im Mai setzt er sich auf seine Maschine und fährt los. Ohne Ziel. Er erreicht die Alpen, schlägt irgendwo sein Zelt auf. Am nächsten Tag fährt er weiter, einfach drauf los. „Ich wollte meinen Traum leben, hatte schon immer dieses Fernweh und zu DDR-Zeiten war es schwierig mit dem Reisen.“ sagt der 47-Jährige. Es verschlägt ihn in alle Ecken Europas, in den Kaukasus und schließlich sogar nach Murmansk im hohen sibirischen Norden. „Ich bin einfach immer weiter gefahren, wenn das Geld knapp wurde, nahm ich Gelegenheitsjobs an, um Sprit und Essen zu kaufen“, beschreibt Zielke seinen Aufbruch in die Welt.



Bei Gewitter auf Ozean in Lebensgefahr




Drei Jahre wollte er unterwegs sein und die Welt sehen. Als er nach vier Jahren immer noch unterwegs ist, setzt er einen Schlusspunkt. Doch nur kurz. Er macht sich wieder auf den Weg. Diesmal als Reisender mit dem Rucksack. Früh merkt er, dass er ohne die englische Sprache Probleme haben wird, also geht er nach England. „Nach ein paar Monaten konnte ich Englisch“, sagt Zielke. Er trampte durch Südamerika, Australien und Asien, landete schließlich in Afrika. Zielke: „Ich war nie länger als fünf Monate in einem Land.“ In Belize macht Zielke seinen Tauchschein, mit dem er Gruppen führen durfte, wird Felsenkletterer und wohnt einige Zeitan einem Vulkansee in Guatemala in einem Hippiedorf.

Es gab Ärger mit korrupten Polizisten. In der Türkei erlebt er an der Grenze zum Iran eine Schießerei, als er nachts in seinem Zelt liegt. „Das Schlimmste, was ich erlebt habe, war auf einem Ausflug in Belize. Wir waren gerade auf dem Ozean unterwegs, als urplötzlich ein Gewitter aufzog und ein Blitz ins Boot einschlug. Armaturen zersprangen, der Motor setzte aus und das Schrecklichste: Viele der Pasagiere hatte es erwischt. Den bewusstlosen Kapitän konnten wir retten, einen anderen trotz Wiederbelebungsmaßnahmen nicht. Um Hilfe zu holen schwamm ich 400 Meter zur nächsten Insel, es blitzte und donnerte um mich herum. Nach einer Stunde kam dann endlich ein Hubschrauber“, beschreibt Zielke den vielleicht dramatischsten Moment seiner Reisen.

Ein weiteres, für ihn persönlich einschneidendes Ereignis, gab es beim Skifahren. „Ich brach mir neun Knochen. Ärzte sagten mir, ich könne nie wieder laufen. Ich aber setzte mir das Ziel, ein Jahr später in Argentinien wieder Ski zu fahren. Es funktionierte und die Ärzte waren fassungslos. Es findet vieles im Kopf statt. Wenn man etwas wirklich will, klappt es auch“, ist der Güstrower überzeugt.

In die Heimat zurück kommt Zielke hin und wieder auch. Zum Beispiel, als er auf dem Weg nach Norwegen in Güstrow einen Stopp einlegt. „Das Fernweh ging irgendwann aber zu Ende. Das Reisen war immer das Gleiche. Nach zehn Jahren von einem Land ins andere wiederholt sich alles“, sagt er. „Am Anfang war es eine Sucht. Es verändert dein Wesen, du sammelst so viele Erfahrungen.“



Die Reise endet in Russland




Beim Skifahren in Österreich vor zwei Jahren lernt Zielke schließlich eine Russin kennen, verliebt sich. Gemeinsam gehen sie nach Moskau. Ständige Verlängerungen des Visums und die Widrigkeiten der Jobsuche in einem fremden Land bringen den Deutschen in Zugzwang. Ihm kommt eine Idee. „Ich hatte mal einen sehr interessanten Stuhl in Dänemark gesehen. Ich dachte mir, ich baue auch solche Stühle und verkaufe sie in Russland.“ Ein Freund aus Deutschland hilft ihm. Er reist nach Indien, um seltene Schnüre zu besorgen, kauft sich ein Schweißgerät, bringt sich alles selbst bei. Die ersten zehn Stühle gehen kaputt. Er versucht es weiter, bis es funktioniert. Er entwirft einen Tisch, der ihm einen internationalen Preis einbringt.

Mit seinen Möbeln schafft er es ins russische Fernsehen und in die internationale Presse. Sie werden in London auf einer Messe ausgestelltdemnächst sind sie auch auf einer Ausstellung in Mailand zu sehen – der Designer Jörg Zielke ist geboren.



Niederlassung in Güstrow geplant




Um sich auf dem europäischen Markt besser präsentieren zu können, plant Zielke, eine Niederlassung in Güstrow zu eröffnen. Dabei erhält er Hilfe von befreundeten Güstrowern, die auch mit Ideen zur Seite stehen. Schon beim Aufbau seiner Firma in Russland standen ihm Unternehmen aus der Barlachstadt zur Seite.

„Die deutsche Qualität ist in Russland sehr angesehen. Wir benutzen als einzige Firma auf der Welt TPU Kunststoff. Anders als PVC enthält der keine Weichmacher“, erklärt der Unternehmer einen weiteren Aspekt seines Konzepts. „Bei dem Projekt hatte ich alles auf eine Karte gesetzt. Ich hatte noch 200 Euro übrig, doch dann kamen viele Bestellungen.“ Die Firma Narddecor führt heute seine Freundin. Die will er im nächsten Jahr heiraten. Jörg Zielke, dann 48, ist angekommen.

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