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Pflege im alter : Zahl der jüngeren Alten steigt zunächst rasant

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Landkreis erarbeitet integrierte Pflegesozialplanung / Erster Baustein im Sozialausschuss vorgestellt

von
erstellt am 29.Jul.2015 | 06:00 Uhr

Der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung wächst. Wie überall in Deutschland ist das auch im Landkreis Rostock so. Immer mehr Menschen bedürfen in Zukunft der Pflege. Darauf muss man sich einstellen. Eine integrierte Pflegesozialplanung wird deshalb im Landkreis erarbeitet. Eine Analyse des Ist-Zustandes verbunden mit eher noch allgemeinen Handlungsempfehlungen liegt jetzt vor und wurde den Mitglieder des Ausschusses für Familie, Senioren, Soziales und Gesundheit auf ihrer Sitzung am Montagabend vorgestellt.

Dr. Wolfram Pfeiffer vom Zentrum für regionale Strategien, eine Art Institut an der Uni Greifswald, umriss kurz die Problemfelder. Herausgearbeitet wurde, dass im Landkreis Rostock zunächst die Zahl der jüngeren Alten (65 bis 74 Jahre) bis 2020/25 deutlich zunehmen wird, ab 2025 dann die Zahl der Hochälteren (85+). Dagegen werde sich das familiäre Pflegepotenzial (25 bis 64-Jährige) verringern. Also müsse über alternative Pflege nachgedacht werden, so Pfeiffer. Als dritte Säule nennt er eine zunehmende Konzentration der älteren Menschen im ländlichen Raum. Perspektivisch würden Angebote von der Kurzzeitpflege bis zur Tagespflege vermehrt auch im ländlichen Raum benötigt werden. Nicht jeder könne in die Städte ziehen, wie das seit Jahren zu beobachten sei.

Und mit den drei Problemfeldern sei es nicht getan. Daneben sei die steigende Zahl demenzkranker Menschen zu beachten. Auch die Pflegedienste nahmen die Mitstreiter im Zentrum für regionale Strategien unter die Lupe. Viele Beschäftigte der Dienste würden in zehn Jahren der Rente entgegensehen. Junge Leute seien aber nur schwer für pflegende Berufe zu begeistern. Auch ein Blick auf die Qualifikationsstruktur der Pflegedienstmitarbeiter erfüllt Pfeiffer mit Sorge. Probleme über Probleme, denen die Ausschussmitglieder Matthias Kohlstedt und Christine Dubberke weitere hinzufügen konnten – zum Beispiel Sucht im Alter.

Der Analyse folgen in einem zweiten Teil Handlungsempfehlungen. Pfeiffer nennt die Verbesserung der Pflegeprävention und somit eine Verringerung des Pflegebedarfs. Und schon war man in der Diskussion bei Reha-Maßnahmen für ältere Menschen, auf die künftig mehr als bisher gesetzt werden müsste. Die Schaffung pflegefreundlicher Sozialräume und die Entwicklung neuer Pflegearrangements benannte Pfeiffer ebenso wie eine Individualisierung und Öffnung der stationären Pflege und die Etablierung eines Pflegeforums im Landkreis.

Heide-Marie Lübbert, die die Folgen des demografischen Wandels durchaus schon verinnerlicht hat, ist mit immer neuen Analysen nicht zufrieden. „Was muss jetzt konkret getan werden“, wollte die Teterowerin, die als sachkundige Einwohnerin im Sozialausschuss arbeitet, wissen. Zunächst, so antwortete Monika Mätsch, brauche man die Analyse. „Was gibt es, was fehlt, was wird gebraucht?“, formuliert die Sozialamtsleiterin. In einem zweiten Schritt müssten die Handlungsempfehlungen konkretisiert und ein zeitlicher Rahmen gesetzt werden. Dazu werde der Landkreis ein weiteres Projekt ausschreiben, kündigt die Amtsleiterin an.

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