Recknitz-Renaturierung : Zähes Ringen um jeden Hektar

Einen naturnahen Fluss stellt man sich anders vor. Kein Baum und kein Strauch steht an den Ufern der Recknitz zwischen Liessow und Laage. Links und rechts des Flüsschens erstrecken sich Wiesen.
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Einen naturnahen Fluss stellt man sich anders vor. Kein Baum und kein Strauch steht an den Ufern der Recknitz zwischen Liessow und Laage. Links und rechts des Flüsschens erstrecken sich Wiesen.

Kompromisssuche zwischen Landwirtschaft und Natur: Renaturierung der Recknitz zwischen Laage und Liessow lässt auf sich warten

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12. März 2014, 06:00 Uhr

Auf einen 3,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen Liessow und Laage soll die Recknitz in einen naturnahen Zustand zurückversetzt werden. In der Vergangenheit war der Fluss auf diesem Abschnitt – und nicht nur dort – massiv begradigt und ausgebaut worden, um bessere Bedingungen für die Landwirtschaft bieten zu können. Jetzt heißt es zurück zur Natur. So schnell aber geht es nicht. Noch laufen die Verhandlungen mit den Flächeneigentümern. 2016 aber soll alles fertig sein

Schon seit Ende 2011 stehen rund 2,2 Millionen Euro Fördermittel von der EU und vom Land für das Projekt zur Verfügung. Frühere Planungen waren davon ausgegangen, dass Ende dieses Jahres das Projekt realisiert sein sollte. Doch: „Gute Planung braucht Zeit“, sagt Romuald Bittl, Leiter der Abteilung Integrierte ländliche Entwicklung im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu). Die Interessen der Landwirte stehen denen des Naturschutzes an der Stelle gegenüber. Ohne Kompromisse gehe es nicht. Der Fluss soll wieder einen mehr meandernden Verlauf bekommen. Und schon streite man über einen dafür notwendigen Korridor von einem oder nur einem halben Kilometer. „Erst einmal sind immer alle von einer Renaturierung begeistert, aber wenn es konkret wird, wird es auch schwierig“, stellt Stalu-Leiter Hans-Joachim Meyer fest und macht dabei die derzeit sehr hohen Bodenpreise als ein gewichtiges Problem aus. Über ein Flurbereinigungsverfahren versuche man einen Flächentausch hinzubekommen. „Im Wesentlichen aber müssen wir entschädigen“, informiert Bittl.


35 Hektar Land für Renaturierung nötig


Ziel des Projektes ist es, die ökologische Durchgängigkeit der Recknitz wieder herzustellen. Mit dem Eingriff in das Gewässer sollen bessere Voraussetzungen für das Ansiedeln einer vielfältigen Tierwelt geschaffen werden. Dahinter stehen die Forderungen aus der europäischen Wasser-Rahmenrichtlinie. Erreichen müsse man einen guten bis sehr guten ökologischen Zustandes der Recknitz. Untersuchungen aus dem Jahr 2007 bescheinigen dem Flüsschen die Güteklasse 4 (von fünf möglichen Klassen).

Konkret geht es u.a. um den Rückbau des Wehres Kronskamp, Veränderungen des Flussverlaufes auf einer Strecke von 4,7 Kilometern und die Ausweisung eines nutzungsfreien Korridors entlang der Recknitz, wo sich die Natur wieder entwickeln darf. Dabei, so informiert Bittl, könne man davon ausgehen, dass zunächst Brennnessel wachsen werden. Dem werden Wildstauden folgen. Am Ende könnte die Palette vom Auenwald bis zur offenen Landschaft, die beispielsweise Zugvögel bevorzugen, entstehen. Im Zuge der Recknitz-Renaturierung ist auch eine Neutrassierung des Pludderbachs auf einer Länge von 1,2 Kilometern vorgesehen. Auch an diesem Gewässer soll es künftig einen nutzungsfreien Korridor geben. Bittl geht von voraussichtlichen Kosten von rund 2,9 Millionen Euro aus. Reine Baukosten werden mit 1,7 Millionen Euro angegeben. Um alle geplanten Vorhaben umsetzen zu können, werden 35 Hektar Land benötigt.


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