Stadtsanierung Güstrow : Wohnen unter altem Wappen

Restaurator Detlef Krohn bei den letzten Pinselstrichen an der Wappentafel
Foto:
Restaurator Detlef Krohn bei den letzten Pinselstrichen an der Wappentafel

Wappentafel der Familie Schauenburg am Domplatz wieder wie neu sichtbar.

von
10. August 2016, 05:00 Uhr

Endgültige Gestalt nimmt die historische Wappentafel an der Fassade des Hauses Domplatz 15 in diesen Tagen an. Seit dem Spätherbst vergangenen Jahres hatte Restaurator Detlef Krohn an diesem schönen Schmuck zu tun. Nach der Untersuchung des Wappens auf seinen Zustand und seiner wissenschaftlichen Bewertung musste der praktische Teil der Arbeit immer wieder unterbrochen werden. Alte Farbschichten waren abzutragen, lose Stellen mit speziellem Festigungsmaterial wieder aufzubauen. Schritt für Schritt wurde in feinster Arbeit neuer Mörtel aufgetragen, um alte, fast schon verschwundene Strukturen wieder herauszustellen. Das alles brauchte Zeit zum Austrocknen, auch hafte die Farbe auf zu frischem Untergrund nicht besonders gut, erklärt Krohn.

Das neue alte Wappen sollte ja doch noch in Jahrzehnten gemessen in frischen Farben erstrahlen. Zu vergessen nicht das Wetter, das stimmen musste, wenn der Restaurator sein Gerüst zur Arbeit aufstellen wollte. Und: Nicht für jedes Detail lohnte der Aufwand, hier und da war der Ursprung des Wappens auch nicht mehr eindeutig auszumachen, konnte altes Relief nicht mehr vollständig aufleben. Doch das Ergebnis, das je nach Witterung diese Woche oder auch wieder erst mit Verzögerung zu erleben sein wird, kann sich schon jetzt sehen lassen. Die Geduld, oft genug gefragt bei solch einem Objekt, hat sich gelohnt.

Nach Krohns Untersuchungen lässt sich die Herkunft der Wappentafel in das 18. Jahrhundert einordnen. Ein kleiner Schriftzug weist die Jahreszahl 1747 auf. „Davon ausgehend sowie von der bildhauerischen Qualität ist die Tafel aus denkmalpflegerischer Sicht wertvoll und unbedingt erhaltenswert“, bewertete der Carpiner seinen Arbeitsgegenstand, bevor er sich an die praktische Arbeit machte.

Aus sieben nachweisbaren alten Schichten entschied sich der Diplom-Restaurator schließlich für die dritte, die eine mehrfarbige gewesen ist und ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert stammt. In dieser Woche konnte Detlef Krohn die Vollendung des Werkes in Angriff nehmen. Mit blauer, roter, gelber und weißer Farbe auf grauem Grund gestaltet er die Wappen von „Johan Georg Schauenburg“ (links) und „Anna Dorothea Schauenburgen“ – so beschreiben die originalen Schriftbänder die Namen der früheren Eigentümer – neu.

Die Fassade des prägnanten Eckhauses am Güstrower Domplatz ist damit komplett wieder hergestellt. Derweil werde der Innenausbau noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, lässt der Eigentümer wissen. Schließlich sollen auch im Gebäude zahlreiche historische Details in der Substanz erhalten bleiben bzw. aufgegriffen werden, wird versichert. „Modernes Wohnen in historischem Gemäuer“ laute die Formel für die drei Wohnungen, die neu entstehen. Wenn alles nach Plan läuft, wären die Räume ab dem nächsten Jahr zur Wiedervermietung vorgesehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen