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Asylproblematik : Wohin mit Flüchtlingskindern?

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Landkreis Rostock muss unbegleitete Minderjährige aus Krisengebieten aufnehmen / Verhandlungen zur Unterbringung beginnen

von
erstellt am 21.Mai.2015 | 06:00 Uhr

Kurze Verschnaufpause für den Landkreis Rostock: Der Kreis muss jetzt doch nicht wie befürchtet schon ab dem Sommer unbegleitete Flüchtlingskinder aufnehmen und unterbringen (SVZ berichtete). „Es ist noch nicht 100-prozentig klar, wie das Bundesgesetz zur Verteilung dieser Kinder und Jugendlichen aussehen wird“, sagt Rainer Boldt, 2. Beigeordneter des Landrats. Dass diese Neuregelung aber kommt, ist klar. Boldt geht davon aus, dass der Landkreis ab dem 1. Januar 2016 unbegleitete Flüchtlingskinder aus Kriegs- und Krisengebieten unterbringen muss.

Mit dem neuen Gesetz sollen die minderjährigen Flüchtlinge künftig nach einer Quotenregelung auf die Bundesländer verteilt werden, also so, wie es schon mit den erwachsenen Asylbewerbern gehandhabt wird. Bisher verbleiben die Flüchtlingskinder in der Zuständigkeit derjenigen Jugendämter, wo sie sich erstmals melden. „Das ist meistens in Bayern oder an den internationalen Flughäfen in Deutschland der Fall“, erläutert Boldt.

Der Landkreis bereitet sich bereits intensiv auf die Aufnahme dieser Minderjährigen vor. In den vergangenen Wochen habe es dazu mehrere Gespräche mit der Landesregierung gegeben, so Boldt. Alle Jugendamtsleiter aus MV wollen sich zudem noch vor der Sommerpause Anfang Juni zu der Problematik austauschen. „Nach jetziger Prognose werden wir jedes Jahr ca. 25 unbegleitete Kinder und Jugendliche zugewiesen bekommen, die im Landkreis untergebracht werden müssen“, sagt Boldt. Auf das Jugendamt des Landkreises komme damit eine Menge Arbeit zu. Eine weitere Frage sei bisher immer noch unbeantwortet, merkt Boldt bei dieser Problematik an: „Wer macht die Altersfeststellung bei diesen Flüchtlingen?“ Es gebe oftmals Zweifel, ob es sich um Minderjährige handele oder nicht. Viele hätten keinen Pass. „Und was der Jugendliche angibt, muss nicht stimmen“, sagt Boldt.

Eine brennende Frage ist auch, wo die unbegleiteten Minderjährigen untergebracht werden sollen. „Wir werden jetzt freie Träger anfragen und auffordern, uns Angebote zur Unterbringung zu machen“, kündigt Boldt an. Denn schließlich müssten die Minderjährigen „in Obhut genommen werden“. Der Kreis bereite die Verhandlungen mit diversen Wohlfahrtsverbänden gerade vor. Die Unterbringung müsse in Heimen oder bei Pflegeeltern erfolgen. „Vielleicht können die Jugendlichen ja auch selbstständig wohnen. Das muss dann vor Ort entschieden werden“, sagt Boldt.

Unterdessen leben zurzeit 1318 Asylbewerber im Landkreis Rostock. Monatlich erwartet der Kreis 85 neue Flüchtlinge, die untergebracht werden müssen. „Deshalb sind wir weiter auf der Suche nach zentralen und dezentralen Unterkünften“, so Boldt. Vor kurzem wurde ein zentrales Flüchtlingsheim in Jördenstorf eröffnet. Eine weitere zentrale Asylbewerberunterkunft sei aber in absehbarer Zeit nicht vorgesehen.  

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