zur Navigation springen

Min lütt dörp : Wo Waschbären Pflaumen pflücken

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Lähnwitz ist ein idyllischer Ort am See mit einem Wohnhaus und einem Ferienhaus

von
erstellt am 12.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Tiefe Furchen und viele Pfützen machen den Weg von Garden nach Lähnwitz ein bisschen abenteuerlich. Der ganz vorsichtige Autofahrer hätte wohl aufgegeben und kehrt gemacht, aber letztlich kommt man doch an. Rechts ein Fachwerkhaus, geradezu das ehemalige Forsthaus, zur Linken ein für Veranstaltungen umgebauter ehemaliger Schafstall – viel mehr gibt es in Lähnwitz nicht. „Wir nehmen immer den Weg durch den Wald, der ist besser. Man muss am Ende beim Zeltplatz in Garden nur durch eine riesige Pfütze“, sagt Gerlind Sender (74). Sie lebt seit 1984 in Lähnwitz.


Bedingung: grenzenlose Liebe zur Natur


Es als lütt Dörp zu bezeichnen ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber die Ansiedlung am See hat durchaus Geschichte und eignet sich als Ausgangspunkt zur Erkundung einer landschaftliche sehr reizvollen Umgebung. Das Forstamt Güstrow gestaltete hier vor Jahren gemeinsam mit dem Naturpark Sternberger Seenland einen Lehrpfad. Er führt vorbei an an alten Kulturorten, z.B. Grabstätten, und Zeugnissen der früheren Besiedlung des Gebietes und macht auf forstwirtschaftliche Elemente, die den Wald prägen, aufmerksam. Gerlind Sender kennt sie alle. „Mit dem Rad zum Steintanz, nach Ruchow, Lenzen oder Rothen – das sind wunderbare Strecken, landschaftliche sehr reizvoll und besonders im Frühlich zur Rapsblüte empfehlenswert“, sagt die 74-Jährige, die Bewegung an frischer Luft ganz besonders schätzt. Man müsse schon ein ganz besonderer Naturfreund sein, um in Lähnwitz leben zu wollen, gesteht sie. Man müsse einen Blick für die kleinen Wunder der Natur haben, fügt sie hinzu und erzählt von den Stellen, an denen sie Pilze sucht und die sie nie verraten würde, vom Adler und von den Waschbären. Letztere hätten in letzter Zeit schon überhandgenommen. Pflaumen und Kirschen würden sie besonders mögen. „Ich habe einmal zwei Waschbären auf einem Pflaumenbaum beobachtet. Unterm Baum saß der Fuchs und schnappte sich, was herunter fiel“, schildert Gerlind Sender eine Begebenheit. Mit der Natur und den Tieren zu leben bedeute aber auch z.B. auf Hühner zu verzichten. Irgendwann habe man aufgegeben, weil mindestens die Hälfte Füchsen oder Raubvögeln zum Opfer fiel.

In Lähnwitz sei man nicht aus der Welt. Natürlich benötige man ein Auto, obwohl Gerlind Sender möglichst das Fahrrad nimmt. Für eine Familie mit Kinder sei es aber eher nichts, schränkt sie ein.

Gerlind Sender und ihre Mann waren 1984 nach Lähnwitz gekommen. Sie zogen in die Hausmeisterwohnung und arbeiteten im Schulungs- und Erholungsobjekt der Pädagogischen Hochschule Güstrow. Anfang der 1990er-Jahre sei das Objekt an die Forst zurückgegangen. Dann und wann würde es die Forst für Veranstaltungen nutzen, ansonsten sei das Ferienhaus bei Urlaubern sehr beliebt.


Ziegelei des Klosters Dobbertin


Auf einer Tafel vor dem Anwesen ist zu lesen, dass es etwa seit 1660 dort eine Ziegelei des Klosters Dobbertin gegeben haben muss. Diese soll bis in die 1830er-Jahre betrieben worden sein. Hinweise auf diese Nutzung habe man bei Bauarbeiten um 1980 entdeckt. An Stelle der Ziegelei war später ein Forsthaus mit zwei Waldarbeiterwohnungen errichtet worden. Der Weg, der an dem Haus vorbeiführt dürfte Teil eines historischen Wegenetzes gewesen sein. Ob er einst von Bedeutung für den überregionalen Verkehr war, bleibt unklar. An den Gabelungen befinden sich noch heute historische Wegweisersteine.

Für Gerlind Sender ist Lähnwitz Zuhause. Die große Familie – fünf Kinder, 13 Enkel und fünf Urenkel – käme gern zum Entspannen und zum Feiern. Dafür sei es ein idealer Ort, sagt die 74-Jährige, die in Garden aufwuchs und dort noch in die Schule – alle Klassen in einem Raum – gegangen war. Viele Jahre lebte sie in Lohmen, war Köchin bei der LPG. So lange es irgend möglich ist, will sie im Haus am See bleiben. In der Stadt würde sie sich wohl nicht wirklich wohlfühlen, gesteht sie. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen