Grabschändung : Wo sind Annas Schmetterlinge?

Annas Grab auf dem Bützower Friedhof. Es ist ein Ort für die Angehörigen, mit dem Verlust umzugehen und mit der Verstorbenen verbunden zu sein.
Annas Grab auf dem Bützower Friedhof. Es ist ein Ort für die Angehörigen, mit dem Verlust umzugehen und mit der Verstorbenen verbunden zu sein.

Immer wieder verschwinden auf dem Bützower Friedhof Gegenstände von Gräbern. Kati Möller appelliert an das Gewissen der Menschen.

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02. Juli 2015, 04:00 Uhr

Ein Grab mit hellen Steinen eingefasst. Es stehen frische Blumen darauf. Auch kleine Figuren. In der Mitte eine Stele mit dem Foto eines lachenden Mädchens. Sie heißt Anna und hätte vor wenigen Tagen gerade ihren 17. Geburtstag gefeiert. Doch Anna wurde nur zwölf Jahre, ertrank, als sie einen achtjährigen Jungen retten wollte. Auch wenn Anna nicht mehr lebt. Für die Familie ist das fröhliche und aufgeweckte Mädchen immer noch präsent. Fast jeden Tag kommt Annas Mutter Kati Möller zu ihr ans Grab. Als sie jetzt, kurz nach Annas Geburtstag wieder zum Friedhof kam, war sie fassungslos. Unbekannte hatten Grabschmuck, einen Blumen- und Schmetterlingsstecker sowie drei kleine silberfarbene Schmetterlinge einfach mitgenommen.

„Erst war ich wütend, jetzt bin ich nur noch traurig“, sagt Kati Möller. „Eine Grabstätte ist etwas ganz persönliches und intimes, aber gleichzeitig etwas Öffentliches. Sie symbolisiert das Wesen des Verstorbenen und die Trauer der Angehörigen“, erklärt Möller. „Dieser Ort kann uns Frieden geben, im anderen Moment lässt er uns verzweifeln. Hier können wir etwas tun, haben das Gefühl, wir werden gebraucht, wir können mit Blumen, Steinen oder Mitbringseln aus dem Urlaub unsere Liebe zum Ausdruck bringen. Die Grabpflege ist eine Möglichkeit, hier mit unseren Liebsten weiterzuleben und dazu zählen auch die Verstorbenen.“

Deshalb würden Angehörige die letzte Ruhestätte ihrer Verstorbenen pflegen. Für sie sei es tröstlich, zu sehen, „dass Anna in vielen Herzen ist.“ So schmückte ein Blumenmeer Annas Grab an ihrem Geburtstag und Todestag. „Dafür allen ein Dankeschön.“ Umso enttäuschender und schmerzhafter sei es, wenn jetzt solche Dinge zerstört würden.

Das was Kati Möller erlebte, sei leider kein Einzelfall. „Es nimmt mit unterschiedlichen Tendenzen leider weiter zu“, stellt Matthias Knappe fest. Insbesondere zu bestimmten Feiertagen. „Zum Muttertag zum Beispiel verschwinden hier komplette Blumenvasen und Blumenschalen“, erzählt der Friedhofsverwalter. Erst kürzlich musste er auch feststellen, dass Pflanzen von einem Grab ausgebuddelt, die Pflanzlöcher anschließend fein säuberlich wieder geschlossen wurden. Die Pflanzen selbst seien dann auf ein anderes Grab gesetzt worden. „Das ist eine Vermutung. Wir können es nicht beweisen.“

Matthias Knappe steht dieser Entwicklung ziemlich machtlos gegenüber. „Wir können den Friedhof nicht mit Video überwachen.“ Und man wisse nicht, ob jemand, der etwas an einem Grab macht, ein Angehöriger des Verstorbenen sei.

Das weiß auch Kati Möller. Deshalb ist ihr Schritt in die Öffentlichkeit eher der Versuch, an das Gewissen der Menschen zu appellieren. „Nichts rechtfertigt die Zerstörung und die Mitnahme von fremden Eigentum, auch nicht von Gräbern. Wir wären sehr dankbar, wenn Anna ihre kleinen Geschenke anlässlich ihres 17. Geburtstags zurückbekommt.“

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