Min Lütt Dörp : Wo Nachbarschaftshilfe noch zählt…

Alexander Pohla hat für die Familie in Klein Lantow ein neues Haus gebaut.
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Alexander Pohla hat für die Familie in Klein Lantow ein neues Haus gebaut.

Klein Lantow ist ein Ortsteil von Laage / Wieder mehr Kinder im Dorf

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24. April 2015, 04:00 Uhr

Wenn Carola Lenz (48) aus die Haustür tritt, blickt sie über frisch grüne Felder, die in der Ferne von Wald gesäumt werden. „Allein schon dieser Ausblick spricht für Klein Lantow“, sagt die gebürtige Güstrowerin. Es sei ein lebenswertes kleines Dorf, meint sie. An der B 103 gelegen wird es in der Regel nur marginal wahrgenommen, denn wer nach Klein Lantow abbiegt, fährt eine Runde und landet wieder auf der Bundesstraße.

Carola Lenz mag die Ruhe und schätzt das Dorfleben. Mit ihrer Familie zog sie vor Jahren zu den Schwiegereltern. Die kommen aus Levkendorf. Als der Flugplatz gebaut werden sollten, mussten sie raus. In den so genannten Levkendorfer Block in Kronskamp wollten sie nicht ziehen, deshalb habe man ihnen ein Baugrundstück in Klein Lantow angeboten, berichtet Carola Lenz. Auch in Klein Lantow sei das Leben ein bisschen anonymer geworden, aber auf Nachbarschaftshilfe könne man sich noch immer verlassen, betont die 48-Jährige. „Wenn man mal mit dem Auto liegen bleibt oder sonst etwas ist, findet man Hilfe“, sagt auch Elfriede Schmidt (50) und fügt hinzu: „Hier kann man sich noch aufeinander verlassen.“


Wenig Alteingesessene, viele Hinzugezogene


Auf ein alten Haus sei sie nie scharf gewesen, dann aber doch mit ihrem Mann 1999 zum Schwiegervater nach Klein Lantow gezogen. „Man hat hier so viel Platz“, schwärmt die 50-Jährige. Man schaue nicht auf den Teller des Nachbarn und könne auch einfach mal die Tür hinter sich zu machen. Die Bewohner bezeichnet sie als „Mischmasch“ – nur wenig Alteingesessene, viele Hinzugezogene und wohl auch einige Städter, wie sie es formuliert. Das ehemalige Gutshaus war vor Jahren zu einem Mehrfamilienhaus umgebaut worden. „Die Mieter kommen und gehen. Manche lernt man gar nicht kennen“, erzählt Elfriede Schmidt. Ihr gefalle es in Klein Lantow. Weg wolle sie nicht wieder, obwohl nicht alles in Ordnung sei. Stille ruhe der See auf dem großen Gelände des einstigen Fensterbaubetriebes, auf dem auch noch alte Stallanlagen stehen. Obwohl eingezäunt, würden sich u.a. Füchse dort wohlfühlen. Außerdem klagt die Klein Lantowerin über einen fehlenden Radweg an der Bundesstraße. Wenigsten bis Laage sollten Radler doch eine separate Spur haben. „Kinder kann man mit dem Rad nicht nach Laage schicken“, betont Elfriede Schmidt. Sie würde sich auch mal eine Einwohnerversammlung wünschen. „Wir gehören zwar zur Stadt Laage, merken davon aber nicht wirklich etwas“, sagt die 50-Jährige.


In Klein Lantow „auf Bewährung“


Seit mehr als 50 Jahren lebt Ilse Diehr (77) in Klein Lantow. Wenn sie von ihrer Terrasse ins leicht hügelige Land schaut, fühle sie sich ein bisschen wie in Bayern, erzählt sie. Die Landwirtin hat viel in ihrem Leben gemacht, nicht alles sei gelungen. „Aber das waren andere Zeiten“, sagt sie. Ein paar Hühner hat sie auf ihrem Hof und vor allem die Schafe, die ihr sehr am Herzen liegen. Immer sei etwas zu tun. Ilse Diehr gönnt sich aber auch Zeit, schreibt plattdeutsche Geschichten und hat damit schon an Wettbewerben teilgenommen. Sie kann Gedichte aus dem Kopf aufsagen und schwört auf die tägliche Zeitungslektüre. „Das ist Denksport. Auch das tägliche Kreuzworträtsel in der SVZ gehört dazu“, berichtet sie. Sport sei für sie nach wie vor wichtig. Regelmäßig gehe sie zum Schwimmen. Aber irgendwann, so denkt sie, brauche sie wohl einen Chauffeur, um u.a. nach Laage zu kommen.

Ein Auto ist selbstverständlich in Klein Lantow. Aber alles sei in der Nähe, betont Alexander Pohla (37), der für seine Familie, als es im elterlichen Haus in Klein Lantow zu eng geworden war, ein neues Haus baute. „Ich bin hier aufgewachsen. Es ist mein Zuhause“, sagt der Vater von zwei Kindern. Apropos: Kinder gebe es wieder mehr in Lantow. Ein Aussterben drohe nicht, berichtet Alexander Pohla. Die Nähe des Flugplaztes nerve schon manchmal. Dabei würden ihn nicht die Jagdflugzeuge stören. Sie seien sehr laut, aber auch schnell wieder weg. „Nervig sind die Ausbildungsflüge – Runde für Runde“, erzählt der 37-Jährige. Kritisch betrachtet er auch die Straßenbeleuchtung im Dorf. „Eigentlich müsste sie erneuert werden, aber wir sind auch nicht scharf darauf das als Anlieger zu bezahlen“, formuliert er.

Zu seinen Nachbarn, die auch Alexander Pohla eher als Stadtmenschen bezeichnet, gehört u.a.Hans- Josef Karges (67). Er sei „auf Bewährung“ hier, erzählt der Münchner, der Industrieanlagen in aller Welt gebaut hat und sich nun nach gesundheitlichen Problem schonen müsse. Als seine Frau, eine Pathologin, in Rostock eine interessante Arbeitsstelle fand, habe man sich für Klein Lantow als Wohnort entschieden. „Die Rehe kommen hier bis auf die Terrasse und auch Hasen kann man beobachten“, berichtet Hans-Josef Karges. Und wenn er die große weite Welt vermisse, fahre er zumindest in Richtung Westen, nach Lübeck oder Hamburg.

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