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„Bützower für Gambia“ : Wo für den Arzt das Geld fehlt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Verein „Bützower für Gambia“ besteht am 24. Februar 15 Jahre / Vorsitzende Monika Thomsen berichtet über Aktivitäten 2014

von
erstellt am 19.Jan.2015 | 06:00 Uhr

Ich sitze in meiner gemütlichen Küche und lasse das Jahr 2014 Revue passieren. Ich denke an die vielen Ereignisse in Deutschland und anderen Ländern der Erde und natürlich an die Erlebnisse in „unserem“ Dorf Labakoreh in dem kleinen westafrikanischen Land Gambia. Dabei komme ich immer mehr zu der Erkenntnis: Uns geht es sehr gut und wir sollten ab und an über den großen Tellerrand schauen.

Die Förderer und Helfer unseres Vereins „Bützower für Gambia“ tun das. Nur durch die vielen Spenden und das Engagement können die 90 Kinder und 16 Jugendlichen in dem Dorf eine gute Bildung und eine Ausbildung erfahren – die Lebenssituation hat sich für viele Menschen verbessert.


Neue Beete für frisches Gemüse


Für unseren Besuch im Frühjahr 2014 hatten wir eigentlich kein größeres Projekt geplant. Doch es kam anders. Um Diebstahl vorzubeugen, musste die Mauer um den Schulhof um drei Steine erhöht werden. Ein neuer Geräteschuppen wurde gebaut und der ursprüngliche wird nun als Lagerraum für die Küche genutzt.

Die Pumpe für die Wasserversorgung wurde ausgewechselt, da die nach kurzer Zeit kaputt war. Eine Garantie wird bei Warenkauf in Gambia nicht gewährt. Die Wasserleitung ist sehr wichtig für die Absicherung der hygienischen Bedingungen an der Schule.

Wir konnten uns davon überzeugen, dass in der Schule das Händewaschen vor dem Mittag zur Gewohnheit geworden ist. Die Lehrer halten die Kinder zum Zähneputzen an. Wir hatten Zahnbürsten und Zahnpasta mitgebracht. Im März, wenn wir wieder ins kleinste Land Afrikas aufbrechen, werden wir sehen, wie die Zahnpflege angenommen wurde.

Um die Schulspeisung weiter zu verbessern, wurden mit den Kindern neue Gemüsebeete angelegt. Die größeren Kinder säten Gurken, Mohrrüben, steckten Zwiebeln und Topinambur, ein sehr schnell wachsendes Gemüse. Die Kinder pflegen täglich mit großem Eifer die Beete.

Der inzwischen ausgebildete Lehrer hat in den letzten zwei Jahren neuen Wind in „unsere“ Schule gebracht. Glücklich sind wir, dass eine junge Unterstufenlehrerin eingestellt werden konnte. So werden die Kinder nun von zwei ausgebildeten Lehrern unterrichtet. Jawara, der keine Ausbildung hat, unterrichtet die Jüngeren. Sena, die 15 Jahre Schulleiterin war, ist nun für die Organisation der Essenversorgung verantwortlich. Darüber ist sie sehr glücklich.


Fünfjährigem Jungen das Lachen geschenkt


Für die Gesundheitsstation in Labakoreh hatten uns Ärzte und Apotheker unseres Landkreises wieder Verbandsmaterial und Medikamenten überlassen. Wir fuhren mit einigen Kindern zur Behandlung in die Augenklinik und übergaben dort Brillen aus Deutschland.

Es stand auch wieder ein Arztbesuch bei Dr. Emanuel mit unserer Ramatoulei auf dem Programm. Das kleine Mädchen leidet unter Rachitis, eine Erkrankung der wachsenden Knochen, die u.a. zur Verformung der Beine führt. Medikamente, die wir mitbrachten, werden dem Mädchen weiterhelfen. Ich hoffe, dass die Behandlung sichtbar sein wird, wie vor einigen Jahren bei Mariama. Die besucht heute die 7. Klasse einer fortführenden Schule. Wir sind sehr glücklich, dass wir für sie einen Sponsor gefunden haben.

Übrigens: Dr. Emanuel würde sehr gerne eine deutsche Medizinerin, einen Mediziner oder eine Krankenschwester für einige Zeit in seiner Praxis beschäftigen. Wir vom Verein würden natürlich den Kontakt herstellen.

Wie wichtig die Hilfe bei der medizinischen Versorgung ist, zeigt nur ein Beispiel. Ein fünfjähriger Junge hatte sich den Arm gebrochen und eine Infektion bekommen. Er litt unter fürchterlichen Schmerzen. Sein Vater konnte mit ihm nicht zum Arzt fahren, weil er kein Geld für das Buschtaxi und die Behandlung hatte. Wegen solch einer Verletzung, die unbehandelt blieb, hat übrigens unser Lehrer Jawara als Kind seinen Arm verloren. Für den kleinen Jungen kam die Hilfe durch uns noch rechtzeitig. Für mehrere Arztbesuche übernahmen wir die Behandlungskosten. Nach zwei Wochen kam uns der Junge mit eingegipstem Arm freudestrahlend entgegen.

Eine „unserer Jugendlichen“ erhält eine Ausbildung zur Schneiderin und übt fleißig auf der Nähmaschine aus Deutschland. Demnächst erlernt sie das Zuschneiden und könnte bald ihr eigenes Geld verdienen und zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Vielleicht wird sie dieses Jahr schon die Schulkleidung für die Kinder unserer Schule nähen.


So wird Hilfe zur Selbsthilfe


Ich denke, wir haben in den vielen Jahren unserer Vereinsarbeit gezeigt, dass die Spenden sinnvoll eingesetzt werden und dort ankommen, wo sie dringend benötigt werden. So wird Hilfe zur Selbsthilfe.

Unser Hauptziel bleibt es, die 90 Kinder auch weiterhin täglich mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen und ihnen einen freien Schulbesuch zu ermöglichen. Dafür benötigen wir für den Wareneinsatz im Monat 156 Euro und 222 Euro für Personal. Demzufolge können wir für 50 Euro im Jahr einem Kind den Schulbesuch einschließlich einer warmen Mahlzeit ermöglichen. Daneben müssen wir auch für die Unterhaltung der Schule und des Gesundheitszentrums aufkommen.

Zum Glück wurde Gambia von Ebola verschont und wir hoffen, dass es so bleibt! Tragisch ist trotzdem, wie die Menschen in Gambia unter den Auswirkungen leiden. Denn das Land lebt fast ausschließlich vom Tourismus, und dieser ist durch Ebola in den anderen westafrikanischen Staaten so gut wie zum Erliegen gekommen.

 

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