Güstrow : Wo bleibt er denn, der Frühling?

Silvia Tänzler erfreut sich an farbenfrohen Primeln und Stiefmütterchen.
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Silvia Tänzler erfreut sich an farbenfrohen Primeln und Stiefmütterchen.

Unsere SVZ-Umfrage ergab verhaltene Vorfreude und Skepsis an der Wetterfront

svz.de von
05. März 2016, 05:00 Uhr

Der Frühling kann kommen, wenn es nach Silvia Tänzler geht. Die Inhaberin der Güstrower Baumschulen freut sich, dass in dieser Woche die ersten Hobbygärtner die Sonnenstrahlen nutzten, um ihren Vorgarten zu verschönern oder aber ihren Balkon schon mal mit Primeln oder Stiefmütterchen bunt zu gestalten. Schließlich war der Winter zwar nicht sonderlich stark, aber doch lang genug. Nun kann der Frühling tatsächlich kommen, meint die Frau vom Fach.

Aber wo bleibt er denn, der Frühling? Müssen wir wirklich bis zum 20. März, dem kalendarische Frühlingsanfang, warten? Oder wird es Ostern gar Schnee geben?

Der Meteorologe: keine Kaffeesatzleserei

Der Güstrower Wetterexperte Thomas Daniels ist da noch vorsichtig. „Die Wetterlage stellt sich im März/April oft sehr schnell um, weil über dem Atlantik ein Tief das andere jagt.“ So viel Ausblick möchte Daniels aber schon wagen: Ein großer Wintereinbruch ist nicht in Sicht. Frühlingshaft allerdings werden die Temperaturen in den nächsten Tagen wohl nicht. „Für zumindest etwa zehn Tage erwarte ich tagsüber so 6 bis 10 Grad, nachts muss man aber immer noch mit leichtem Bodenfrost rechnen. Die Winterreifen empfehle ich also noch drauf zu lassen.“ Heißt in der Zusammenfassung: Zumindest die erste Hälfte des März wird etwas zu kühl sein. „Alles danach ist aber Kaffeesatzleserei“, sagt der Meteorologe, der mit seiner Güstrower Wetterwarte verschiedene Tourismusanbieter im Land und den Radiosender Antenne MV mit Hintergrundinformationen zum Wetter versorgt sowie mehrere Internetplattformen zum Thema Wetter betreibt.

Die Verkäufer: Kunden noch verhalten

Den Reifentipp gibt auch der Reifenexperte. „Es ist noch zu früh“, sagt Niels Bever vom gleichnamigen Reifendienst. „Es sind bisher nur wenige, die auf Sommerreifen wechseln lassen, dafür ist die Wetterlage noch zu kippelig. Wenn dann der Ansturm kommt, werden wir aber vorbereitet sein.“

„Noch verhalten“ sind seine Kunden. Ralph Griem vom Blumenhof Griem mag noch nicht so viel vom Frühling merken. Immerhin wird der nahe Frauentag wie jedes Jahr den Umsatz ankurbeln, weiß der Unternehmer. „Und dann wird es in den Tagen danach schon losgehen“, schaut Griem optimistisch voraus.

Die Kleingärtner: in den Fingern juckt’s schon

Dem Kleingärtner frieren zwar die Finger, aber es juckt auch in den Fingern. Heißt: Der Gartenliebhaber pusselt schon mal auf seiner Scholle rum. Er harkt den Rasen, streut Kalk und scheidet die Stauden herunter. Im Winter, so erklärt Rainer Pettene, waren sie noch stehen geblieben, weil die Vögel hier und da noch Samen fanden. „Winterlinge, Schneeglöckchen und erste Krokusse blühen. Man merkt, dass das Leben zurückkehrt“, sagt der Vorsitzende der Kleingartenanlage „Hoher Berg“ zwischen Kuhlenweg und Schliemannstraße. Und natürlich seien die Kleingärtner mit Gewächshaus schon aktiv. Unter Glas sind die Radieschen eingesät. „Die Kartoffeln liegen zum Vorkeimen bereit und der Kleingärtner deckt sich mit Sämereien ein“, erzählt Rainer Pettene weiter. Allerdings sei die Vorfreude nicht ganz ungetrübt. „Die enorme Pachterhöhung durch die Stadt ärgert uns alle sehr“, betont der Vereinsvorsitzende. Eine Vervierfachung des Pachtszinses – wenn auch in zwei Jahresscheiben – sei ein starkes Stück.

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