Getreidespeicher in Pölitz : Wo Alt und Neu sich begegnen…

Michael Hagner  hält vor dem alten Getreidespeicher in Pölitz seine Vision eines verwandelten Speichers in Händen. Fotos: Regina Mai
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Michael Hagner hält vor dem alten Getreidespeicher in Pölitz seine Vision eines verwandelten Speichers in Händen. Fotos: Regina Mai

Der ehemalige Getreidespeicher in Pölitz wandelt sein Gesicht. Im Dachgeschoss entsteht eine Penthouse-Wohnung.

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22. Juni 2016, 05:00 Uhr

Das Boot steht noch immer im „Winterquartier“ – merkwürdig, muss sich Mechael Hagner (55) eingestehen. Sein Faible für die Ostsee und das Hinterland brachte den gebürtigen Baden-Württemberger immer wieder zuerst nach Schleswig-Holstein, dann nach MV. Nun wo er mit dem Kauf des alten Speichers in Pölitz der Region, die er so mag, näher rückt, steht das Boot auf dem Trockenen. Die Arbeit am Speicher fasziniert ihn viel mehr. Gerade ist der Schreiner und Innenarchitekt aus Saarbrücken wieder für ein paar Wochen im Norden, um mit der Sanierung und Neugestaltung des Anfang des 20. Jahrhunderts erbauten Getreidespeichers voranzukommen. Dabei ist mehr der Weg das Ziel.


Spielerisch leichtes Dach über massivem Bau


Bestandssichernd musste sich der 55-Jährige, der im deutsch-französischen Grenzgebiet in einem alten Bahnhofsgebäude wohnt, zunächst dem Dach widmen. Wo in den vergangenen Jahren Wasser eindringen konnte, verursachte es erhebliche Schäden. Eine Nutzungsidee fehlte noch. Schnell habe er aber bemerkt, dass er als erstes über eine künftige Nutzung des Dachgeschosses entscheiden muss. Ein Modell zeigt den Speicher mit einem eingeschnittenen, reduzierten Dach, darunter ein Penthouse, vielleicht 100 Quadratmeter mit vielen Glasflächen und viel Platz für eine umlaufende Dachterrasse. Die Wände hat Michael Hagner ein Stück herunter genommen. Jetzt erfüllen sie die Funktion einer Balustrade. Michael Hagner, der sich als Schreiner und Innenarchitekt an der Schnittstelle zwischen Planung und Praxis sieht, fast alles selbst macht und stets nach der effektivsten Lösung sucht, hat jeden Stein mehrfach angefasst, gesäubert und aufgestapelt. Wiederverwendung finden die Steine als Bodenbelag für die Dachterrasse. Für 200 Quadratmeter braucht er 7500 Steine, hat er errechnet. Generell arbeitet Michael Hagner gern mit vorhandenem Material, schaut mit Bedacht, was Neues daraus entstehen kann. Aus dem Holz eines Paneels hat er u.a. Tisch, Bett und Tür gebaut. „Ich habe ein Faible für Altes – ein altes Boot, alte Autos und alte Häuser“, erklärt der 55-Jährige. Einen besonderen Reiz sieht er darin, Altes und Neues miteinander zu verbinden. Froh sei er deshalb, dass der Speicher nicht unter Denkmalschutz steht und er somit frei in der Gestaltung sei. Dabei fühlt er sich nicht gehetzt, auch nicht unter dem Zwang, jede Nische des Gebäudes zu behandeln. Einen Zeitplan gibt es nicht. Vielmehr lässt Michael Hagner das Gebäude auf sich wirken und entwickelt behutsam Gestaltungsideen. Das gesamte Zwischengeschoss sieht er noch „als Spielraum“. Im Erdgeschoss wäre eine kleine Manufaktur denkbar, Platz, auf dem er sich ausbreiten kann, denkbar für ihn auch, dass er seinen Lebensmittelpunkt in den Norden verlagert.


Solides Bauwerk mit ursprünglicher Substanz


Fast hatte er sich alles ein bisschen schlimmer vorgestellt. „Geht man Schritt für Schritt vor, bleibt es überschaubar. Auch konnte ich jedes Problem bisher lösen“, erklärt Michael Hagner, der den Getreidespeicher im Internet entdeckt hatte. Ein Hamburger bot ihn zum Verkauf an. Das Haus habe aber noch eine Ehrenrunde drehen müssen. Ein anderer Interessent war ihm zuvor gekommen, hatte das Gebäude „für’n Appel und ’n Ei“ gekauft und mit Aufschlag wieder zum Verkauf angeboten. Sicherheitshalber habe er vor der Entscheidung einen Holzgutachter durch den Speicher geschickt. Ergebnis: Zwar hier und da ein Pilz, aber kein Hausschwamm. So hätten eine solide Substanz und der ursprüngliche Zustand („nichts verfuscht“) eindeutig für den Getreidespeicher gesprochen.

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