zur Navigation springen

Gross Breesen : „Wir wollen doch nur drei Schilder“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Seit drei Jahren kämpfen die Groß Breesener für Tempo 30 – ohne Erfolg. Einwohnerversammlung zum Thema für morgen geplant.

von
erstellt am 25.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Auf ihrer Internetseite beschreiben die Groß Breesener ihren Versuch einer Geschwindigkeitsreduzierung im Ort auf 30 Kilometer pro Stunde als „Straßenkampf“. Und wie ein Kampf mutet es inzwischen auch an. Vielleicht einer wie David gegen Goliath. Wer nach Groß Breesen kommt, dem bietet sich eine enge, teils sich verjüngende und schwer einsehbare – da kurvenreiche – Ortsdurchfahrt. „Mit 50 kann man hier schlichtweg nicht fahren und tut man es doch, so kann das bei Gegenverkehr zu gefährlichen Situationen kommen“, erzählt der Groß Breesener Jörg Mücket. Schon häufig habe er solche Situationen beobachtet – nicht selten endeten sie (fast) im Straßengraben.

2014 – vor fast genau drei Jahren also – habe er daher gemeinsam mit einigen Anwohner erstmals ein Schreiben an den Landkreis aufgesetzt. „Die Straße teilen sich Pkw, Lkw, Schulbus, landwirtschaftlicher Verkehr, Radfahrer – insbesondere des Radfernwegs Berlin-Kopenhagen – und Fußgänger, da es keine Gehwege gibt“, erklärt Mücket, dem es vor diesem Hintergrund nur sinnvoll erscheint, direkt am Ortseingang ein 30-Schild aufzustellen.

Inzwischen ist Jörg Mücket, im normalen Leben Keramikhandwerksmeister, so etwas wie der Rechtsgelehrte im Ort. Im Gespräch zitiert er wiederholt aus der Straßenverkehrsordnung. „Wir sind der Meinung, dass die Einführung einer 30-Zone nach Paragraf 45 (1c) StVO wesentlich zur Entspannung der Situation beitragen würde“, erklärt Mücket. Diese Forderung beinhaltet aber auch eine hohe Fußgänger- und Fahrradverkehrsdichte sowie einen hohen Querungsbedarf. Und genau das sieht der Landkreis hier als nicht gegeben an. „Darüber hinaus ist die Gemeindeverbindungsstraße als Vorfahrtsstraße gekennzeichnet. Eine in Tempo 30-Zonen vorherrschende Regelung ,rechts vor links‘ ist in Ermangelung einmündender Straßen nicht umsetzbar“, informiert Kay-Uwe Neumann, Leiter des Landratsbüros.

Fünf Jahre, null Unfälle, keine erhebliche Gefahr

Auch ein einfaches 30-Schild komme hier, so der Landkreis, nicht in Frage. „Eine, das allgemeine Verkehrsrisiko erheblich übersteigende, Gefahr liegt nach Auffassung der Straßenverkehrsbehörde in Groß Breesen nicht vor“, heißt es vom Kreis. Ein wesentliches Indiz wäre beispielsweise eine erhöhte Unfallzahl. Doch auch die liegt hier nicht vor. Bei der Polizei seien für die Ortslage Groß Breesen in den vergangenen fünf Jahre keine Unfälle registriert worden, erklärt Gert Frahm, Sprecher der Polizeiinspektion Güstrow auf Nachfrage. Und auch eine Verkehrszählung im Juni 2015 brachte ein ernüchterndes Ergebnis.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache, aber der Eindruck der Groß Breesener ist ein anderer: „Muss denn hier erst etwas passieren?“, fragt Susanne Mücket, Mutter zweier Kinder (sechs und neun Jahre), besorgt. „Wir wollen doch nur drei Schilder“, ergänzt sie. Für den Landkreis ist die Rechtslage klar. „Es wurde dennoch zugesagt das Anliegen erneut und wiederholt im Rahmen der zur Verfügung stehenden Ressourcen zu prüfen“, erklärt Kay-Uwe Neumann. Auch eine erneute Verkehrszählung sei für 2017 geplant. „Die sollte dann aber im August, wenn der landwirtschaftliche Verkehr und der Radtourismus am größten sind, durchgeführt werden“, wünscht sich Jörg Mücket.

Bis dahin werde er nicht untätig sein, verspricht Mücket einen langen Atem. Schon morgen ist für 19 Uhr eine Einwohnerversammlung im örtlichen Bücherhotel geplant. Auch Bürgermeister Fred Lange haben die Groß Breesener auf ihrer Seite: „Ich habe nichts gegen Tempo 30 und bin gerne bei einem erneuten Antrag an das Amt behilflich. Bis dahin kann ich nur appellieren, dass alle Verkehrsteilnehmer hier gegenseitig aufeinander Rücksicht nehmen.“ Auch einen Rechtsstreit schließt Jörg Mücket nicht aus. Für ihn ist eine Reduzierung auf Tempo 30 unerlässlich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen