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Güstrower Anzeiger

21. November 2017 | 20:41 Uhr

"Wir reden hier über ungelegte Eier"

vom

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erstellt am 26.Feb.2012 | 05:39 Uhr

Wardow | Die riesige Hühneraufzuchtanlage in Bergfeld steht schon - trotz vieler Proteste. In Wattmannshagen und Wardow sollen Großanlagen zur industriellen Produktion von Masthähnchen folgen. Und in Suckwitz und Hägerfelde (siehe Beitrag unten) sind Schweinemastanlagen geplant. Ob Hühner oder Schweine - der Widerstand gegen die Massentierhaltung auf den Dörfern formiert sich. Die Bedenken der Gegner sind ähnlich: Angst vor Lärm, Gestank, erhöhter Verkehrsbelastung und vor allem vor angeblich gefährlichen Keimen, die durch das Zusammenpferchen vieler Tiere auf engstem Raum entstehen sollen. So auch in Wardow. Die Bund-Ortsgruppe unter Leitung von Jutta von Kuick lud deshalb Freitagabend zu einer Info-Veranstaltung über die zwischen Wardow und Kobrow geplante Hähnchenmastanlage ein. Hier will die Agrarproduktivgenossenschaft Wardow (APG) in zwei großen Ställen Platz für knapp 80 000 Tiere schaffen.

Informationsbedarf in Gemeinde hoch

Investor Christian Heine von der APG war trotz Einladung nicht erschienen, so dass die Gegner der Mastanlage in der Diskussion die Überhand hatten. Dass der Informationsbedarf aber immens hoch ist, bewies das total überfüllte Feuerwehrhaus. Mehr als 50 Wardower hörten interessiert die Ausführungen zu den Gefahren der industriellen Tierproduktion u.a. von Bund-Geschäftsführerin Corinna Cwielag sowie Eckehard Niemann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Sein Motto: "Bauernhöfe statt Agrarfabriken". Niemann koordiniert bundesweit 160 Bürgerinitiativen gegen solche Anlagen. Sein Vorwurf an den anwesenden Wardower Bürgermeister Günter Schink: die Gemeinde habe die Bürger bisher unzureichend informiert. "Ich fordere die Gemeinde auf, ein klares Nein zur Hähnchenmast abzugeben", so Niemann.

Schink nahm den Ball auf: "Wir reden hier über ungelegte Eier. Bis heute ist kein Bauantrag gestellt. Wir alle kennen noch nicht die Details." Man dürfe nicht den zweiten vor dem ersten Schritt machen. Eine Information stehe zunächst dem Investor zu. Die Gemeindevertretung könne sich so eine Anlage durchaus vorstellen, habe auch bereits eine ähnliche besichtigt. Schink stellte jedoch klar: "Ich will hier nichts mit Gewalt gegen die Bürger durchboxen, aber wir als Gemeinde werden bei dem Vorhaben auch nur angehört. Wenn sich der Investor an geltendes Recht hält, wird er eine Baugenehmigung bekommen." Er registriere jedoch den hohen Gesprächsbedarf in Bezug auf die Hähnchenmast in der Gemeinde. Deshalb halte er eine Einwohnerversammlung für sinnvoll. "Dabei sollten auch Alternativen zu der geplanten Anlage diskutiert werden", so Schink.

Auch die Zuhörer forderten eine öffentliche Sitzung. Wolfgang Grimme von der Bund-Ortsgruppe setzte in gegenseitigem Einverständnis den Termin zur Fortführung der Diskussion auf den 23. März fest. Der Bürgermeister habe gemerkt, dass die meisten Wardower gegen die Hähnchenmast seien, unterstrich Jutta von Kuick. "Ich freue mich, dass so viele gekommen sind. Die Dorfgemeinschaft hat ihre Zusammengehörigkeit bewiesen." Konkretes Ergebnis: nach der Veranstaltung gründete sich spontan eine Bürgerinitiative mit sieben Leuten gegen die Anlage in Wardow. "Es geht weiter", so Jutta von Kuick.

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